Musikblogs Wo Schatzsucher fündig werdenSeite 2/2
Oder hier: die Seite Soulfunkjazz, prall gefüllt mit schwitziger Musik. Und hier: Blog-O-Blog. Sieht nicht schön aus, klingt aber klasse. Uralte Soundtracks, obskurer Funk, das Gesamtwerk der Ohio Players. Welch Glitzern!
Oder dort drüben: San Pasquale Entertainment wühlt tief in der Plattenkiste mit den afrikanischen Schätzen der vergangenen dreißig Jahre. Unzählige Alben von Fela Kuti, Tony Allen und Mulatu Astatké sind hier zu finden. Schwer Gesuchtes ebenso wie nagelneue Aufnahmen. Stundenlang lässt sich hier stöbern.
Richten solche Blogger nun großen Schäden an? Im Frühjahr erschien eine Studie, die belegen wollte, dass Musikpiraten die häufigsten Kunden von Plattenläden und legalen Download-Plattformen sind. Sind Blogs also auch nur Werbung? Oft genug werden die Schreiber direkt von den PR-Agenten der Plattenfirmen mit Material versorgt. Sicherlich fördert der Gang entlang der bunten Auslage den Konsum eher, als dass er ihn unterbindet. An jeder Ecke lauert ein Kaufreiz, ein Suchreiz. So richtig wohl ist uns allerdings beim Besuchen dieser Seiten nicht.
Was ist denn gratis und legal? Neben zahllosen Portalen, die wie individualisierte Radiosender funktionieren, gibt es liebevolle Angebote wie Daytrotter. Hier erscheint täglich eine neue, etwa viertelstündige Musiksession, kostenfrei hörbar, runterladbar und exklusiv. Daneben stehen jeweils ein kurzer Text und ein hübsch gepinseltes Portrait des Künstlers. Zuletzt spielten The Swell Season, Robert Francis und Nathaniel Ratecliff, auch Bonnie 'Prince' Billy, Fleet Foxes und Bon Iver trabten schon durchs Studio. Passt perfekt zum Morgenkaffee und macht sogar Schatzsucher glücklich.
- Datum 02.12.2009 - 19:17 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Welcher Musikliebhaber mit Computer kennt das nicht: Nur nicht all zu oft an die MP3s denken, die irgendwann auf die Festplatte gespült wurden. Wieder und wieder branden die digitalen Springfluten von liquider Musik, die immer ausuferndere Bereiche auf der Festplatte okkupieren, und es ist weit und breit nicht absehbar, dass man nur einen wesentlichen Teil der Stücke einmal ordentlich würdigt, oder gar die Kostbarkeiten heraussucht. Vielmehr entwickeln die abgelagerten MP3-Pakete mit der Zeit zunehmend eine Attraktion ähnlich der unordentlich gebündelten Zeitungen von vor einem halben Jahr und länger, die - so viel ist sicher - irgendwann mal zum Altpapier gebracht werden müssen, wenn sie nicht mehr belasten sollen.
Eins ist sicher, als Musik noch auf Vinyl und Polycarbonat zur Reproduktion bewahrt war, hatte man auch eine ganze Menge Underperformer im Regal, von den heutigen adipösen Giga-Ausmaßen war man aber gefühlt und wohl auch faktisch weit entfernt.
Wenn ich um Besserung der kränkelnden Verwahr-Zustände nachsinne, würde ich es schon als deutliche Erleichterung empfinden, wenn man die Dateien, um Zugriff darauf zu haben, nicht lokal vorhalten müsste, sondern wie z. B. bei last.fm einfach bei Bedarf, Lust und Laune darauf zugreifen könnte.
Leider ist das Repertoire bei last.fm immer noch beschränkt. Leider gibt es bei last.fm nicht die Möglichkeit, Musik, auf die man zukünftig zugreifen möchte, einzulagern. Deswegen benutzen vermutlich viele die nicht explizit legalen Möglichkeiten zur Verbreitung.
Nunja, es bleibt die Hoffnung, dass der Markt es regeln wird. Auch wenn ich den Eindruck habe, dass die Musikindustrie derzeit noch ein bisschen bockig ist, und lieber alten Zeiten nachtrauert, als an der Zukunft bauen.
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