Jahresbilanz Musikindustrie Gute Zahlen, langsamer Wandel
Schön, dass es der deutschen Musikindustrie allmählich besser geht. Wichtiger ist aber eine gesellschaftliche Debatte über den Wert der Kunst im Netz.
© Peter Lindbergh

Es geht nicht mehr um Musik allein: Zu Beyoncés Album "I Am...Sasha Fierce" gab es 2009 mehr als 260 verschiedene Produkte zu kaufen
Der Deutsche ist brav und konservativ. Soweit das Klischee, das den einen oder anderen ärgern mag. Die Musikindustrie hingegen freut sich, es in seinen neuesten Marktanalysen bestätigen zu können. Hierzulande werden noch ordentlich CDs gekauft, es gibt so viele legale Download-Plattformen wie nirgends auf der Welt, auch der Online-Nutzer schätzt das Albumformat, und die Klassikbranche gilt als Krisengewinner.
Allzu schlecht ist es im vergangenen Jahr nicht gelaufen. Der Umsatz aus Musikverkäufen ist nur um 3,3 Prozent zurückgegangen. Es hätte schlimmer kommen können, schaut man auf unsere Nachbarn England (minus 23 Prozent) und Frankreich (minus 9 Prozent).
Auf der Jahrespressekonferenz zeigen sich die Branchenvertreter demnach optimistisch. Eine Musikmarktprognose der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) sieht vorher, dass bis 2013 der Markt im Download- und Mobiltelefonbereich auf das Doppelte wachsen wird. Sogenannte "neue Geschäftsfelder" wie Merchandising, Konzerte oder Videomitschnitte könnten dreimal so groß werden, und die gute alte CD nähme dann lediglich ein Drittel des Gesamtmusikmarkts ein.
Noch ist sie der Branche eine starke Stütze: Heute stammen 80 Prozent der Musikumsätze aus dem Verkauf physischer Tonträger. Aber bis 2013 ist es noch lange hin. Vielleicht, so hofft der Bundesverband der Musikindustrie (BVMI), geht es auch schon im nächsten Jahr steil bergauf. In Deutschland konnten mit Downloads 2009 jedenfalls schon 118 Millionen Euro verdient werden, das ist ein Drittel mehr als im Vorjahr.
Die Zukunft des digitalen Marktes sähe noch rosiger aus, gäbe es keine Musikpiraten. "Wären nur 10 bis 15 Prozent der illegal heruntergeladenen oder kopierten Musik gekauft worden, wären das etwa 500 Millionen Euro Umsatz", sagt Dieter Gorny, der Vorsitzende des BVMI. Und um die politische Bedeutung der Kulturindustrie in Deutschland zu betonen: "Oder rund 100 Millionen Euro Mehrwertsteuer für den Staat".
Seiner Meinung nach müsse die Debatte um Urheberrechtsverletzungen im Internet, um illegale Downloads endlich in ein Gesetz münden, dass das Netzleben regelt wie den Straßenverkehr. Den braven Käufern stehen hierzulande 4,5 Millionen Tauschbörsianer gegenüber, die sich Musik, Filme oder Videospiele unentgeltlich aus dem Netz ziehen. Solange das Gerede von der Wirtschaftskrise nicht verstumme, sei es fatal, das illegale Herunterladen als technical behaviour einer jüngeren Generation im digitalen Raum abzutun, sagt Gorny.
- Datum 24.03.2010 - 16:59 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Ich muss zugeben, dass ich bei dem Thema Musikindustrie zwiegespalten bin. Einerseits wird das Herunterladen von Musik den Künstlern und dem Aufwand der zur Produktion oft betrieben wird nicht gerecht, somit kann man die Aufschreie der Musikindustrie aus der Vergangenheit über die Downloads verstehen. Andererseits hat diese Industrie auch viel zu lange versucht, an ihrem Geschäftsmodell festzuhalten. Wenn man nicht vergleichsweise viel Geld für CDs und Alben ausgeben wollte, gab es keine wirkliche legale Alternative, somit sind Menschen zu den Tauschbörsen abgewandert - ohne dass ich das als Kavaliersdelikt entschuldigen möchte. Seit es aber legale Downloads gibt zeigt sich doch auch, dass viele Menschen nach wie vor bereit sind, für gute Musik zu bezahlen, nur eben zu attraktiveren Preisen und einfacher durch die Downloads.
Somit denke ich war der Boom von Tauschbörsen notwendig, um die Musikindustrie zu zwingen, neue Wege einzuschlagen, und dem Verbraucher/Konsumenten entgegenzukommen. Außerdem stellt sich nach wie vor die Frage, wieviel wirklich bei den jeweiligen Künstlern ankommt, wenn argumentiert wird, man gefährde mit den Downloads (illegalen) den Fortbestand und das Überleben der Künstler.
..."Oder rund 100 Millionen Euro Mehrwertsteuer für den Staat".
Glaubt Herr Gorny wirklich, daß die Leute, die Musik aus dem Netz ziehen, das gesparte Geld verbrennen, anstatt dafür andere Dinge zu kaufen und somit doch die Mehrwertsteuer zu entrichten?
Solange die Musikindustrie solche Hetzer* wie Herrn Gorny als ihren Sprecher duldet, halte ich meinen strikten Kaufboykott mit Vergnügen durch. Jeder Cent für die Musikindustrie fördert direkt deren verfassungsfeindliche Wühlarbeit und das Unwesen der Abmahnanwälte.
* Bezieht sich auf seine Kampagne gegen den Rechtsstaat (Gewaltenteilung) und die Grundrechte (Informationelle Selbstbestimmung).
Die Musikindustrie trägt ja nicht zu Unrecht den Beinahmen "Contentmafia".
Ihr Geschäftsmodell, sich an Künstlern und Kunden schamlos zu bereichern ist aber nicht nur durch Tauschbörsen sondern auch durch die Möglichkeiten des Direktvertriebs und Eigenmarketings bedroht, die das Internet den Künstlern bietet.
In der nächsten Dekade werden wir hoffentlich eine Reform des Urheberrechts erleben, die die Nutzung fremden geistigen Eigentums angemessen entlohnt, ein mehr an Kooperation erlaubt, das Teilen von Wissen um des Fortschritts willen fördert und somit der Innovationskraft der europäischen Volkswirtschaft dient.
Das wird hoffentlich der Musikindustrie als nutzlosem Mittelsmann zwischen Künstler und Käufer den letzten Rest geben.
Die Musikindustrie trägt ja nicht zu Unrecht den Beinahmen "Contentmafia".
Ihr Geschäftsmodell, sich an Künstlern und Kunden schamlos zu bereichern ist aber nicht nur durch Tauschbörsen sondern auch durch die Möglichkeiten des Direktvertriebs und Eigenmarketings bedroht, die das Internet den Künstlern bietet.
In der nächsten Dekade werden wir hoffentlich eine Reform des Urheberrechts erleben, die die Nutzung fremden geistigen Eigentums angemessen entlohnt, ein mehr an Kooperation erlaubt, das Teilen von Wissen um des Fortschritts willen fördert und somit der Innovationskraft der europäischen Volkswirtschaft dient.
Das wird hoffentlich der Musikindustrie als nutzlosem Mittelsmann zwischen Künstler und Käufer den letzten Rest geben.
Ein wirklich netter Zug der MI der Regierung vorzurechnen, um welchen Betrag die Steuereinnahmen steigen könnten, wenn denn nur die Nutzung von Tauschbörsen unterbunden würde. Wobei die Annahme, jeder verhinderte Download schlage sich in einem Kauf nieder, wohl sehr optimitisch ist. Denn neben des Downloads wird es noch andere Ursachen für den Umsatzrückgang geben:
* Demographischer Wandel (schmelzende Käuferschicht der < 25-jährigen)
* Wirtschaftskrise (Generation Praktikum, Studiengebühren)
* anderes Freizeitverhalten (Computerspiele, Twitter, Facebook etc)
* ausbleibende künstlerische Leistung (musikalischer Einheitsbrei)
* Boykotthaltung gegen MI (wegen deren Vorgehen gegen Kunden)
Welchen Anteil das alles am wirtschaftlichen Niedergang dieser Industrie hat kann ich nicht beurteilen, doch vernachlässigen darf man diese Aspekte wohl nicht.
Die Musikindustrie trägt ja nicht zu Unrecht den Beinahmen "Contentmafia".
Ihr Geschäftsmodell, sich an Künstlern und Kunden schamlos zu bereichern ist aber nicht nur durch Tauschbörsen sondern auch durch die Möglichkeiten des Direktvertriebs und Eigenmarketings bedroht, die das Internet den Künstlern bietet.
In der nächsten Dekade werden wir hoffentlich eine Reform des Urheberrechts erleben, die die Nutzung fremden geistigen Eigentums angemessen entlohnt, ein mehr an Kooperation erlaubt, das Teilen von Wissen um des Fortschritts willen fördert und somit der Innovationskraft der europäischen Volkswirtschaft dient.
Das wird hoffentlich der Musikindustrie als nutzlosem Mittelsmann zwischen Künstler und Käufer den letzten Rest geben.
"Die Zukunft des digitalen Marktes sähe noch rosiger aus, gäbe es keine Musikpiraten. "Wären nur 10 bis 15 Prozent der illegal heruntergeladenen oder kopierten Musik gekauft worden, wären das etwa 500 Millionen Euro Umsatz", sagt Dieter Gorny, der Vorsitzende des BVMI"
Ich frage mich wirklich woher schon wieder diese merkwuerdigen Zahlen kommen. Es waere ja nicht das erste mal, dass sich der BVMI da irgendwelche Schaetzungen ohne Hand und Fuss aus dem Hut zaubert.
Das Thema ist doch nun echt mal abgelutscht.
Solange eine CD der großen Majorfirmen immer noch so extrem teuer
im Einkauf ist, und damit auch der Verkaufspreis, wird sich nix ändern.
Warner: 13.27 plus 19% Mwst. Einkaufspreis
Emi: 11,78 plus 19% Mwst.Einkaufspreis
Sony: 12.78 plus 19% Mwst. Einkaufspreis
Universal: 12.80 plus 19% Mwst. Einkaufspreis
Das ganze Geld für Kopierschutz und Anwaltskosten mal in vernünftige Künstler investieren und einen durchschnittlichen Preis für den Endverbraucher von 12/13€ anvisieren, dann bleibt für alle genug übrig und die verkauften Einheiten werden sich wundersamer Weise auf einmal wieder positiv Entwickeln.
Ein einmaliger Vorgang der Wirtschaftsgeschichte:
eine komplette Branche implodiert und zerlegt sich selbst, aber der Preis für das Produkt bleibt auf unverändertem Niveau, da müssen sie sich nicht wundern Herr Gorny.
Trotzdem werden auch in Zukunft Plattenfirmen eine wichtige Rolle bei der Vermarktung der Künstler spielen, aber bestimmt nicht die börsen-notierten Unternehmen á la EMI und Konsorten und was von einem legalen Download letztendlich für den Künstler übrig bleibt ist lachhaft.
Format der Zukunft: Vinyl plus Downloadcode.
Warum eigentlich 7% Mwst. auf Bücher und 19% auf Musik????Was ist Kultur?
Fragen über Fragen, aber: wo alles einstürzt, entsteht neues.
Erstmal ganz real, aber bestimmt nicht in gemütlicher, digital-fixierter Rotwein-Runde mit Herrn Gorny, Industrie-Lobby und der neuen Enquete Kommission....
Man kann doch nicht 20 Euro für etwas verlangen, was keinen Aufwand, außer dem des Kopierens (!) macht in der Herstellung. Ein Download eines Liedes für 1-2 Euro, das würden viele annehmen. Da machts dann die Masse. Oder Streaming von Videofilmen. Die zwilichtigen Anbieter machen technisch seit jahren vor, was geht. Da einfach legalisieren und ein wenig geld verlangen. Aber nein es wird geheult, gejammert und geklagt. Pffff... da hab ich kein Mitleid.
Die Musikindustrie wird ihre Kunden nicht wiederbekommen!
Für mich lag und liegt die Schmerzgrenze für ein Album bei 20 DM - mit der Umstellung habe ich das frech auf 10€ gerundet. Ich halte diesen Betrag immer noch für plausibel im Vergleich zu anderen Dingen, die man so kauft.
Dass die Kosten explodiert sein sollen, kann ich nicht nachvollziehen, denn die Produktion einer CD und deren Transport (Gewicht, Größe!) ist immer billiger geworden im Vergleich zur Platte.
Argument: Kosten der Studioproduktion.
Ohne jetzt zu sehr auf dem Niedergang der Künste rumhacken zu wollen, kann ich beim Besten Willen keine Qualitätsunterschiede zwischen den Alben der 80er und dem Zeug von heute feststellen.
Konsequenz?
Nachdem die Musikindustrie Ende der Neunziger der Meinung war, CDs nur noch weit über meinem Limit von 10€ zu verkaufen, hab ich die Ergänzung meiner Sammlung von etwa 2000 Tonträgern nahezu komplett eingestellt.
Jetzt gibt es immer mal Angebote bei "ich bin doch nicht blöd" usw., die in mein Preisgefüge passen würden - dummerweise hat man die Alben dann aber schon auf anderem Wege gehört, und weiß, dass sie das Geld nicht wert sind. Also kaufe ich sie auch nichtmal mehr für 5€, da sie nur verstauben würden.
Ist sicher auch eine Altersfrage - ich glaube aber, dass die Musikindustrie ihren Stellenwert als Mainstream-Medium mit dieser Strategie zugunsten von DVDs und Spielekonsolen verspielt hat.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren