Konzertführer Was muss ich über Klassik wissen?
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Wann darf ich klatschen?

Wann darf ich klatschen?

Warum erst klatschen, wenn der Vorhang fällt?

Warum erst klatschen, wenn der Vorhang fällt?

Daniel Hope schreibt: "Einmal saß ich in Venedig in einem Konzert, in dem ein Geiger Mozart spielte, leider nicht besonders gut und überhaupt nicht zur Zufriedenheit des Publikums. "Buffone!", riefen die Zuhörer, was so viel bedeutet wie "Kasper" oder "Hanswurst".  Sie kannten kein Pardon. Auf diese Direktheit sollten sich Musiker, die erstmals in Italien auftreten, beizeiten einstellen. Was für das Publikum im Süden ganz normal ist, gilt im Norden vielfach als grobe Stillosigkeit, wenn nicht gar als Zeichen von Dummheit. Deutsche Konzerttraditionen sehen Beifall nach einzelnen Sätzen nicht vor, erst ganz am Ende darf geklatscht werden (…). Doch sich ob die strengen Bräuche für alle Zukunft halten werden, scheint mir fraglich zu sein. Immer häufiger spüre ich – bei Zuhörern wie bei Musikerkollegen – Sympathie für das südländische Vorbild. Nicht etwa, dass es bei klassischen Konzerten zugehen soll wie bei einer Jam Session der Jazzer, wo nach einem gelungenen Solo sogar mitten in die Musik hineingeklatscht wird. Aber etwas spontaner und weniger steif könnte die Atmosphäre auch bei uns durchaus werden."

Lesen Sie hier mehr über Daniel Hopes neues Buch und seine CD mit Barockmusik.

 
Leser-Kommentare
  1. Schon der Titel ist amüsant und die Serie gleichen Namens, die morgens um 7 Uhr 30 auf NDR Kultur läuft und von Daniel Hope gesprochen wird, verfolgt unter anderem den Zweck, Menschen mit dem klassischen Kulturbereich der "E-Musik" vertrauter zu machen. Das ist ein guter Ansatz, denn leider haben nach meiner Erfahrung viele Menschen keinen Zugang zur klassischen Musik, was wirklich bedauerlich ist!

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    ich veranstalte seit einiger zeit klassische konzerte für nichtklassisches publikum. als erfolgreich hat sich meineserachtens eine mischung erwiesen. man bittet die leute vorher statt des szenenaplauses darum doch einfach ganz ruhig die arme zu heben, gefällt ihnen eine stelle besonders gut, oder aber zu überkreuzen, sind sie mit einer stelle ganz und gar nicht einverstanden. so sehen zwar viele im publikum die teilweise nicht unbedingt qualifizierten kommentare, der hörgenuss aber bleibt erhalten.

    ich veranstalte seit einiger zeit klassische konzerte für nichtklassisches publikum. als erfolgreich hat sich meineserachtens eine mischung erwiesen. man bittet die leute vorher statt des szenenaplauses darum doch einfach ganz ruhig die arme zu heben, gefällt ihnen eine stelle besonders gut, oder aber zu überkreuzen, sind sie mit einer stelle ganz und gar nicht einverstanden. so sehen zwar viele im publikum die teilweise nicht unbedingt qualifizierten kommentare, der hörgenuss aber bleibt erhalten.

  2. Es ist schon bejammernswert, dass die Kulturkreativität immer noch kein adäquates Mittel herausgefunden hat, die durch höchste Kunstfertigkeit vieler beteiligter Künstler spielerisch und doch mühevoll während eines Konzertes feinst sensiblisierten Ohren NİCHT durch frenetisches Geklatsche wieder taub zu machen.
    Wenn dann auch noch ein Violinvirtuose sich hier nicht schämt, sinnlose Konventionen einfach aufzuwärmen, dann Gute Nacht den feinen Künsten. Sollte er doch zum Beispiel einfach einmal Kafka's "Auf der Galerie" lesen und die Wirkung der "Dampfhämmer" erfahren.
    Natürlich will ich als Publikum dem Artisten danken oder ihn schmähen, aber wie, ohne dem musikalischen Genuss und seinen erheblichen Nachwirkungen perverser Weise Schaden zuzufügen?

  3. Es ist weniger die Aufgabe des Interpreten, sondern des Verfassers von Programmheften, dem jungen und dem musiktheoretisch weniger vorgebildeten Hörer eine verständliche Einführung in ein musikalisches Werk zu liefern. Dies mit einigen wenigen Sätzen zu bewerkstelligen, ist eine große Herausforderung. Viele Programmhefte bringen statt dessen eine Fülle biographischer Angaben über die Komponisten. Es scheint, als wolle man dem Konzertbesucher für den Fall, daß ihn das Stück langweilt, damit eine Ablenkung verschaffen.

    • rabin
    • 12.11.2009 um 15:54 Uhr

    Man gehe mal in Bonn ins Konzert. Ein klassisches natürlich.

    Die gesamte ältere Generation höherer Ministerialbeamter tritt auf,man ist fein gekleidet, gibt sich sachkundig,klatscht an der richtige Stelle.

    Wenn man diesen Konzertbetrieb sieht, stellt sich das Gefühl ein, hier wird bald gähnende Leere sein. In dieses Museum trauen sich jüngere nicht hinein, sie werden von der Atmosphäre ohnehin eher erstickt.

    Begeisterung durch Musik, das wird anderen Orte überlassen. Wie schade für diese wunderbare Musik.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Durch meine Kleidung ehre ich die Künstler. Natürlich, ein Konzert kann ich auch zu Hause in eventuell besserer Qualität
    in Cordhose hören, als in einem Konzertsaal.
    Gehe ich in eine Oper oder in einen Konzertsaal spielt die Atmosphäre eine grosse Rolle, die Umgebung, die Menschen, eben das Besondere, wie gesagt durch die Technik sind wir heute in der Lage, ein Sinfonieorchester ins Wohnzimmer zu holen, wir werden aber nie die Atmosphäre erleben.

    Der mangelnde Zulauf der Jugend im Bereich der E-Musik hängt zum großen Teil mit dem angestaubten, immer noch elitären Image jener Musik zusammen. Dieses Image wird (bewusst) aufrecht erhalten durch Verhaltensregeln, Dresscodes, usw. Vieles davon wirkt abschreckend auf die Jugend.
    Gerade in der Fachliteratur wird seit mehreren Jahren eine Krise der Klassik postuliert, die aber als eine Krise der angesprochenen starren Aufführungsstrukturen definiert wird und nicht als Krise der Musik an sich. Für mich bedeutet das, dass man eben bei den Verhaltensregeln und Dresscodes und Aufführungskonzepten ansetzen muss, um eine Aufführung (oder Konzert) im Bereich der klassischen Musik wieder für die Jugend interessant zu machen. Als Beispiel sei hier die "Yellow Lounge" erwähnt, ein Projekt, in dem die klassische Musik aus dem Konzertsaal in einen mehr oder weniger angesagten Club verlegt wird. Auch hier fühlt sich der Künstler geehrt und verstanden. Und das liegt nicht an der Kleidung sondern an den Reaktionen, die der Hörer in diesem Umfeld in der Lage ist zu zeigen.
    Sicherlich muss man einen moderaten Weg finden, um der Klassik unter die Arme zu greifen. Daniel Hope geht die Angelegenheit in seiner Publikation recht locker an und wärmt nicht nur sinnlose Konventionen wieder auf sondern ist auch bereit bei einigen Teilaspekten eine gewisse Lockerung eben jener Konventionen zu akzeptieren.

    Durch meine Kleidung ehre ich die Künstler. Natürlich, ein Konzert kann ich auch zu Hause in eventuell besserer Qualität
    in Cordhose hören, als in einem Konzertsaal.
    Gehe ich in eine Oper oder in einen Konzertsaal spielt die Atmosphäre eine grosse Rolle, die Umgebung, die Menschen, eben das Besondere, wie gesagt durch die Technik sind wir heute in der Lage, ein Sinfonieorchester ins Wohnzimmer zu holen, wir werden aber nie die Atmosphäre erleben.

    Der mangelnde Zulauf der Jugend im Bereich der E-Musik hängt zum großen Teil mit dem angestaubten, immer noch elitären Image jener Musik zusammen. Dieses Image wird (bewusst) aufrecht erhalten durch Verhaltensregeln, Dresscodes, usw. Vieles davon wirkt abschreckend auf die Jugend.
    Gerade in der Fachliteratur wird seit mehreren Jahren eine Krise der Klassik postuliert, die aber als eine Krise der angesprochenen starren Aufführungsstrukturen definiert wird und nicht als Krise der Musik an sich. Für mich bedeutet das, dass man eben bei den Verhaltensregeln und Dresscodes und Aufführungskonzepten ansetzen muss, um eine Aufführung (oder Konzert) im Bereich der klassischen Musik wieder für die Jugend interessant zu machen. Als Beispiel sei hier die "Yellow Lounge" erwähnt, ein Projekt, in dem die klassische Musik aus dem Konzertsaal in einen mehr oder weniger angesagten Club verlegt wird. Auch hier fühlt sich der Künstler geehrt und verstanden. Und das liegt nicht an der Kleidung sondern an den Reaktionen, die der Hörer in diesem Umfeld in der Lage ist zu zeigen.
    Sicherlich muss man einen moderaten Weg finden, um der Klassik unter die Arme zu greifen. Daniel Hope geht die Angelegenheit in seiner Publikation recht locker an und wärmt nicht nur sinnlose Konventionen wieder auf sondern ist auch bereit bei einigen Teilaspekten eine gewisse Lockerung eben jener Konventionen zu akzeptieren.

  4. ich veranstalte seit einiger zeit klassische konzerte für nichtklassisches publikum. als erfolgreich hat sich meineserachtens eine mischung erwiesen. man bittet die leute vorher statt des szenenaplauses darum doch einfach ganz ruhig die arme zu heben, gefällt ihnen eine stelle besonders gut, oder aber zu überkreuzen, sind sie mit einer stelle ganz und gar nicht einverstanden. so sehen zwar viele im publikum die teilweise nicht unbedingt qualifizierten kommentare, der hörgenuss aber bleibt erhalten.

  5. Warum ausgerechnet Leute wie Daniel Hope oder Gloria von Tut und Tatnix anderen Menschen erklären wollen, wie sie sich zu benehmen haben, ist mir ein großes Rätsel.

    Oder eigentlich doch nicht ...

  6. Und vor allem überflüssig!

  7. Durch meine Kleidung ehre ich die Künstler. Natürlich, ein Konzert kann ich auch zu Hause in eventuell besserer Qualität
    in Cordhose hören, als in einem Konzertsaal.
    Gehe ich in eine Oper oder in einen Konzertsaal spielt die Atmosphäre eine grosse Rolle, die Umgebung, die Menschen, eben das Besondere, wie gesagt durch die Technik sind wir heute in der Lage, ein Sinfonieorchester ins Wohnzimmer zu holen, wir werden aber nie die Atmosphäre erleben.

    Antwort auf "Elite ?"

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