Im November 1928 brennt in Paris der Wohnwagen eines jungen Paares ab. Jean-Baptiste, der mit seiner Frau Bella hier lebt, erleidet schwere Verbrennungen. Seine linke Hand bleibt verkrüppelt – dabei hat er gerade seine erste Schallplatte als Banjospieler aufgenommen. Der junge Mann macht aus der Not eine Tugend und wird einer der bekanntesten Jazzgitarristen aller Zeiten. Er nennt sich Django.

Als Jean-Baptiste Reinhardt am 23. Januar 1910 geboren wird, ist die Familie gerade in Liverchies in Belgien. Seine Mutter gehört einer Schauspielertruppe an, die durch Belgien, Frankreich und Algerien reist; der Vater ist Musiker. Sie sind Manouches, französischsprachige Sinti.

Manouche oder Manusch heißt Mensch in Romanes, der Sprache der Roma. Es ist im französischsprachigen Raum die Selbstbezeichnung der Sinti, jener Roma, die schon im Mittelalter aus Indien nach Mittel- und Westeuropa einwanderten – oder, nach Lesart mancher Sinti, eines Volkes, das wie die Roma aus Indien kam, aber nicht zu den Roma gehört. Im 19. Jahrhundert werden viele Sinti sesshaft, weil die Obrigkeit Repressalien gegen das "fahrende Volk" verhängt.

Familie Reinhardt stellt ihren Wohnwagen erst 1918 dauerhaft in Paris ab, in der Nähe der Porte de Choisy, einem der alten Stadttore. Jean-Baptiste ist etwa zwölf, als er zu musizieren beginnt, erst auf der Geige, dann auf der damals populären Banjo-Gitarre Guitjo. Er lernt schnell, schaut sich Fingersätze von anderen Musikern ab und spielt bald in einem Tanzlokal in der Rue Monge.

Mit einem Fuß steht der junge Django im glitzernden Paris der Goldenen Zwanziger, mit dem anderen in den Traditionen seiner Familie, die den Moden der Gadsche, der Nicht-Sinti, skeptisch gegenübersteht. Lesen oder schreiben kann Django damals nicht. Als er mit dem Akkordeonisten Jean Vaissade erste Platten aufnimmt, steht "Jiango Renard" auf der Hülle.

Kaum 18 geworden, heiratet er Florine "Bella" Mayer; das Paar zieht in einen eigenen Wohnwagen. Am 2. November 1928 kommt Django um ein Uhr nachts aus dem Club La Java nach Hause. Der Wohnwagen ist voller künstlicher Blumen, die Bella aus Zelluloid bastelt, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Django kommt mit der Kerze daran. Wenig brennt so wie Zelluloid.

18 Monate verbringt Django im Krankenhaus, beinahe hätten ihm die Ärzte ein Bein amputiert. Sein Bruder Joseph schenkt ihm eine Gitarre, auf der Django sich im Hospital zielstrebig eine Spielweise beibringt, zu der er Ring- und kleinen Finger kaum braucht. Die Sehnen sind durch die Hitze des Feuers geschrumpft, sie bleiben gekrümmt; nur zum Akkordspiel kann er sie ein wenig benutzen.