Jahresrückblick Pop in 2009Seite 2/2
Dorthin wollten die Goldenen Zitronen nie. Allenfalls, um dem dummdeutschen Pop mal in die Suppe zu spucken. Routiniert schräg, gleichzeitig klug und melodiös ist ihr Album Die Entstehung der Nacht geraten. Sie bleiben eine der wichtigsten deutschen Bands.
Auch die beiden derzeit im Ausland erfolgreichsten deutschsprachigen Bands Rammstein und Tokio Hotel veröffentlichten neue Platten. Dass beide ästhetisch durchdacht, musikalisch aber wenig attraktiv sein würden, war vorher klar. Mit welch durchschaubarer Strategie aber Rammstein sich den Weg auf den Index bahnten – abstoßend. Sie möchten die bösen Jungs sein, Tokio Hotel die lieben. Dabei konstruieren beide ihre Lieder auf ähnlich einfache Effekte hin, beide berechnen ihre Außenwirkung präzise – beide spielen wahrscheinlich sogar für eine ähnliche Zielgruppe.
2009 war auch das Jahr der Kiste, der edlen Verpackung schnöden Liedguts. Luxuriös sollten sie scheinen, wurden großspurig angepriesen – und teurer verkauft. Kraftwerk polierten ihren Katalog auf, verschwiegen aber leider ihre hübschen frühen Alben. Auch das – jetzt aber wirklich – Gesamtwerk der Beatles wurde entstaubt, Bit für Bit entknistert und mit Hall aufgeblasen. So schlecht stand den Liedern der Staub gar nicht – wer die alten Platten hatte, der behielt sie. Auch die längst verschiedenen Pixies brachten ihre fünf Alben ein x-tes Mal neu (und diesmal eben aufwändig) verpackt in die Läden. Neil Young schließlich ließ ein erstes Zwischenergebnis seiner Kellerentrümpelung erklingen. Seine Werkschau Archives Volume 1 umfasste die frühen Jahre seiner Karriere, auf klanglich so hohem Niveau rauschte es noch nie. 900 Euro kosteten alle vier Kisten zusammen. Und sie fanden Käufer.
So funktioniert der Markt: Wo höchst wahrscheinlich ein Käufer ist, da ist auch ein Produkt. So war doch verwunderlich, dass 2009 auch ein Jahr lauten Klagens war, wiederum zum Krisenjahr erklärt wurde. Digitale Krise, Piraterie, Musik-Flatrate, schwindende Umsätze, Absage der Musikmesse Popkomm – vor allem der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Musikindustrie Dieter Gorny malte allerorten das düstere Szenario des Untergangs.
Überall dort, wo es nicht um eine industrielle Verwertung von Musik ging, grünten in diesem Jahr hübsche Pflänzchen. Erstaunliches, Experimentelles, Überwältigendes – in kleiner Auflage. So schlimm die Krise auch sein mag, das kreative Leben abseits der großen Konzerne betrifft sie offenbar wenig.
- Datum 30.12.2009 - 10:51 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Bezueglich Beatles schreibt der Autor: "So schlecht stand den Liedern der Staub gar nicht"
Ist das erste Mal, dass ich lese, dass die 1987er CD-Master besser klingen sollen als die 2009er - auch aus persoenlicher Erfahrung kann ich das so gar nicht unterschreiben. Aber gut, die Meinung kann man haben.
Richtig krude wird's aber mit dem Nachsatz
"wer die alten Platten hatte, der behielt sie."
Mal vom Autor und seinem Umfeld abgesehen, gibt's dafuer noch weitere Zeugen?
Bester afromme,
in der Tat, die Ende der Achtziger produzierten CDs der Beatles klingen unter aller Kanone, darüber brauchen wir uns nicht entzweien. Ich meinte die SchallPLATTEN aus den Sechzigern, die habe ich behalten - und ich kenne andere, die das tun.
Im direkten Vergleich mit den aufwändig restaurierten und nun leider so verhallten Versionen klingen die alten Platten sympathisch dumpf. Und in meinen Ohren steht den Beatles das lebendig Verstaubte besser, als die technische Perfektion.
