Heavy Metal & Gender"Schreiende Frauen stoßen auf Widerstand"

Der Metal-Fan ist ein aggressiver Hüne, dem das Weib nackt zu Füßen liegt. Soweit das Klischee. Endlich beleuchtet ein Kongress in Köln die Geschlechterrollen im Genre. von 

Wer hat was von blond und lieblich gesagt? Die Sängerin Angela Gossow von der Metal-Band Arch Enemy lässt's krachen

Wer hat was von blond und lieblich gesagt? Die Sängerin Angela Gossow von der Metal-Band Arch Enemy lässt's krachen  |  © Jo Hale/Getty Images

Angela Gossow schreit. Sie unterrichtet sogar Schreien, an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Die Sängerin der Heavy-Metal-Band Arch Enemy gibt den Vocal Workshop Extreme, Aggressive, Female , Teil eines ungewöhnlichen wissenschaftlichen Kongresses: Heavy Metal and Gender heißt er und gehört zum Projekt History/Herstory , das sich der geschlechtersymmetrischen Musikgeschichtsforschung verschrieben hat.

Muskulöse Hünen mit nacktem Oberkörper und Wallemähne, Frauen sollen ihnen am besten barbrüstig zu Füßen liegen: So stellt sich der Laie das Rollenbild im Heavy Metal vor. Doch so schlicht geht es nicht zu in diesem Genre, das sich über die Jahre und über seine geografische Ausbreitung differenziert hat, sagt Florian Heesch, der zusammen mit Professor Michael Rappe den Kongress organisiert.

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Beispiel Ozzy Osbourne . Dem ist beim Kongress eine Lektion gewidmet, die den Black-Sabbath-Gründer und späteren Star einer MTV-Reality-Soap auf seine Qualitäten als Male Role Model hin durchleuchtet. "Auf Black Sabbath", sagt Florian Heesch, "lässt keiner was kommen, ob Death-, Thrash- oder Mainstream-Metaller". Ozzys Band gilt als Mitbegründerin des Genres – und damit auch der Sänger, "obwohl der nicht unbedingt die Ansprüche an Perfektion erfüllt". Osbourne ist eher klein gewachsen und nicht gerade ein Muskelprotz.

Das "bewusst Hässliche, bewusst Irre" sei von Anfang an Teil des metallischen Männlichkeitsbildes gewesen, sagt Heesch. Neben Bands wie Manowar, die ihre Rollenfantasien eins zu eins aus Berserker-Filmen wie Conan der Barbar übernehmen, gebe es auch andere Typen, etwa den bärtigen Naturburschen mit Schwert, aber nicht unbedingt mit Muskeln wie im Viking Metal. Und bei moderneren Formen, im Metalcore etwa, gebe es sogar androgyne Kurzhaarige.

Und die Frauen? "Die sind meistens Sängerinnen, Keyboarderinnen, allenfalls Bassistinnen", sagt Heesch, "und wenn sie singen, singen sie schön, anders als die brüllenden Männer". Der Fachbegriff für das gutturale Metal-Gegrunze der Männer ist growling .

Dass Frauen wie die Arch-Enemy-Sängerin Angela Gossow sich auch an so was wagen, finden nicht alle Metal-Fans gut: "Schreiende Frauen stoßen auf Widerstand", sagt Heesch, "da bekommt man zu hören, das Growlen haben Männer erfunden, die Frauen sollen sich was Eigenes suchen". Dabei brächten Frauen durchaus die anatomischen Voraussetzungen für zünftiges Gebrüll mit: "Ein Beleg, dass unsere Wahrnehmung kulturell bedingt ist und das Rollenbild nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun hat."

Ist die Emanzipation also am Heavy Metal vorbeigegangen? "Wenn Emanzipation passiert, dann passiert sie anders, durch Machen", sagt Heesch. "Frauen wie Gossow zeigen, dass sie können, was ihnen die Szene nicht unbedingt zutraut."

Leserkommentare
    • TDU
    • 06. Oktober 2009 11:32 Uhr

    Endlich mal ein kulturelles Thema (keine Kritik) in der die Analyse scheinbar? zurückhaltend daherkommt. Aber vermutlich setzen sich die Schreihälse nicht durch, weil die Musik zu laut ist.

