Konzertführer Was muss ich über Klassik wissen?
Der Geiger Daniel Hope hat in seinem Buch "Wann darf ich klatschen?" die Regeln des Klassik-Betriebs festgehalten. Freilich höchst subjektiv und sicherlich auch streitbar. Wir zeigen Auszüge. Diskutieren Sie mit!
Sonntagsstaat oder Räuberzivil?
Daniel Hope schreibt: "Wahrscheinlich liegt es an meiner Erziehung und an Gewohnheit von Kindesbeinen an, jedenfalls finde ich, dass die Musik einen gewissen Respekt verdient und dass man ihn durchaus auch an seiner Garderobe zeigen sollte. Ein Konzert hat für mich etwas Festliches, so wie ein Opern- oder Theaterbesuch, und zu festlichen Anlässen wähle ich die entsprechende Kleidung. Nicht übertrieben, aber doch anders als zu Hause vor dem Fernsehapparat oder beim Gang auf den Wochenmarkt. (…) Aber nochmals: Einen speziellen Dresscode für den Konzertsaal gibt es nicht, allen bleibt überlassen, was sie anziehen, und der individuelle Geschmack gibt jedem etwas anderes ein."
- Datum 10.11.2009 - 18:20 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Schon der Titel ist amüsant und die Serie gleichen Namens, die morgens um 7 Uhr 30 auf NDR Kultur läuft und von Daniel Hope gesprochen wird, verfolgt unter anderem den Zweck, Menschen mit dem klassischen Kulturbereich der "E-Musik" vertrauter zu machen. Das ist ein guter Ansatz, denn leider haben nach meiner Erfahrung viele Menschen keinen Zugang zur klassischen Musik, was wirklich bedauerlich ist!
ich veranstalte seit einiger zeit klassische konzerte für nichtklassisches publikum. als erfolgreich hat sich meineserachtens eine mischung erwiesen. man bittet die leute vorher statt des szenenaplauses darum doch einfach ganz ruhig die arme zu heben, gefällt ihnen eine stelle besonders gut, oder aber zu überkreuzen, sind sie mit einer stelle ganz und gar nicht einverstanden. so sehen zwar viele im publikum die teilweise nicht unbedingt qualifizierten kommentare, der hörgenuss aber bleibt erhalten.
ich veranstalte seit einiger zeit klassische konzerte für nichtklassisches publikum. als erfolgreich hat sich meineserachtens eine mischung erwiesen. man bittet die leute vorher statt des szenenaplauses darum doch einfach ganz ruhig die arme zu heben, gefällt ihnen eine stelle besonders gut, oder aber zu überkreuzen, sind sie mit einer stelle ganz und gar nicht einverstanden. so sehen zwar viele im publikum die teilweise nicht unbedingt qualifizierten kommentare, der hörgenuss aber bleibt erhalten.
Es ist schon bejammernswert, dass die Kulturkreativität immer noch kein adäquates Mittel herausgefunden hat, die durch höchste Kunstfertigkeit vieler beteiligter Künstler spielerisch und doch mühevoll während eines Konzertes feinst sensiblisierten Ohren NİCHT durch frenetisches Geklatsche wieder taub zu machen.
Wenn dann auch noch ein Violinvirtuose sich hier nicht schämt, sinnlose Konventionen einfach aufzuwärmen, dann Gute Nacht den feinen Künsten. Sollte er doch zum Beispiel einfach einmal Kafka's "Auf der Galerie" lesen und die Wirkung der "Dampfhämmer" erfahren.
Natürlich will ich als Publikum dem Artisten danken oder ihn schmähen, aber wie, ohne dem musikalischen Genuss und seinen erheblichen Nachwirkungen perverser Weise Schaden zuzufügen?
Es ist weniger die Aufgabe des Interpreten, sondern des Verfassers von Programmheften, dem jungen und dem musiktheoretisch weniger vorgebildeten Hörer eine verständliche Einführung in ein musikalisches Werk zu liefern. Dies mit einigen wenigen Sätzen zu bewerkstelligen, ist eine große Herausforderung. Viele Programmhefte bringen statt dessen eine Fülle biographischer Angaben über die Komponisten. Es scheint, als wolle man dem Konzertbesucher für den Fall, daß ihn das Stück langweilt, damit eine Ablenkung verschaffen.
Man gehe mal in Bonn ins Konzert. Ein klassisches natürlich.
Die gesamte ältere Generation höherer Ministerialbeamter tritt auf,man ist fein gekleidet, gibt sich sachkundig,klatscht an der richtige Stelle.
Wenn man diesen Konzertbetrieb sieht, stellt sich das Gefühl ein, hier wird bald gähnende Leere sein. In dieses Museum trauen sich jüngere nicht hinein, sie werden von der Atmosphäre ohnehin eher erstickt.
Begeisterung durch Musik, das wird anderen Orte überlassen. Wie schade für diese wunderbare Musik.
Durch meine Kleidung ehre ich die Künstler. Natürlich, ein Konzert kann ich auch zu Hause in eventuell besserer Qualität
in Cordhose hören, als in einem Konzertsaal.
Gehe ich in eine Oper oder in einen Konzertsaal spielt die Atmosphäre eine grosse Rolle, die Umgebung, die Menschen, eben das Besondere, wie gesagt durch die Technik sind wir heute in der Lage, ein Sinfonieorchester ins Wohnzimmer zu holen, wir werden aber nie die Atmosphäre erleben.
