Im "Record Club" von Beck spielt mit, wer gerade Zeit hat: Leslie Feist, Devendra Banhart oder Jamie Lidell waren dabei

Ein gutes Cover-Album aufzunehmen ist gar nicht so leicht. Peter Gabriel hat's gerade mit seinen Lieblingsliedern versucht und ist gescheitert. Rosanne Cash ist es besser gelungen – sie hat zwölf Country-Klassiker neu eingespielt. Aber warum sich mit einzelnen Songs begnügen, warum nicht gleich ein ganzes Album in die eigene Musiksprache übersetzen? Zwei aktuelle Projekte zeigen, wie schön das klingen kann.

Der Musiker Beck Hansen hat einen kleinen Verein gegründet, den Record Club. Der kommt unregelmäßig in Los Angeles zusammen. In wechselnder Besetzung spielen die Mitglieder, zumeist Prominente aus der Indieszene, dann eine Platte vollständig nach.

Beim Frühstück wird entschieden, welches Album gespielt wird. Bis zum Mittagessen wird gedaddelt, danach aufgenommen. Und schon beim Abendessen wird auf das Ergebnis angestoßen. Es gibt keine Proben, entsprechend rau und improvisiert klingen die Lieder. Anschließend wird wöchentlich ein Lied auf Becks Internetseite veröffentlicht.

Das erste nachgespielte Werk vor rund einem Jahr war Velvet Underground & Nico, damals musizierte Becks eigene Band mit ein paar Gästen. Für Songs Of Leonard Cohen dann schauten MGMT und Devendra Banhart vorbei. Und Skip Spences Oar entstand kürzlich neu, als Wilco, Feist und Jamie Lidell in der Stadt waren. Dieser Tage wird das letzte Lied von Oar zu hören sein.

20 Musiker zählt der Record Club nun schon, die Band klingt jedes Mal anders. Becks Stimme und die melancholische Grundstimmung der drei Originale verbinden die Aufnahmen. Mal ist die Band nah am Original, oft weit entfernt. Velvet Undergrounds All Tomorrow's Parties wird zur sanftmütigen Elektronika-Ballade, Leonard Cohens Stranger Song mit einem mitreißenden Groove versehen. Und Skip Spences karge Folk-Miniatur Lawrence Of Euphoria ist nun ein überdrehter Studiojam. Eine eindeutige Sprache will hier niemand sprechen.

Auch The Flaming Lips nahmen kürzlich ein ganzes Album neu auf, Pink Floyds Dark Side Of The Moon. Und auch ihnen kamen unerwartete Gäste in die Quere, der Hardcore-Musiker und Dichter Henry Rollins und die Tanzflurröhre Peaches.

Sie machen sich die zillionenfach verkaufte Platte aus dem Jahr 1973 wahrlich zu eigen. Der Ursprung bleibt erkennbar, manche Melodie, mancher Text, und doch entsteht etwas Neues. Am deutlichsten zerfährt eine fusselige Gitarre die Harmonie des Originals. Als Pink Floyd Dark Side Of The Moon Mitte der Siebziger aufnahmen, waren sie längst Liebhaber des sauberen Klangs geworden. Die Flaming Lips hingegen drehen die Regler lieber in Richtung Scheppern.

Es gerät nicht prätentiös, eher beiläufig. Henry Rollins rezitiert ein paar Verse in die ersten Takte von Speak To Me hinein. Die sind passend wie unpassend, sie sind einfach da. Am Ende von On The Run schnauft und hustet jemand, die gesampelten Klänge begleiten das folgende Time. Die einst orgiastischen Schreie in The Great Gig In The Sky sind nun hysterisch und stammen von Peaches.

Die Stärke aller genannten Werke liegt eben in dieser Beiläufigkeit. Es sind objets trouvés, auf dem großen Materialberg der Musikgeschichte gefundenes und im neuen Kontext ausgestelltes Klanggut. Das Material wird seziert, in seine Klangfarben, Bedeutungen und Beziehungen zerlegt. Wird kopiert, ersetzt, gefärbt, gestutzt. Und anschließend wird es wieder zusammengefügt, gefüttert, gebürstet, ergänzt um Zitate, surreale Albernheiten, Eigenheiten. Die Klebekanten sind noch gut erkennbar, manches wurde ohnehin nur notdürftig getackert. Die Lust an der gestörten Perfektion ist auch eine Notwendigkeit, die Kombination der Objekte bestimmt der Zufall.