    • M.M.
    • 06. Oktober 2009 12:06 Uhr

    ............es ist eine Geschmacksfrage, sicherlich, aber ich finde diese Donnermusik mit immer gleichen Akkorden, den immer gleichen Intros und das tumbe Gebrülle einfach nur langweilig, egal ob' s die Mädels singen oder die "harten Kerle".
    Es hat mal einer gesagt, mit 3 Akkorden kommt man nicht weit, irgendwann braucht man einen vierten.
    Wer??
    P.Mc Cartney.
    Und er hat recht.

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    • TDU
    • 07. Oktober 2009 10:48 Uhr

    Akkorde sind ja nicht das Einzige. Das Gitarrenspiel verlangt die Kenntnis der Harmonielehre und die Fähigkeit zum Spielen der klassichen Techniken. Da hätte der von mir auch sehr geschätzte Paul Mc Cartney ohne lange Übung auch nicht viel erreicht. Und ein wirklich guter Riff ist nicht so leicht aus den Fingern gezaubert, genauso wie ein Stück mit nur 4 Akkorden.

    das ist so als wenn sie anmerken das klassische orchestermusik was für ältere leute und spießer ist oder das hip-hop sie nervt weil da immer so neureiche ghettopimps in dicken karren rumfahren oder jazz so ein nervtötendes gefrickel ist.

    intelligente menschen sollten gelernt haben das sie bei vielen themen nur an der außenhülle gekratzt haben und das dies zuwenig ist sich ernsthaft zu diesem thema zu äußern.

    • Thurse
    • 18. Dezember 2009 0:05 Uhr

    Hmm ich muss mich doch etwas wundern...Drei Akkorde? Hmm Hören sie sich doch einmal bitte Bands wie Rhapsody oder sehen sie sich die Gitarrenspuren von Cannibal Corpse oder Dream Theater an..nur um mal ein paar Beispiele zu nennen. Auch wenn es nicht ihr Geschmack sein mag, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie mehr als nur drei Akkorde gerade bei der letztgenannten BAnd finden werden. Dies gilt übrigens für die meisten Metalbands. Die Drei-Akkord-Mär wird gerne auf Punkmusik angewand, eventuell verwechseln sie dort etwas?
    mfg
    Thurse

    http://www.youtube.com/wa...

    und ich wette bei der Geschwindigkeit hätte der liebe Paul auch so seine Not noch die richtigen Griffe hinzubekommen

    http://www.youtube.com/wa...

    gruß

  1. 3. Nett

    dass nun Arch Enemy mal die Menschheit kennenlernt, aber einige Sätze scheinen mir... merkwürdig.
    "Schreiende Frauen stoßen auf Widerstand", sagt Heesch, "da bekommt man zu hören, das Growlen haben Männer erfunden, die Frauen sollen sich was Eigenes suchen".

    Einmal abgesehen davon, dass mir der begriff des Gruntens passender erscheint, habe ich noch nie erlebt, dass Arch Enemy irgendwo ernsthaft kritisiert wurde, weil eine Frau singt. Abgesehen davon ist AE bei weitem nicht die einzige Band mit Frontfrau im Deathmetal, Holy Moses, Wolfmare(wobei da nur Death-Elemente eingebaut sind) und einige andere nutzen das ebenfalls. Aber gut, man soll nicht motzen, ansonsten sehr netter Artikel.

  2. Eine schöne musikalische Ergänzung zum Artikel sind Opera IX aus Italien (Death Metal-Genre), etwa mit der genialen Cover-Version des Bauhaus-Klassikers "Bela Lugosi's Dead": http://www.youtube.com/wa... (andere Stücke sind wohl Genre-typischer, aber wohl nur für Fans zu ertragen, etwa http://www.youtube.com/wa... )

  3. Interessanter Artikel, auch wenn inhaltlich etwas wirr zusammengestrickt, denn es mischt sich allgemeines über die Metal-Szene mit der Genderthematik, hätte man inhaltlich besser strukturieren können.

    Habe bisher auch noch keine Kritik an Frauen im Metal erlebt. Gibt ja auch einige Bands die aus Frauen bestehen oder eine Sängerin haben. Grundsätzlich muss dieser Gesang im Metal nur nicht immer aus Growling bestehen, dieser findet sich eben (nur) in den entsprechenden Sparten oder Mischformen.

