Musikjournalismus Distanz? Recherche? Pah!Seite 2/2
Hinzu kommt, dass sich Lob allemal besser verkauft als Murren. Von Aufrichtigkeit wird man nicht satt, vom Scheck der Plattenfirma eben schon. Musikjournalismus ist auch Existenzkampf, so sind unabhängige Inhalte von Werbung oft gar nicht mehr zu unterscheiden.
Nehmen wir die neue Platte von Tocotronic. Sucht man bei Google nach Satzfetzen aus dem Presse-Info findet man zweierlei: Einerseits den Text aus der Feder der Firma Universal, andererseits einen sehr ähnlichen Text von Esther Buss. Hat sie einfach abgeschrieben? Ist sie gar die Autorin beider Texte und arbeitet in Doppelfunktion?
Oder das neue Album von Pantha Du Prince. Im Pressetext steht: "Black Noise verwischt eine ganze Reihe von Gegensätzen: akustisch vs. synthetisch, mächtig vs. zerbrechlich, episch vs. schüchtern, catchy vs. abgründig." Und bei spex.de: "Black Noise verwischt eine ganze Reihe von Gegensätzen: akustisch vs. synthetisch, mächtig vs. zerbrechlich, episch vs. schüchtern, catchy vs. abgründig." Zitat? Doppelfunktion? Schwer zu entlarven.
Aber auch wenn nicht zitiert wird, ist die Korrumpiertheit von Verlagen und Autoren manchmal offenkundig. Noch einmal der Musikexpress: Auf dem Heft klebt eine CD der französischen Band Phoenix, im Heft steht eine achtseitige Geschichte über ihren "Triumphzug" durch New York. Die Service-Camouflage deckt perfekt, welch gescheiter Deal: Die Plattenfirma gibt ein paar akustisch eingespielte Lieder her, das steigert die Auflage, der Verlag bedankt sich mit Superlativen. Dass der Autor Christian Lehner auf halber Strecke innehält und Rekorde und Jahresbestenlisten zu Albernheiten erklärt, macht die Sache nur noch durchschaubarer.
Die Werber, muss man aus all dem schließen, machen ihre Arbeit gut. Besser jedenfalls, als viele derer, die über Musik schreiben.
- Datum 21.01.2010 - 17:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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die rezensionen moegen uniform sein und aus der hand eines behenden schreiberlings des labels.
aber es ist wirklich gut!
ansonsten eine schoene erwiderung.. hab ich nach klloks beitrag auch drauf gewartet danke
Ich habe beruflich und aus persönlichem Interesse etwa 30 Jahre lang Pop- und Rockmagazine gelesen und kann bestätigen: Mit wenigen Ausnahmen ist's nur Geschwafel. Noch schlimmer ist's in "bürgerlichen" Tages- oder Wochenzeitungen oder im Kultur-Radio. Manchmal hatte ich den Eindruck, da labert jemand, der seine Jugend mit einem Germanistik- oder Theaterwissenschafts-Studium verbracht hat, aber nicht mit Rock'n Roll.
Wenn man Glück hatte, konnte man sich (z.B. damals bei der "Sounds") an die Regel halten: wenn Kritiker So-und-so eine Platte nicht mochte, konnte man sie ungeprüft kaufen (Die gleiche Regel befolgten viele Leser des Berliner "tip", hier aber im Kino-Bereich).
Zurück zur Popmusik: Der allerschlimmste ist ein Herr D.D., für den Willie Winkler zu Recht die wunderbare Artikel-Überschrift erfand: "Diederichsen, halt den Sabbel!" (am 15.03.2003 in der SZ)
Natürlich ist das hier geschilderte in vielen Medien Gang und Gäbe. Allerdings gibt es auch Ausnahmen - Hervorheben möchte ich hier Pitchfork ( www.pitchfork.com ). Kaum ein anderes Medium beurteilt Musik in einer derart unabhängigen Art und Weise und hat sich damit zurecht unter Musikliebhabern den Ruf eines äußerst verlässlichen Führers durch den Dschungel neuer Veröffentlichungen erwiesen. Dies führt mittlerweile soweit, dass eine 8 Wertung bei Pitchfork für ein Album mehr Wert ist als jede Form von Werbung.
Danke, so is gut.
