Die weltweit einzige Stradivari im Originalzustand. Das älteste erhaltene aufrechte Hammerklavier. Eine Gitarre, die erst Niccolò Paganini, dann Hector Berlioz gehörte. Eine Holzglocke in Form einer Häuptlingsgattin des Volkes der Azande. Und anderthalbtausend Klaviere. Viel Holz, wie der Kegelbruder sagt.

Das Online-Musikinstrumente-Museum MIMO, ein Projekt der Europäischen Union, soll 45.000 Bilder, 1800 Audiodateien und 300 Videos von Instrumenten aus elf Sammlungen in sechs Ländern zeigen. Klingt viel. Ist auch viel – vor allem, weil es bislang nicht einmal gemeinsame Standards zur Erfassung der Bestände gab.

Frank P. Bär, beim Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg für MIMO zuständig, hat über historische Holzblasinstrumente promoviert. "Hätte es so etwas wie MIMO schon gegeben", sagt er, "ich hätte sehr viel Zeit gespart". Er musste auf gut Glück zu Museen fahren – viele Sammlungen hatten keine Online-Kataloge ihrer Bestände.

MIMO, das der EU 1,6 Millionen Euro wert ist, richtet sich allerdings vor allem an den interessierten Laien. Schläft der nicht ein, wenn er sich durch Bilder von 1500 Klavieren klickt? "Wenn er einfach 'Klavier' eingibt, bestimmt", meint Bär, "aber wenn er sinnvoll sucht, kann er die Entwicklung der Instrumente nachvollziehen, kann ein Klavier aus der Mozart-Zeit mit einem Flügel vergleichen, auf dem Chopin gespielt hat".

Oder mit dem Hammerflügel des Johann Andreas Stein von 1788. Musiker lecken sich alle Finger danach, den Klang der Augsburger Antiquität erwecken zu dürfen. Sie dürfen: Das Germanische Nationalmuseum lässt für CD-Aufnahmen bekannte Interpreten an die alten Instrumente. Auch im MIMO sollen sie nicht in schnöden Klangbeispielen erklingen, sondern in kurzen Kompositionen aus der Zeit, in der die Instrumente gebaut wurden.

Das Nürnberger Museum, das 3100 Instrumente besitzt, leitet die Digitalisierung, den dicksten Brocken der Arbeit. Zunächst musste ein gemeinsames Datenmodell her – eine Vorgabe, welche Informationen über die Instrumente wie erfasst werden. Die Lösung, auf die sich die MIMO-Beteiligten kurz vor Weihnachten bei einem Treffen in Nürnberg einigten, heißt LIDO. Das Datenmodell wird wohl der gemeinsame Standard des Projekts zur Erfassung von europäischem Kulturgut, Europeana. MIMO ist ein Teil von Europeana.

Aber LIDO hat auch Schwächen. Es soll Gemälde, Tonkrüge und Römerhelme gleichermaßen erfassen und ist flexibel genug, um neben Standardangaben wie Maße, Material und Entstehungsjahr auch gesonderte Felder zuzulassen, zum Beispiel bei Musikinstrumenten die Stimmungen und Tonhöhen – aber die nötigen Maßeinheiten sind nicht vorgesehen. LIDO hat kein Hertz. Die Experten arbeiten daran.

Schon fertig sind Empfehlungen für das Fotografieren der Instrumente. Sie sollen untereinander vergleichbar sein, die Proportionen müssen stimmen. Das muss man sich etwa so vorstellen wie bei der Verbrecherkartei: Profil links, Frontalansicht, Profil rechts. "Sonst sieht man womöglich eine Verzierung gut, kann sich aber kein Gesamtbild machen", sagt Bär. Deshalb werden die Instrumente auch nicht irgendwie im Depot geknipst, sondern vor neutralem Hintergrund und ordentlich ausgeleuchtet im Studio. "Wir haben im Nationalmuseum allein rund 300 Klaviere, die nicht so einfach zu transportieren sind", ächzt Bär.