Alban Berg zum 125. Geburtstag Überströmende Wärme des FühlensSeite 2/2
Schon in den frühesten Stücken seines Schülers vernahm Arnold Schönberg eine "überströmende Wärme des Fühlens". Dem Fühlen ist auch die Zwölftonmusik nicht im Wege. Ihr Erfinder Schönberg machte die Demokratie zur Methode: Jeder der zwölf Töne, in die eine Oktave (in der westeuropäischen Musik) geteilt wird, ist gleichberechtigt, ein tonales Zentrum entfällt, die Tonleiter wird durch eine Reihe von zwölf Tönen in frei wählbarer Folge ersetzt, die zugleich das Kernmotiv ist. Als Berg, obwohl glücklich verheiratet, sich während der Wozzeck-Zeit in die Schwester des Schriftstellers Franz Werfel verliebte, bekannte er seine Gefühle in einem Streichquartett, der Lyrischen Suite. Darin komponierte er so zwölftönig wie ungebunden, und im verzweifelten Finale führt er die vier Instrumente zum berühmtesten Liebesakkord der Musikgeschichte, zu Wagners Tristanakkord.
Alban Berg liebte Zitate. Er zitierte auch Volkslieder und Trivialmusik, er liebte es, die Sphären zu verknüpfen, und gerade die stärksten Gefühle brachten ihn zu Verbindungen neuer mit alter Musik wie in seinem Violinkonzert. Er schrieb es in Trauer um Manon Gropius. Die überirdisch schöne Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius, dem Architekten, war mit 18 Jahren an Kinderlähmung gestorben. Dem Andenken eines Engels widmete Berg dieses instrumentale Requiem, das sein eigenes werden sollte, und am Ende wird Johann Sebastian Bachs Choralmelodie Es ist genug von der Solovioline angestimmt, zwölftönig und zart von Bratschen und Fagott begleitet.
Man schrieb das Jahr 1935, und es ging Berg nicht gut. Die Nazis hatten in Deutschland seine "entartete Musik" verboten, Tantiemen blieben aus, und in dieser Existenzfraglichkeit nahm er die Furunkulose nicht besonders ernst, an der er nach einem Insektenstich erkrankte. Am 24. Dezember erlag er in Wien der Blutvergiftung, die sich entwickelt hatte. In einem Brief zu seinem 50. Geburtstag hatte ihm sein Lehrer Schönberg, als Jude längst ins kalifornische Exil geflohen, noch das größte Lob seines Lebens gemacht: "Du, der als einziger unserer Sache allgemeine Anerkennung zu gewinnen imstande warst." Es empfiehlt sich, diese Sache mit Alban Berg wieder ganz neu zu entdecken.
- Datum 23.02.2010 - 09:45 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Aufgrund eines technischen Fehlers wird der dritte Audio-Player unvollständig angezeigt. Wir arbeiten dran. Spätestens in 15 Minuten sollte auch der Ausschnitt aus dem Violinkonzert zu hören sein.
Rabea Weihser
Musikredaktion
für diesen Artikel.
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