Lieber Jan Kühnemund,
ich als zuständiger Online-Redakteur von www.spex.de bzw. wir als Spex-Redaktion haben den Artikel zur Vermischung von redaktionellen und werblichen Inhalten mit großer Aufmerksamkeit gelesen und begrüßen eine Debatte zum Thema! Leider ist das Spex-betreffende Beispiel schlecht gewählt – es handelt sich bei der angeführten Seite um eine Subdomain, nicht etwa »Spex.de«, genauer um ein Werbemittel für unsere heutige Live-Veranstaltung in Hamburg. Tatsächlich wurde hier ein Presse-Info auszugsweise übernommen und leider nicht entsprechend gekennzeichnet – ein Missstand, den wir natürlich geändert haben und dies in einer Reaktion auf unserer Webseite auch thematisieren.
http://twiturl.de/re:spex
Leider erzeugt DIE ZEIT den Eindruck, dass die Spex diese Praxis regelmäßig und gezielt einsetzt. Dies möchten wir entschieden zurückweisen: Sowohl die Print-Spex als auch die redaktionelle Webseite www.spex.de legt großen Wert auf eine unabhängige Meinung (in Print beispielsweise auch bei Fotografie, dort wird auf Promo-Fotos konsequent verzichtet) sowie auf klare Kennzeichnungen. Gerade das gewählte Beispiel zu einem der Spex-Live-Künstler geht ins Leere, schließlich ist der im Print-Heft erschienene Text frei von Werbesprech.
http://twiturl.de/pantha
Über eine Diskussion freuen wir uns natürlich, bitten aber um Verständnis dafür, dass wir heute – wegen unserer Veranstaltung – nur bedingt an der Debatte teilnehmen können.
Viele Grüße
Walter W. Wacht für Spex
Lieber Walter Wacht,
Ich wollte in meinem Text nicht den Eindruck erwecken, Spex oder spex.de gingen ähnlich sorglos mit Werbetexten um, wie andere Medien. Spex und spex.de sind üblicherweise verlässlich unabhängige Medien, der Umgang etwa mit Promofotos meines Erachtens beispielhaft.
Den von mir angeführten Umstand macht das umso erstaunlicher.
Die Darstellung, bei live.spex.de handle es sich um eine Subdomain, die erkennbar von redaktionellen Inhalten zu trennen sei, kann ich nicht nachvollziehen. Einerseits wird an keiner Stelle darauf hingewiesen, dass es sich nicht um eine von der Redaktion verantwortete Veranstaltung handelt – ganz im Gegenteil: Spex zeichnet deutlich als Rechteinhaberin aller Texte dieser Subdomain verantwortlich.
Andererseits wurde die Veranstaltung im Heft und online so prominent beworben (und im Editorial des letzten Hefts sogar ausdrücklich auf das Konzert hingewiesen), dass ich als Leser davon ausgehen muss, dass die Redaktion sich die ihren Namen tragende Veranstaltung vollkommen zu eigen macht. Die Berichterstattung über die Veranstaltung gleicht dem Außenstehenden folglich einem redaktionellen Beitrag und sollte dann den gleichen Regeln gehorchen, wie andere redaktionelle Beiträge.
Ich begrüße die Sorgfalt, der Spex üblicherweise walten lässt und gehe – wie die Spex-Redaktion – davon aus, dass es sich um einen seltenen Ausrutscher handelt. Ich freue mich auf eine produktive Debatte zu diesem Thema.
Herzlichen Gruß, jk
Lieber Walter Wacht,
Ich wollte in meinem Text nicht den Eindruck erwecken, Spex oder spex.de gingen ähnlich sorglos mit Werbetexten um, wie andere Medien. Spex und spex.de sind üblicherweise verlässlich unabhängige Medien, der Umgang etwa mit Promofotos meines Erachtens beispielhaft.
Den von mir angeführten Umstand macht das umso erstaunlicher.
Die Darstellung, bei live.spex.de handle es sich um eine Subdomain, die erkennbar von redaktionellen Inhalten zu trennen sei, kann ich nicht nachvollziehen. Einerseits wird an keiner Stelle darauf hingewiesen, dass es sich nicht um eine von der Redaktion verantwortete Veranstaltung handelt – ganz im Gegenteil: Spex zeichnet deutlich als Rechteinhaberin aller Texte dieser Subdomain verantwortlich.
Andererseits wurde die Veranstaltung im Heft und online so prominent beworben (und im Editorial des letzten Hefts sogar ausdrücklich auf das Konzert hingewiesen), dass ich als Leser davon ausgehen muss, dass die Redaktion sich die ihren Namen tragende Veranstaltung vollkommen zu eigen macht. Die Berichterstattung über die Veranstaltung gleicht dem Außenstehenden folglich einem redaktionellen Beitrag und sollte dann den gleichen Regeln gehorchen, wie andere redaktionelle Beiträge.
