Ornette Coleman zum 80. Musik kennt keine HautfarbeSeite 2/2
"Beethoven war schwarz", sagt Ornette Coleman zehn Jahre später, das Konzept von einer weißen Musik will er nicht akzeptieren. Musik habe es bereits gegeben, bevor man wusste, was Farben sind, doch die Weißen hätten jeden ausgegrenzt, der nicht das spielte, woran sie glaubten. Und seitdem sei alles durcheinander geraten. Coleman hat erkannt, dass Rassismus nichts mit der Hautfarbe zu tun hat.
"Ich bin in großer Armut aufgewachsen und habe mich immer gefragt, wie ich meine Umgebung positiv verändern kann, wie man etwas Lebenswertes schaffen kann", sagt Coleman. Seine Mutter sei religiös und damit beschäftigt gewesen, ein guter Mensch zu sein. Sie habe ihn ermutigt, seinen Weg zu gehen, wollte ihn weder kontrollieren noch formen. "Sie hatte recht damit. Heute kann ich sagen, dass ich überlebt habe, weil ich etwas geschaffen habe, das auch anderen Menschen etwas bedeutet." Seiner Meinung nach hat Kunst mit der Fähigkeit zu tun, die Vorstellung von etwas Schönem lebendig werden zu lassen. "Jazz ist improvisierte Musik", sagt Coleman, "und repräsentiert möglicherweise die feinste Qualität, um die Natur des Menschen in Klang auszudrücken".
Nach seinem Comeback mit dem Konzertalbum Sound Grammar, 2005 beim Enjoy Jazz Festival in Ludwigshafen mitgeschnitten, wurde Coleman 2007 mit einem Pulitzer-Preis und dem Grammy für sein Lebenswerk ausgezeichnet. "Wie ich mir das alles beibringen konnte?", fragt er. "Durch Tränen. Ich war traurig. Eine Träne kann offenbaren, was den Einsamen sonst verborgen bleibt."
Zum 80. Geburtstag des Saxophonisten Ornette Coleman am 9. März 2010 hat unserer Autor Christian Broecking ein Interviewbuch herausgegeben.
- Datum 09.03.2010 - 09:42 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Schönen Dank an die Zeit für den Artikel!
Er hätte ruhig noch länger sein dürfen, der Bedeutung dieses Musikers angemessen.
Sein größtes Verdienst - nach meine subjektiven Meinung - ist, dass er die traumatisierende strukturelle Langeweile beendet hat, an der Jazz nach dem Bepop fast starb.
Tutti-Thema, Blasinstrument 1 Solo, Blasinstrument 2 Solo, Bass-Solo, D-Solo, Tutti-Reprise. So ging damals fast jedes Stück. Auch heute spielen noch viele so, aber eben nicht mehr alle.
Alles Glück der Welt, und Danke, Ornette!
"In seiner Begriffswelt spielen Vagina und Wahrhaftigkeit, Glaube, Kapitalismus und Liebe ganz große Rollen."
Lieber Herr Broecking, bitte nehmen Sie es mir nicht übel, sehen Sie es vielmehr als Kompliment an, dass ich mir diesen vaginalen und wahrhaftigen, glaubensvermittelnden, kapitalistischen und liebevollen Satz demnächst unter mein linkes Auge tätowieren lassen werde. Thug Life!
Independentfilmemacherin Shirley Clarke ("The Cool World", "The Connection2, "Bridges Go-Round", "Portrait of Jason", Darstellerin in Agnès Vardas "Lion's Love") hat Ornette Coleman 1986 ihren letzten film gewidmet: "Ornette: Made in America". Zu sehen gibt's ihn als Video on Demand Stream hier:
http://www.realeyz.tv/de/...
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