Der mangelnde Zulauf der Jugend im Bereich der E-Musik hängt zum großen Teil mit dem angestaubten, immer noch elitären Image jener Musik zusammen. Dieses Image wird (bewusst) aufrecht erhalten durch Verhaltensregeln, Dresscodes, usw. Vieles davon wirkt abschreckend auf die Jugend.
Gerade in der Fachliteratur wird seit mehreren Jahren eine Krise der Klassik postuliert, die aber als eine Krise der angesprochenen starren Aufführungsstrukturen definiert wird und nicht als Krise der Musik an sich. Für mich bedeutet das, dass man eben bei den Verhaltensregeln und Dresscodes und Aufführungskonzepten ansetzen muss, um eine Aufführung (oder Konzert) im Bereich der klassischen Musik wieder für die Jugend interessant zu machen. Als Beispiel sei hier die "Yellow Lounge" erwähnt, ein Projekt, in dem die klassische Musik aus dem Konzertsaal in einen mehr oder weniger angesagten Club verlegt wird. Auch hier fühlt sich der Künstler geehrt und verstanden. Und das liegt nicht an der Kleidung sondern an den Reaktionen, die der Hörer in diesem Umfeld in der Lage ist zu zeigen.
Sicherlich muss man einen moderaten Weg finden, um der Klassik unter die Arme zu greifen. Daniel Hope geht die Angelegenheit in seiner Publikation recht locker an und wärmt nicht nur sinnlose Konventionen wieder auf sondern ist auch bereit bei einigen Teilaspekten eine gewisse Lockerung eben jener Konventionen zu akzeptieren.
Durch meine Kleidung ehre ich die Künstler. Natürlich, ein Konzert kann ich auch zu Hause in eventuell besserer Qualität
in Cordhose hören, als in einem Konzertsaal.
Gehe ich in eine Oper oder in einen Konzertsaal spielt die Atmosphäre eine grosse Rolle, die Umgebung, die Menschen, eben das Besondere, wie gesagt durch die Technik sind wir heute in der Lage, ein Sinfonieorchester ins Wohnzimmer zu holen, wir werden aber nie die Atmosphäre erleben.
Der mangelnde Zulauf der Jugend im Bereich der E-Musik hängt zum großen Teil mit dem angestaubten, immer noch elitären Image jener Musik zusammen. Dieses Image wird (bewusst) aufrecht erhalten durch Verhaltensregeln, Dresscodes, usw. Vieles davon wirkt abschreckend auf die Jugend.
Gerade in der Fachliteratur wird seit mehreren Jahren eine Krise der Klassik postuliert, die aber als eine Krise der angesprochenen starren Aufführungsstrukturen definiert wird und nicht als Krise der Musik an sich. Für mich bedeutet das, dass man eben bei den Verhaltensregeln und Dresscodes und Aufführungskonzepten ansetzen muss, um eine Aufführung (oder Konzert) im Bereich der klassischen Musik wieder für die Jugend interessant zu machen. Als Beispiel sei hier die "Yellow Lounge" erwähnt, ein Projekt, in dem die klassische Musik aus dem Konzertsaal in einen mehr oder weniger angesagten Club verlegt wird. Auch hier fühlt sich der Künstler geehrt und verstanden. Und das liegt nicht an der Kleidung sondern an den Reaktionen, die der Hörer in diesem Umfeld in der Lage ist zu zeigen.
Sicherlich muss man einen moderaten Weg finden, um der Klassik unter die Arme zu greifen. Daniel Hope geht die Angelegenheit in seiner Publikation recht locker an und wärmt nicht nur sinnlose Konventionen wieder auf sondern ist auch bereit bei einigen Teilaspekten eine gewisse Lockerung eben jener Konventionen zu akzeptieren.
ich veranstalte seit einiger zeit klassische konzerte für nichtklassisches publikum. als erfolgreich hat sich meineserachtens eine mischung erwiesen. man bittet die leute vorher statt des szenenaplauses darum doch einfach ganz ruhig die arme zu heben, gefällt ihnen eine stelle besonders gut, oder aber zu überkreuzen, sind sie mit einer stelle ganz und gar nicht einverstanden. so sehen zwar viele im publikum die teilweise nicht unbedingt qualifizierten kommentare, der hörgenuss aber bleibt erhalten.
Warum ausgerechnet Leute wie Daniel Hope oder Gloria von Tut und Tatnix anderen Menschen erklären wollen, wie sie sich zu benehmen haben, ist mir ein großes Rätsel.
Oder eigentlich doch nicht ...
Und vor allem überflüssig!
Durch meine Kleidung ehre ich die Künstler. Natürlich, ein Konzert kann ich auch zu Hause in eventuell besserer Qualität
in Cordhose hören, als in einem Konzertsaal.
Gehe ich in eine Oper oder in einen Konzertsaal spielt die Atmosphäre eine grosse Rolle, die Umgebung, die Menschen, eben das Besondere, wie gesagt durch die Technik sind wir heute in der Lage, ein Sinfonieorchester ins Wohnzimmer zu holen, wir werden aber nie die Atmosphäre erleben.
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