Ich begrüße die Sorgfalt, der Spex üblicherweise walten lässt und gehe – wie die Spex-Redaktion – davon aus, dass es sich um einen seltenen Ausrutscher handelt. Ich freue mich auf eine produktive Debatte zu diesem Thema.
Herzlichen Gruß, jk
...auf welche Weise denn irgendwelche Bands überhaupt nur an einen Platz in einer Musikzeitschrift kommen können. Viele HÖRER wissen immer noch nicht, dass der Kauf einer Anzeige oder eines Sampler-Tracks Voraussetzung dafür ist, _überhaupt_ ein/en Artikel/Interview zu bekommen...
Und wer bezahlt das? Natürlich das Label. Eine Musikzeitschrift ist demnach ohnehin nichts anderes als ein Werbekatalog, in den sich Firmen je nach Budget mehr oder weniger groß einkaufen können. Artikel sind auch nur gekaufte Anzeigen. Independent? Haha!
Es ist doch nur konsequent, wenn man angesichts dieser Herangehensweise sich auch gleich noch den Text des Artikels vorgeben lässt. Wozu als Schreiber Zeit investieren, wenn doch ohnehin nur Lobeshymnen erlaubt ist?
Schön das Sie es auf den Punkt bringen.
Die fütternde Hand wird nicht gebissen.
Schön das Sie es auf den Punkt bringen.
Die fütternde Hand wird nicht gebissen.
Schön das Sie es auf den Punkt bringen.
Die fütternde Hand wird nicht gebissen.
weil ich in dem blogeintag direkt angesprochen werde. als freier autor, der von den usa aus auch ab und dann für zeit.de schreibt, würde ich nie über etwas berichten, wenn es nicht den tatsachen entspricht. die phoenix daten sind leicht nachzurecherchieren (weil das in der überrschrift als negativa ausgestellt wird), der zuspruch, den die band im vergangenen jahr in den usa erreicht hat, war für alle beteiligten unerwartet und ist in dieser breiten form für eine französische band sehr ungewöhnlich. den kritischen unterton in bezug auf bewertungskriterien von pop mehr oder weniger als strategischen "trojaner" des autors zu bezeichnen, noch dazu in einem text, der sich über untergejubelte pr beschwert, ist dann schon etwas absurd. mit inhaltlichen textvorgaben bin ich bis dato in meinen bald 15 jahren als musikjournalist auch noch nie konfrontiert worden - weder von einer redaktion, noch von einer plattenfirma. wie eingangs erwähnt, dafür wäre ich auch nicht zu haben.
mfg christian lehner
Lieber Christian Lehner,
es ging mir in meiner Kritik vor allem um die erstaunliche Verknüpfung einer Gratis-CD mit einer deutlich überdimensionierten Geschichte über die Band Phoenix. Für diese Verknüpfung sind Sie als freier Autor nicht verantwortlich. Auch dass Sie manch übertriebenes Wort der Beschreibung gewählt haben ("...direkt in die Herzen des US-Mainstreams gespielt..."), mag Ihrer Begeisterung geschuldet sein. Da hat es mit Phoenix ja nicht die schlechtesten getroffen.
Ist der Eindruck entstanden, ich hielte Sie für einen Trojaner der Plattenfirma, oder als sei der überschwängliche Ton Ihres Artikel dem Druck von Verlag oder Plattenfirma geschuldet, tut es mir leid. Die Trojaner im von mir angesprochenen Beispiel sitzen vor allem im Marketing der Verlage. Und dass diese einen überschwänglichen Artikel eher kaufen als einen kritischen, das weiß jeder freie Autor.
Freundlichen Gruß, jk
Lieber Christian Lehner,
es ging mir in meiner Kritik vor allem um die erstaunliche Verknüpfung einer Gratis-CD mit einer deutlich überdimensionierten Geschichte über die Band Phoenix. Für diese Verknüpfung sind Sie als freier Autor nicht verantwortlich. Auch dass Sie manch übertriebenes Wort der Beschreibung gewählt haben ("...direkt in die Herzen des US-Mainstreams gespielt..."), mag Ihrer Begeisterung geschuldet sein. Da hat es mit Phoenix ja nicht die schlechtesten getroffen.
Ist der Eindruck entstanden, ich hielte Sie für einen Trojaner der Plattenfirma, oder als sei der überschwängliche Ton Ihres Artikel dem Druck von Verlag oder Plattenfirma geschuldet, tut es mir leid. Die Trojaner im von mir angesprochenen Beispiel sitzen vor allem im Marketing der Verlage. Und dass diese einen überschwänglichen Artikel eher kaufen als einen kritischen, das weiß jeder freie Autor.
Freundlichen Gruß, jk
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