    @ M.M.
    Wie wäre es, wenn Sie sich einfach mal mit der Materie befassen, [...]? Hören Sie sich doch mal Iron Maiden, Blind Guardian, Dream Theater an, wenn sie Anspruchsvolleren Metal suchen oder - wenn es etwas härter aber dennoch anspruchsvoll sein soll - Opeth.

    [Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf persönliche Angriffe. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

    • Madder
    • 06. Oktober 2009 13:26 Uhr
    6.

    Ich seh einfach keinen Roten Faden in dem Artikel. Geht es jetzt um Frauen als Sänger in Metalband, um den Musikkongress oder um Genres des Metals und seine Anhäger?
    Alle drei Theme würden einen guten Artikel abgeben, aber man müsste durchaus noch etwas recherche Arbeit investieren und sich mit der Materie befassen. So ist es wie schon erwähnt wirr bis nicht sogar falsch.
    Ich persöhnlich hab viel mehr das gegenteil erlebt, dass leute Archenemy hören weil die Sängering weiblich ist und trotzdem so klingen kann. Genauso wenig löblich wie die andere Richtung.
    Metal ist viel zu breit und komplex, dass man ihn mal in einem zweiseitigen Artikel mit Chauvinissmusskritik und Werbung für eine Verantstlatung verwursten kann.

    Metal ist eine sehr diffenzierte Kultur und so sollte man auch darüber Berichten

    Eine Leserempfehlung
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    • TDU
    • 07. Oktober 2009 11:03 Uhr

    Nur ich vemute, Larry Kilmister mit seiner Vorliebe für Alkohohl und Frauen, die er angeblich mehrere Tage an die Decke gehängt hat, bestimmt bei Szeneunkundigen (bin auch einer) immer noch das Bild.

    Finde ich aber auch nicht schlimm. Mit dem Aufkommen einer bestimmten Msuikrichtung gab es ja auch jede Menge Videos mit leicht bekleideten Frauen, umgeben von Mülltonnen.

    Und aus Wocken ist nicht bekannt, dass es jemals irgendwelche Übergiffe auf weibliche Zuschauer gab. Deswegen gefällt mir ja auch die zurückhaltende Art der Stellungnehmer im Artikel und dieser selbst.

    • TDU
    • 07. Oktober 2009 10:48 Uhr

    Akkorde sind ja nicht das Einzige. Das Gitarrenspiel verlangt die Kenntnis der Harmonielehre und die Fähigkeit zum Spielen der klassichen Techniken. Da hätte der von mir auch sehr geschätzte Paul Mc Cartney ohne lange Übung auch nicht viel erreicht. Und ein wirklich guter Riff ist nicht so leicht aus den Fingern gezaubert, genauso wie ein Stück mit nur 4 Akkorden.

    Antwort auf "Ach nee..........."
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    • TDU
    • 07. Oktober 2009 11:11 Uhr

    Muss es natürlich heißen. Aber auch mehr führen nicht automatisch zu besserer Musik.

    • TDU
    • 07. Oktober 2009 11:03 Uhr

    Nur ich vemute, Larry Kilmister mit seiner Vorliebe für Alkohohl und Frauen, die er angeblich mehrere Tage an die Decke gehängt hat, bestimmt bei Szeneunkundigen (bin auch einer) immer noch das Bild.

    Finde ich aber auch nicht schlimm. Mit dem Aufkommen einer bestimmten Msuikrichtung gab es ja auch jede Menge Videos mit leicht bekleideten Frauen, umgeben von Mülltonnen.

    Und aus Wocken ist nicht bekannt, dass es jemals irgendwelche Übergiffe auf weibliche Zuschauer gab. Deswegen gefällt mir ja auch die zurückhaltende Art der Stellungnehmer im Artikel und dieser selbst.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 6"
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    Lemmy heißt der gute Mann, bürgerlich Ian Fraser Kilmister...

    und Wocken scheint mir eher was für Stefan Raab zu sein... Wacken nicht.

    und die ZEIT-Online-Redaktion hat noch einen schönen Artikel:
    http://www.zeit.de/kultur...

    Nix für ungut :-/

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