Gruß, jk
Warum nennt der Autor für den deutschsprachigen Bereich nicht Peter Fox?
Dieser hat mit seiner LP- Entschuldigung, seiner CD – "Stadtaffe" in den ersten Monaten des Jahres einen Riesenerfolg gehabt. Auch das 2009 erschienene Album "Peter Fox & Cold Steel - Live aus Berlin" verkauft sich gut.
Musikalisch nicht gut genug für den Autor? Nur Mainstream-Durchschnittsproduktionen?
Wie dem auch immer sei: für den Bereich der Pop- und Rockmusik und allen ihren Variationen und Spielarten gilt wohl, was der Musikjournalist Jan Feddersen schreibt: "Gewiß scheint mir nur, dass jeder den Tonspuren des eigenen Herzens und der eigenen Generation folgt."
Genau das macht hier Jan Kühnemund: seine Auswahl sowie seine Kritik und Beurteilung von Popmusik ist höchst subjektiv.
Stadtaffe ist aus dem Jahre 2008 und passt daher schlecht in einen Jahresrückblick 2009.
Was mir eher fehlt ist das Soloalbum von Peter Fox Kompagnon Dellé "Before I grow Old".
Stadtaffe ist aus dem Jahre 2008 und passt daher schlecht in einen Jahresrückblick 2009.
Was mir eher fehlt ist das Soloalbum von Peter Fox Kompagnon Dellé "Before I grow Old".
Stadtaffe ist aus dem Jahre 2008 und passt daher schlecht in einen Jahresrückblick 2009.
Was mir eher fehlt ist das Soloalbum von Peter Fox Kompagnon Dellé "Before I grow Old".
@ Wondervoll
Die CD "Stadtaffe" erschien zwar Ende September 2008, erreichte aber erst im Jahr 2009 die großen Verkaufszahlen. Das ausgekoppelte Lied "Das Haus am See" wurde erst in den Winter- und Frühlingsmonaten 2009 zu dem großen Hit. Von daher ist es schon berechtigt, die genannte CD in eine solche Pop-Rückschau auf das Jahr 2009 zu berücksichtigen.
Siehe auch hier:
http://www.zeit.de/kultur...
Also, wenn ich in Guantanamo zur Strafe mit Lautsprechern beschallt werden sollte, dann doch lieber mit Peter Fox als mit der Heulboje Xavier Naidoo. Aber am liebsten mit Gregg Karukas oder Brian Culbertson. Aber die kennt in D kaum jemand. Die singen nämlich nicht, sondern spielen "bloß" Klavier, und ich habe eigentlich nie begriffen, warum die ganze Welt auf dieses ewige Geknödel abfährt, wo es doch so tolle Instrumentalmusik gibt.
Die Popmusik wäre viel interessanter, wenn nicht dauern jemand singen würde. Oder vielleicht doch nicht - da bleibt dann nämlich nicht sehr viel Individuelles und Interessantes übrig.
Ich habe übrigens über ein Jahrzehnt lang im Bereich der polulären Musik Geld verdient, zuletzt gar nicht mal so wenig.
Also, wenn ich in Guantanamo zur Strafe mit Lautsprechern beschallt werden sollte, dann doch lieber mit Peter Fox als mit der Heulboje Xavier Naidoo. Aber am liebsten mit Gregg Karukas oder Brian Culbertson. Aber die kennt in D kaum jemand. Die singen nämlich nicht, sondern spielen "bloß" Klavier, und ich habe eigentlich nie begriffen, warum die ganze Welt auf dieses ewige Geknödel abfährt, wo es doch so tolle Instrumentalmusik gibt.
Die Popmusik wäre viel interessanter, wenn nicht dauern jemand singen würde. Oder vielleicht doch nicht - da bleibt dann nämlich nicht sehr viel Individuelles und Interessantes übrig.
Ich habe übrigens über ein Jahrzehnt lang im Bereich der polulären Musik Geld verdient, zuletzt gar nicht mal so wenig.
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