Kongo "Die Kongolesen erschaffen aus dem Nichts etwas Schönes"Seite 2/2
ZEIT ONLINE: Wie eng ist die klassische Musik mit der Kirche verbunden?
Bleasdale: Sie sind ein und dasselbe. Die Kirche ist das Orchester und umgekehrt. Jedes Orchestermitglied ist Teil der Kirche.
ZEIT ONLINE: Nach Ihren jüngsten Erfahrungen – hat sich die Situation im Kongo in den letzten Monaten etwas verbessert?
Bleasdale: Es kommt darauf an, wo man lebt. Im Osten auf keinen Fall, dort ist es eher noch schlimmer geworden. In Kinshasa ist ein bisschen mehr Geld im Umlauf verglichen mit Anfang der Neunziger Jahre, als ich zum ersten Mal dort war. Man sieht zum Beispiel deutlich mehr Autos auf den Straßen. Es ist ein bisschen sicherer geworden, aber wenn man Oppositionspolitiker ist oder sich gegen die Regierung stellt, riskiert man sein Leben. Der Kongo ist keine Demokratie und keineswegs ein freier Staat. Die Leuten können nicht sagen, was sie denken und es gibt keine freie Presse.
ZEIT ONLINE: Haben Sie durch Ihre Begegnung mit den Musikern dennoch einen optimistischeren Blick auf das Land bekommen?
Bleasdale: Ich habe keinen anderen Kongo erlebt. Es war höchstens ein anderer Blick auf Dinge, die ich auch vorher schon kannte. Es ist der Kongo, in den ich mich verliebt habe, ein Land, das mich immer wieder zurückkehren lässt. Es ist die Liebe der Menschen am Leben, die Liebe zur Musik, die Fähigkeit, selbst unter den schlimmsten Umständen zu überleben. Die Kongoleser schaffen aus dem Nichts etwas Schönes, aus diesem Krieg heraus lassen sie etwas entstehen, das aufrecht und außergewöhnlich ist.
Die Fragen stellte Carolin Ströbele
- Datum 17.11.2009 - 12:00 Uhr
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