Pop aus Mali Lass uns Fula sprechen!Seite 2/2

Bassekou Kouyaté und seine Band Ngoni Ba

Bassekou Kouyaté und seine Band Ngoni Ba

 Auch die tief klingende Bass-Ngoni habe Bassekou Kouyaté erfunden, heißt es, und er sei der Erste gewesen, der das Instrument an einen Verstärker anschloss und ein paar Saiten mehr aufspannte, um der Ngoni ausgefallene Harmonien entlocken zu können. Ob das alles stimmt? Ganz gleich, heute tut das jeder in Mali.

Ob er sich rebellisch fühle, frage ich. Bassekou Kouyaté lächelt. Ja, ganz bestimmt lächelt er, als seine Managerin ihm das vorliest. So viele Zuschreibungen, so viele Übertreibungen. (Drei Tage später die Antwort:) Non! No! Nein!, ganz sicher sei er kein Rebell. Schließlich singe er dieselben Worte wie sein Vater und dessen Vorfahren. Es seien die immer gleichen Themen, die die Menschen beschäftigen. Einen eigenen Stil habe er, aber den habe ja jeder Musiker.

Geboren wurde er im Jahr 1966 in der kleinen Stadt Garana am Niger. Mit zwölf begann er Ngoni zu spielen, mit Anfang zwanzig zog es ihn 300 Kilometer flussabwärts in Malis Hauptstadt Bamako. Er spielte hier und da, verdiente sein Geld auf den Bühnen und Platten anderer, auf Hochzeiten. Erst vor wenigen Jahren nahm er das Heft in die Hand und gründete die Band Ngoni Ba. Jay Rutledge, Moderator bei Bayern 2 und Gründer des Labels Out Here, hörte eines der Konzerte und war begeistert. Er veröffentlichte im Jahr 2007 ihr erstes Album Ségu Blue. Es gewann den BBC World Music Award – seitdem können die Musiker von ihrer Arbeit leben.

Eine Geschichte, wie sie derzeit immer häufiger zu erzählen ist: Afrikanische Musik überwindet die Grenzen des Kontinents und findet Gehör in Europa. Gleichzeitig nehmen sich junge amerikanische und europäische Bands afrikanischer Rhythmen an und modernisieren den Rock des Westens. Weichen die Grenzen auf? Neu sei das nicht, sagt Bassekou Kouyaté, schon immer ströme Musik von einem Teil der Welt in andere. Heute verändere sich die Musik der Welt eben schneller als früher. "Ich freue mich, Teil dieser Entwicklung zu sein." Bescheiden ist er.

Was ihm Tradition bedeute, frage ich. Tradition. So ein Wort. Das würde oft falsch verstanden, sagt er. Er sähe gar keinen Widerspruch zwischen Moderne und Tradition. Die malische Musiktradition sei nichts Totes oder Starres, an dem er sich bedienen würde. "Etwas auf traditionelle Art und Weise zu tun hält mich nicht davon ab, kreativ zu sein. Es ermutigt mich sogar, Neues zu tun." Die Musik seiner Vorfahren – die sogenannte Griot-Musik – sei lebendig, er verändere sie eben weiter.

Zuerst mit Ségu Blue, nun mit I Speak Fula. Die Band spielte das neue Album live im Studio ein, um die Energie ihrer Konzerte auf Platte zu bannen. Das lädt zum Tanz. Und welch köstlich doppeldeutiger Titel. Englisch spricht Kouyaté nämlich – wie gesagt – gar nicht, ein wachsender Anteil seiner Zuhörer außerhalb Malis und außerhalb Afrikas kann aber eben auch kein Fula. Die Nachricht: Ich spreche meine Sprache, ihr sprecht eure Sprache, wir verstehen uns.

Gerade haben die Indierocker vom Label Subpop das Album für den amerikanischen Markt lizensiert. Das ist schon überraschend, schließlich glich das Gitarrengeschrammel der Neunziger einer uneinnehmbaren Festung. Den Jungen dieser Zeit war die sogenannte Weltmusik ein Graus. Und ausgerechnet der europäisch-amerikanische Indierock sorgt in der letzten Zeit dafür, dass der Begriff der Weltmusik aus der Mode kommt und die Klänge zwischen den Kontinenten flottieren.

Bassekou Kouyaté sagt, ihn wundere das alles nicht. "Afrikanische Musik ist eben gut!" So einfach ist das.

"I Speak Fula" von Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba ist bei Out Here/Indigo erschienen.

 
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