Musikbranche So geht GewinnmaximierungSeite 2/2

In Großbritannien ist Live Nation bereits das größte Musikunternehmen, weltweit liegt es hinter Universal auf Platz zwei. Der Konkurrent Ticketmaster will nun aufholen. In Deutschland schwang sich das Unternehmen CTS Eventim zum Marktführer auf, dank Online-Ticketing-Software: Das Ausdrucken von Konzerttickets am Heimcomputer war eine praktische Innovation, vor allem für den Konzern, der allein mit einer automatisierten Software eine Unmenge Geld verdient. CTS hält inzwischen die Mehrheit aller großen deutschen Konzertveranstalter und drängt auf den britischen Markt. Apropos Internet: Dank neuer Konzertstreaming-Angebote ist nun auch die Zuschauergemeinde in aller Welt unendlich erweiterbar.

Das Konzertgeschäft hat ein Ausmaß an Kapital- und Machtkonzentration erreicht, wie es in den Goldenen Zeiten der Plattenindustrie nicht vorstellbar gewesen wäre. Mit der Folge, dass sich eine Zweiklassengesellschaft manifestiert, wie Christoph Gurk, der Kurator des Kongresses im HAU, skizziert. Einerseits scheffeln die Megastars Gewinne, andererseits muss sich ein Künstlerprekariat auf die Neverending Tour begeben, denn es wird kaum ein Niveau erreichen können, auf dem es sich selbst finanziert. Konzerte von U2 oder den Rolling Stones funktionieren immer – dank Fans, die alle vier Jahre kommen, sich für neue Musik aber nicht mehr interessieren. Ein "heikler Nostalgie-Faktor" sorge dafür, dass für Stars immer Geld da ist, das dem Nachwuchs wiederum fehlt, sagt Simon Frith.

Die Stärke und die Tücken des Geschäfts liegen im Handel mit emotionalen Werten. Die Ticketpreise werden von Leuten bezahlt, die den Besuch eines begehrten Konzertes nicht von zehn Euro mehr oder weniger abhängig machen. Bestimmt werden die Preise von Leuten, die knallhart kalkulieren. Und die sorgen möglicherweise dafür, dass emotionale Werte weiter sinken, während die Preise steigen. Irgendwann, sagt Frith, könnte die Balance schwinden, sodass Fans sich weigern, diese Preise zu bezahlen – wie sie es vor Jahren im Tonträgergeschäft taten. Und was dann?

Es bleibt zu hoffen, dass schon vorher ein Umdenken stattfindet, um Kapital für die Verjüngung des Marktes freizustellen – und sei es durch kulturpolitische Maßnahmen, wie sie Christoph Gurk anmahnt. In der gerade eröffneten Veranstaltungsreihe Life is Live am Berliner Hebbel-Theater unternimmt der Kurator mit ambitionierten Diskussionen und Konzerten einen lobenswerten Versuch in diese Richtung.

 
Leser-Kommentare
  1. die Parallelen zur allgemeinen (?) Wirtschaft aufzeigt. Die Reduktion auf den Profit, die mit dem Shareholder Value volle Fahrt aufgenommen hat, zeigt keine Verlangsamung. Solide Unternehmen, die diese Profite hervorbringen, gehen dabei u.U. zugrunde, da sie nicht mehr genügend in die Zukunft investieren.
    "… das 90/10-Modell: Von den Künstlern, in die investiert wurde, brachten zehn Prozent das Geld ein und finanzierten so die restlichen 90 Prozent, aus denen sich mit der Zeit selbst rentable Bands entwickeln konnten."
    In den von Finanzinvestoren gesteuerten Unternehmen bestimmen auch die Kapitalgeber über die einzelnen Forschungsprojekte, nicht allein über die Forschungsausgaben. Es muss schon sehr frühzeitig eine Rendite nachgewiesen werden.
    Und die Politik meint aktuell, dass sie durch Steuersenkungen die Akteure motivieren muss, um über mehr Profit nachhaltiges Wirtschaften zu erreichen.
    Die Erfolge des Mittelstands lehren uns etwas Anderes: Es war die Überzeugung, ein gutes Produkt hervorzubringen, dass alle Kräfte mobilisierte, auch wenn hohe Risiken dafür eingegangen werden mussten.
    Die vielen Künstler haben etwas anderes verdient, als profithungrige Musikunternehmen! - hoffentlich merken wir es nicht erst, wenn sie verschwunden sind.

  2. Ein sehr kontroverser Artikel, der aufzeigt, dass sich die Musikindustrie in den letzten Jahren sehr wohl angepasst hat und auch im Konzertgeschäft Monopolbildung stattfindet. So war die Anpassung natürlich nicht gedacht gewesen.
    Ich kann aber nicht ganz glauben, dass Tourneen ein Zuschussgeschäft wären, einen gewissen Bekanntheitsgrad vorrausgesetzt. Oft wird nämlich ein Publikum angesprochen, das mit den Megaevents von Madonna nichts anfangen kann.

  3. ... dass die Ticketpreise in den letzten 3 Jahren um ca 80% gestiegen sind. Fast alle Bands und Kuenstler, die mich interessieren, sind heute fast doppelt so teuer wie noch 2006. Diese enormen Preissteigerungen gehen vor allem zu Lasten der Life-Musik-Enthusiasten mit breit gestreutem Interesse, von denen die Branche doch eigentlich hauptsaechlich lebt, weil nur diese Gruppe staendig interessiert an Neuem ist.

  4. Hier handelt es sich leider um den nächsten Artikel in der unendlichen Serie der ziemlich weinerlichen Promo-Artikel für die ewig jammernde und angeblich vom Untergang befrohten Musikindustrie.

    "Von den Künstlern, in die investiert wurde, brachten zehn Prozent das Geld ein und finanzierten so die restlichen 90 Prozent, aus denen sich mit der Zeit selbst rentable Bands entwickeln konnten."

    Ja, ja. Die alte Mär von der Künstlerförderung. Das ist doch totaler Quatsch. Die Musikmafia hat schon lange vor der großen Raubkopierorgie versucht, nur noch die profitablen 10% heraus zu picken. Entsprechend stereotyp und - wie man heute sieht - langfristig wenig erfolgreich war das entsprechende Mainstream-Angebot, das man dem Kunden machen konnte.

    "Irgendwann, sagt Frith, könnte die Balance schwinden, sodass Fans sich weigern, diese Preise zu bezahlen – wie sie es vor Jahren im Tonträgergeschäft taten. Und was dann?"

    Dann verdienen Musikmanager nicht mehr wie Drogenbarone, sondern nur noch wie Zuhälter. Das wird der Leidenschaft der Menschen Musik zu machen oder anderen Menschen beim Musikmachen zuzuhören keinen Abbruch tun.

  5. 5. ach...

    Dr. Sorglos:
    "Das ist totaler Quatsch" zeigt nur, dass Sie frei von Ahnung über die Abläufe in der Musikindustrie sind.

    • fanta4
    • 19.01.2010 um 14:43 Uhr

    Es geht nur noch um Geld, Geld, Geld und um noch mehr Geld.

  6. Was man vor zehn Jahren in DM bezahlt hat, muss nun locker in Euro hingeblättert werden, teilweise sogar noch mehr. Künstler wie Sting, für dessen Konzerte man Kartenpreise bis weit jenseits der 100 EUR zahlt, boykottiere ich nun konsequent - alles hat seine Grenzen, und abzocken lasse ich mich halt nur ungerne!

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