Starcellist Mischa Maisky "Es ist eine große Verantwortung, zeitgenössische Musik zu spielen"Seite 2/2
ZEIT ONLINE: Gleichwohl haben Sie vor zwei Jahren das Ihnen gewidmete Cello-Konzert des israelischen Komponisten Benjamin Yusupov uraufgeführt...
Maisky: Benjamin schrieb das Cello-Konzert zu meinem sechzigsten Geburtstag. Ich war sehr geehrt, vor allem, weil es eine musikalische Schilderung meiner Lebensgeschichte ist. Ich habe das Konzert bereits mit verschiedenen Orchestern und Dirigenten gespielt, und es war immer wieder beeindruckend, wie enthusiastisch die Zuhörer reagiert haben. Ich muss zugeben, dass mich das sogar in gewisser Weiser überrascht hat. Es endet sehr ruhig, und trotzdem gab es unglaubliche Reaktionen von Seiten des Publikums. Es ist ein sehr emotionales Konzert, das viele verschiedene musikalische Elemente enthält. Ich denke, es gehört zu den Stücken, die überleben und im Repertoire bleiben werden.
ZEIT ONLINE: Hören Sie sich Aufnahmen Ihrer Cello spielenden Mitstreiter an?
Maisky: Ich besitze mehr als fünfzig verschiedene Aufnahmen der Cello-Suiten von Bach. Irgendwann habe ich aufgehört sie zu zählen. Sie befinden sich auf einer Mini-Disk und ich kann darauf die Reihenfolge der einzelnen Sätze ändern. Wenn man nur die Nummer 1 in verschiedenen Spielweisen hört, ist es manchmal unglaublich, dass es sich um das gleiche Musikstück handelt. Die Cello-Suiten sind wie ein Diamant: Man dreht ihn herum, und er schimmert immer anders. Denken Sie an die Bibel-Auslegung: Man kann die Texte auf verschiedene Weise übersetzen und interpretieren. So ist es ebenfalls bei großartiger Musik. Je besser die Musik ist, desto mehr Wege gibt es, sie zu spielen. Alle Wege sind in Ordnung, nur zwei sind musikgesetzlich verboten: großartige Musik hässlich oder langweilig zu spielen.
ZEIT ONLINE: Gibt es eine Wahrheit in der Musik?
Maisky: Es gibt viele verschiedene Arten zu leben, zu denken, sich zu kleiden, zu essen, verschiedene Götter anzubeten oder Johann Sebastian Bach auf viele verschiedene Weisen zu spielen. Das ist wunderbar – so lange niemand darauf besteht, die Wahrheit gepachtet zu haben. Dann beginnen die Probleme. Ich bin in der Sowjetunion aufgewachsen, und dort hieß es: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Das ist eine sehr gefährliche Mentalität, die Angst erzeugt. Genau so kommen die totalitären Systeme zustande. Mein Lebensmotto lautet hingegen: Leben und leben lassen.
ZEIT ONLINE: Werden Sie in nächster Zeit wieder ein Werk für Cello uraufführen?
Maisky: Rodion Schtschedrin schreibt gerade ein Doppelkonzert für Klavier, Cello und Orchester für Marta Argerich und mich, das 2011 aufgeführt werden soll. Darauf freue ich mich sehr. Rodion ist ein wundervoller Komponist und ein echter Gentleman.
Das Gespräch führte Burkhard Schäfer.
Mischa Maisky im Konzert: 8. Februar, Viersen (Festhalle); 9. Februar, Köln (Philharmonie); 10. Februar, Hamburg (Laeiszhalle); 11. Februar, Berlin (Philharmonie)
- Datum 04.02.2010 - 17:30 Uhr
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PURER PLÖDSINN
vielleicht der mit dem "besten" Marketing, auf den Zeitungschreiber und andere reinfallen...
Mein Gott, warum muss immer einer der Beste, Schnellste, Grösste oder Längste sein? Ein Hr. Maisky ist in seinen besten Stunden ein genialer Cellist, der einige Werke genial spielt, andere etwas weniger genial. Und er hat auch ab und an Tiefpunkte - wie jeder Mensch.
Kann man das nicht einfach ganz menschlich ohne die dämliche Abstempelei sehen? Musik ist kein 100m-Lauf.
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