Musikfilm "Universalove" Bild, Ton und LiebeSeite 2/2
Doch wie schnell man sich an diesen doppelten Bruch der Konvention gewöhnt, wie schnell auch an diese warm instrumentierten, melancholischen Lieder der Band. Selten sind sie so brachial wie zu Beginn. Oft spielen die Musiker Akkorde, die unverschämt eingängig sind – und denen sie früher oder später blechernes Kratzen oder eine Dissonanz unterjubeln. Meist beides.
Und wie gut, dass Universalove einen typischen Fehler im Zusammenspiel von Popmusik und Film nicht begeht: Auch die dialogfreien Szenen sind nicht zu Videoclips verkommen. Der Film hält sein Tempo und sein Erzählprinzip auch in jenen Momenten durch, in denen schnelle, hochpolierte Bilder zu flotter Musik der einfachere Weg gewesen wären.
- Anerkennung für "Universalove"
Der Regisseur Thomas Woschitz wurde für "Universalove" mit dem Max-Ophüls-Preis 2009 ausgezeichnet. Mit großem Erfolg lief der Film auch auf den Festspielen in Miami und San Joaquin in Kalifornien. Er gewann den Preis für Best Cinematography der österreischischen Diagonale 2009 und gehörte zur offiziellen Auswahl des Internationalen Filmfestivals in Toronto 2008. Auf der letztjährigen Berlinale lief er im Rahmen der "Perspektive Deutsches Kino".
An vielen Stellen scheinen die von Oliver Welter gesungenen Texte eine innere Sicht der Charaktere wiederzugeben, funktionieren als Kommentar zur Bildebene des Films. Etwa wenn Satoshi seine Geliebte Natsumi durch die Fensterscheibe ihrer Suppenküche beobachtet, unfähig, ihr seine Liebe zu gestehen. Warten, all sein Leben sei Warten, scheint er zu denken. Oder wenn die rasende Fahrt von Julies Moped endet und Oliver Welter ihr den Wunsch einflüstert, die Welt möge einfach anhalten. Da ist der Film beinah vorüber, so kann Thomas Woschitz ihr den Wunsch erfüllen. Satoshi konnte er nicht helfen.
Das Finale gerät grandios. Wenn in Robert Altmans Episodenfilm Short Cuts am Ende die Erde bebt, wenn es in Paul Andersons Magnolia schließlich dicke Frösche regnet, dann naht die Auflösung. Die Geschichten in Universalove haben ihren gemeinsamen Moment erst, als die Bewegungen einfrieren. Kein Beben, kein Plattern, einfach nur gespannte Ruhe. Eine Auflösung verwehrt der Regisseur. Im entscheidenden Moment zwischen Leben und Tod wählt er den Mittelweg – Abblende, Abspann. Schade fast, in manches der Gesichter hätte man noch stundenlang schauen können.
"Where do we dance and drink tonight? How can we find a place to hide?", fragt die Band im Lied zum Abspann. Nebenan hat noch eine Bar geöffnet. Schnell die CD von Universalove eingekauft, denn die kann man sich auch wie ein normales Album anhören.
- Datum 28.01.2010 - 08:01 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren