Klassik Jede Nacht ein Fest
Dunkelheit über dem Klassikmarkt: Drei neue Alben widmen sich der Kehrseite des Tages. Was ist so musikalisch und faszinierend an der Nacht?
Wie klingt die Nacht? Wie Sternenfunkel? Wie tönt der Schlaf, der Traum, der Alp? Wie hört sich Mondschein an und wie das Dunkel? Die Nacht mit all ihren Klängen und Anklängen, Farb- und Zwischentönen lässt sich nicht auf Notenlinien sortieren. Und doch beschäftigt die finstere Schwester des Tages seit Jahrhunderten die Sänger und Komponisten.
Die Nacht ist nach der Liebe das wohl häufigste Thema der Tondichterei. Wenn Nacht und Liebe denn zu trennen sind. Denn die Dunkelheit ist in der Musik wie in allen Künsten auch der Raum für Seufzer der Sehnsucht – und für deren Erfüllung.
Ist damit ihre Faszination schon erklärt? Geht es, wie die einfallsärmeren unter den Nachfolgern Sigmund Freuds glauben, ohnehin immer nur um das eine? "Was spricht die tiefe Mitternacht?", fragt der Alt in Gustav Mahlers dritter Sinfonie mit Friedrich Nietzsches Worten. Sie spricht vom Beischlaf – ist das schon die ganze Antwort?
Ach was. Mahler und Nietzsches Zarathustra wissen: "Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht!" Es geht um "Lust tiefer noch als Herzeleid!", denn "alle Lust will Ewigkeit, will tiefe, tiefe Ewigkeit!" Es geht nicht ums kleine Vergnügen, es geht ums große Ganze. Um Eros, aber auch um Thanatos – denn nur der Tod, des Schlafes Bruder, währt ewig.
Der Tod ist ein Sohn der Nyx, der Nacht in den altgriechischen Weltenstehungsmythen. Vor ihr fürchtet sich sogar Zeus; sie ist die Tochter des Chaos und gebiert per Jungfernzeugung unter anderem Sorge (Oizys), Rache (Nemesis), Trug (Apate) und Streit (Eris) sowie das Alter (Geras) – und den Tod, den friedlichen (Thanatos) wie den gewaltsamen (Ker). Ausgerechnet mit Erebos, ihrem Bruder, zeugt Nyx aber auch den lichten Tag und die Luft zum Atmen, Hemera und Aither. Dass die christliche Mutter Gottes, jener jungfräuliche Schoß, der das Licht der Welt gebar, ikonografisch oft mit der Mondsichel in Verbindung gebracht wird, mag ein ferner Nachhall sein.
Wolfgang Amadeus Mozart vernichtet zwar seine Königin der Nacht am Ende der Zauberflöte, damit der Vernunftpriester Sarastro und sein Männerbund unter sich bleiben. Doch es war ja die kolorierende Königin, die den Prinzen Tamino auf seine Heldenreise schickte – die Nacht trägt also auch hier den Keim des Lichts. Zufall: Der Librettist Emanuel Schikaneder drehte die ursprüngliche Handlung (gute Königin, böser Sarastro) kurzerhand um, um zu große Ähnlichkeiten mit der Oper Die Zauberzither des Konkurrenten Wenzel Müller zu vermeiden.
Das Heilbringende der Nacht pfeift auch aus Gassenhauern. "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da", lassen Theo Mackeben und Otto Ernst Hesse im Film Der Tanz auf dem Vulkan singen, "die Nacht ist da, dass was gescheh", nämlich Saufgelage, Mädchengestrampel und "Rebellion, Rebellion in den Katakomben"! Gustaf Gründgens sang's 1938: eine Anrufung an das nächtliche Menschliche in der anbrechenden Nacht der Unmenschlichkeit. NS-Propagandaminister Josef Goebbels ließ die Platte unterdrücken.
- Datum 18.03.2010 - 09:43 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"In The Still of The Night" von den Five Satins oder "Walking After Midnight" von Patsy Cline?
"One Of These Nights" von den Eagles oder "Nightswimming" von REM?
"A Hard Day’s Night" von den Beatles oder "One More Saturday Night" von Grateful Dead? "Mitten in der Nacht" von Rio Reiser oder Ludwig van Beethovens Hymne "An die Nacht"? "Night and Day" von Cole Porter oder "A Night in Tunisia" von Dizzy Gillespie? Oder doch ganz was anderes? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
Grüße aus der Redaktion.
Tristan, 2. Akt
Chopin, Nocturnes ...
...Da fällt mir nur Karol Szymanowskis 3te Sinfonie mit dem Titel "Das Lied von der Nacht" ein.
Atmosphärische, teils mystische Klangstrukturen.
Oder Manuel de Fallas bekanntes Klavierkonzert "Nächte in spanischen Gärten).
1.) Nuits Dans Les Jardins D'Espagne, MANUEL DE FALLA
Rafael Frühbeck De Burgos - London Philharmonic Orchestra
2.) Les Parfums De La Nuit (aus Images Pour Orchestre), CLAUDE
DEBUSSY - Charles Dutoit - Orch. Symphonique De Montreal
3.) Nocturnes, CLAUDE DEBUSSY
Vladimir Ashkenazy - Cleveland Orchestra
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