Der kammerpop der Sophie Hunger Ihr ist Musik passiert

Die Schweizerin Sophie Hunger spielt ihren Kammerpop in ausverkauften Hallen. Warum die Leute sie so lieben, will sie sich aber nicht erklären. Eine Begegnung in Berlin.

Macht tolle Musik und denkt sich nichts dabei: Sophie Hunger. Klicken Sie auf das Bild, um zur Fotostrecke zu gelangen!

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Sophie Hunger spricht nicht sehr viel, nicht sehr gern, besonders ungern über sich. Sie ist 26. Seit einem Jahr wollen viele mit ihr reden, über ihr Album Monday’s Ghost. Es ist ihr zweites. Davor kam Sketches On Sea, es fand im Herbst 2006 den Weg aus ihrem Wohnzimmer in 1000 andere schweizerische Stuben, kleine Auflage, großer Erfolg.

Die Mundharmonika bläst den Blues, die Gitarre zupft den Folk, das Klavier spielt den Jazz, und diese Stimme! Auf Englisch, Schwyzerdütsch, Französisch und Hochdeutsch schwingt sie sich aus der Melancholie empor. Kraftvoll, sanft, Kammerpop, Soul, ach, was soll man dazu sagen? Wundervoll, dachte das Publikum des Montreux Festivals. Hier spielen solche, die im Jazz etwas gelten. Und der jungen Sophie Hunger, die nie Musikerin werden wollte, ist es einfach passiert.

Nach Montreux erschien im vergangenen Herbst die Platte Monday’s Ghost, Platz 1 in der Schweiz. Ein Werk in ungewöhnlicher Besetzung: Posaune, Flöte, Gitarre, Klavier, Gesang. Eine große Plattenfirma nahm sich ihrer an und machte sie im Frühjahr auch in Frankreich, Deutschland und Österreich bekannt. Nun spielt Fräulein Hunger jeden Abend in einer anderen Stadt, gibt Interviews, trifft Fernsehteams. Woher der Erfolg kommt? "Es geschah einfach, besser kann ich’s nicht erklären", sagt sie.

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Die Medien finden eigene Erklärungen. Sophie Hunger habe die "Aura einer Künstlerin, der man bei jedem Ton anspürt, dass sie einen Teil von sich preisgibt", schrieb die Süddeutsche Zeitung. Ihre dunklen Augen zeigten "einen ruhigen Stolz, der sich Zurückhaltung leisten kann", analysierte die Frankfurter Rundschau.

Sophie Hunger

Sie wurde 1983 als Emilie Jeanne-Sophie Welti in schweizerischen Bern geboren. Ihr Vater ist Diplomat, so wechselte die Familie oft den Wohnort. Sophie wurde in England eingeschult, besuchte später in Bonn das Gymnasium und machte in Zürich ihr Abitur. Sie spricht fließend Französisch, Deutsch und Englisch. Nach der Schule sang sie in der Band Fisher und musizierte mit dem Kollektiv Superterz.

Ihre Alben

2006 nahm sie in Eigenregie ihr erstes Soloalbum Sketches on Sea auf. Im Herbst 2008 erschien ihre zweite CD Monday’s Ghost auf einem kleinen Label in der Schweiz. Es erreichte auf Anhieb die Spitze der Charts. Im Februar 2009 veröffentlichte Universal Jazz das Album in Frankreich, Deutschland und Österreich. Im Frühjahr 2010 soll ihr drittes Album erscheinen. Seit kurzem schreibt sie in dreiwöchigem Rhythmus eine Kolumne für die Schweizer Ausgabe der ZEIT.

An Gespräche mit Journalisten hat sie sich gewöhnt. Höflich sagt sie: "Die Frage verstehe ich nicht". Oder: "Entschuldigung, aber das halte ich für Schwachsinn."

Sie mag deutliche Fragen: Lieblingsessen, Lieblingsblume, Lieblingsfarbe. Sie spricht auch gern über andere. Über Christian Prader, ihren Schulfreund, der so toll Barockflöte spielt oder jedes andere Instrument, das man ihm gibt. Über Michael Flury, den Posaunisten, den sie einst hörte und sofort wusste, dass sie mit ihm Musik machen müsse. Über ihren Schlagzeuger Julian Sartorius, einer der besten der Schweiz. Ja, da gerät sie ins Schwärmen, strahlt. Aber wie sie ihre Lieder schreibt, warum sie es tut, dazu sagt sie wenig. Da verdunkelt sich ihr Gesicht.

Offenbar will es nicht in ihren Kopf, dass die Leute über sie staunen, dass sie wissen wollen, wie sie das alles macht. Ihre Musik habe viel mit Geschehenlassen zu tun. "Ich habe mir nicht so viel dabei gedacht." Ja, kann es denn sein, dass eine junge Frau zwei so berückende Alben macht, einfach so? Sie, die sich eigentlich nicht für Musik interessiert. Die nur Klavier und Saxofon angefangen hat als Jugendliche.

Ihre Musiker haben das Konservatorium besucht oder Jazz studiert; sie setzte sich in Vorlesungen. Germanistik, Anglistik, hin und wieder. Auf die Sprache komme es an. In ihren Liedern singt sie jedes Wort behutsam, dehnt es, gurgelt oder schluckt es, zerreißt es, fügt es wieder neu zusammen, um es mit Sinn zu füllen. Welch Glück, dass sie das in gleich vier Sprachen tun kann. Und wie entscheidet sie, welche Sprache für welches Lied? "Die Sprache wird von der Musik entschieden."

Aber ihre Texte, kleine Poesien der Einsamkeit, der Gemeinsamkeit, des Lebens – die haben doch bestimmt viel mit ihren eigenen Erfahrungen zu tun? "Ich bin mir nicht so klar darüber, welchen Anteil mein Gemütszustand daran hat", sagt sie. Über Musik denke sie nicht nach. Sie mache sie bloß.

Es kann schon sein: Emilie Jeanne-Sophie Welti, wie sie richtig heißt, kokettiert und spielt das naive Genie. Oder aber sie ist eines. Sie sagt: "Die Fragen stellen sich, indem man etwas macht. Und macht man etwas, beantworten sie sich auch."

Ihr Lieblingsessen ist übrigens Steaktartar und Hunger der Mädchenname ihrer Mutter.

In diesem Jahr gibt Sophie Hunger noch folgende Konzerte im deutschsprachigen Raum: 5. 11. München, 6. 11. Frankfurt, 7. 11. Innsbruck (Ö), 8. 11. Ravensburg, 9. 11. Karlsruhe

 
Leser-Kommentare
  1. 1 song am morgen 1 song am abend & die welt ist schöner..
    merci danke vielmals
    jo

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