Beatles & Vatikan Jesus ist eine Amsel

Einst beschimpfte der Vatikan die Beatles als Satanisten, jetzt rehabilitiert er sie. Endlich: Denn religiös waren die Pilzköpfe schon immer. Eine Glosse

Im Jahr 1965 von der Queen ausgezeichnet, 2010 auch vom Vatikan: The Beatles

Im Jahr 1965 von der Queen ausgezeichnet, 2010 auch vom Vatikan: The Beatles

Die Rolling Stones haben verloren. Seit Anbeginn der Menschheit tobt ein Glaubenskrieg zwischen ihren Anhängern und denen der Beatles. Nun hat sich der Vatikan eingemischt. Vierzig Jahre nach dem letzten Konzil der – wegen ihrer auffälligen Tonsur – Pilzköpfe genannten Gruppe, hat Rom Stellung bezogen und die Beatles selig gesprochen.

Die Gemeinde der Rollenden Steine ist empört über die Rehabilitation: Hatte sich doch der geistige Führer der Gegner, John Lennon, im Jahr 1966 erdreistet, den Namen des Herrn zu beleidigen. Damals verkündete er: "Das Christentum wird untergehen. Es wird schwinden und schrumpfen. (...) Wir sind populärer als Jesus." Der Vatikan war zunächst über diesen Ausspruch schockiert, bezichtigte die Prediger aus Liverpool der Blasphemie und des Satanismus. Es folgte der Kirchenbann.

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Vier Jahrzehnte später – was ist das schon angesichts des Ewigen Reichs – dürfen die vier Abtrünnigen wieder unter die Soutane des Papstes schlüpfen. Die Vatikan-Zeitung L’Osservatore Romano hat sich 2008 bei den Beatles entschuldigt, jetzt wurde deren Liedkompendium Revolver in die Liste der zehn päpstlich empfohlenen Musikalben aufgenommen. Dazu erschien im Blatt eine Lobeshymne auf die "magische Alchemie" der Gruppe, ihre kunstvolle "Mischung aus Genialität und Bewusstlosigkeit" und ihren Vorbildcharakter.

Endlich, denn die Ächtung basierte auf einem Missverständnis. Der Glaube und die Liebe zum Herrn spielen seit jeher eine große Rolle in den Texten der Pilzköpfe. Man muss nur etwas genauer hinhören.

Dem Himmelfahrtsmythos widmen die Beatles ein wunderbares Kleinod mit schlichter Gitarrenbegleitung: "Blackbird singing in the dead of night. Take these broken wings and learn to fly. All your life, you were only waiting for this moment to arise." Jesus im Federkleid der Amsel? Nun, Gott lebt in jedem Geschöpf. Trotz aller Beseelung macht die Härte des irdischen Lebens manchem zu schaffen. Diesem Thema verschließen sich die Beatles keineswegs. Ihr schwermütiger Yer Blues schöpft aus dem Alltag und stellt doch den Bezug zur Heiligen Familie her: "My mother was of the sky, my father was of the earth, but I am of the universe. And you know what it’s worth." Im Bibelsinn herrscht hier zwar verkehrte Welt, aber soviel Freiheit sollte man der Kunst zubilligen.

Eines der bekanntesten Stücke der Beatles ist das Opus Let It Be. Kaum ein anderer Choral über eine Marienbegegnung hat so viele Menschen bewegt. "When I sometimes find myself in trouble, Mother Mary comes to me, speaking words of wisdom, let it be." Wie gekonnt die Beatles das Weltliche mit dem Religiösen verbinden, kommt einem musikalischen Wunder gleich. Sogar zu den aktuellen Ereignissen in der katholischen Kirche haben sie ihr Lied zu singen: "Yesterday all my troubles seemed so far away, now it looks as if they're here to stay. Oh, I believe in yesterday."

Wen würde es wundern, wenn es diese Werke bald ins Kirchengesangsbuch schafften. Ob-La-Di, Ob-La-Da erklänge zum Heiligen Abendmahl. Und die Priesterkongregation intonierte frei heraus: "We're Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band." Vielleicht muss sogar die Kirchengeschichte umgeschrieben werden: Hat sich eigentlich noch niemand gefragt, warum zwei der bedeutendsten Apostel Johannes und Paulus heißen – und eben nicht Mick und Keith?

 
Leser-Kommentare
  1. Ob über -Lucy in the Sky with Diamonds- (LSD) wieder das Mutterkorn in die Hostien kommt ?
    Soll ja auch schmezlindernd sein.

  2. Wer sich nur ein bisschen mit den Beatles und ihrer Musik beschäftigt, der sollte merken, dass die Christliche Religion somit das letzte ist was sie zum Inhalt ihrer Songs machen wollten, es sei denn es war im kritischen Sinne.
    Lennon war Rebell und absoluter Religionskritiker, er schrieb "Yer Blues" in schmerzvoller (sexueller) Sehnsucht.
    "Blackbird" komponierte McCartney in Anlehnung an Martin Luther King und den Rassenunruhen in Amerika.
    Und Mother Mary ist Pauls Mutter!
    Wie man Texte für sich interpretiert sei jedem selbst überlassen. Aber die Intention der Songwriter sollte doch zumindest nicht verbogen werden!!!

  3. "
    Imagine there's no countries
    It isn't hard to do
    Nothing to kill or die for
    And no religion too
    Imagine all the people
    Living life in peace...
    "

    DAS sollte es in die Kirchenbücher schaffen!

    • honett
    • 13.04.2010 um 21:51 Uhr

    .. erstaunlich, was den Vatikan beschaeftight, wo seine Prioritaeten und Wertmasstaebe liegen ..

    Beatles: Kirchenbann, aufgehoben
    Bischof Williamson: Exkommunikation, aufgehoben
    Paedophile Geistliche: .. aufgehoebn ????????????????????

  4. Und ich dachte immer, Mother Mary wäre eine Metapher für Marihuana gewesen, ähnlich wie "Puff the Magic Dragon" auch kein Flugreptil gemeint ist...

  5. Schneidige Beobachtungen, Herr Autor.Warum nur so familiär?
    Ihre Ausführung scheint ihnen, offenbar, teuflisch klug zu sein. Typisch für junge Akademiker, die mit ihrem herrisch -spöttisch - kritischen Auge das Meer der nicht mehr wehrhaften Vergangenheit übersehen. Vorsicht, liebe(r).
    Weder ausserordentlich klug, noch besonders meisterhaft.Sie sind so fixiert auf Personalien in Religiongeschichte: Paulus,Johannes,Mick,Keith.. Das ist so rückständig... Das Beste in Ihrer Bilanz enthält sich in Auszügen aus Beatles-Songs.Da lebt der Geist der Liebe, den keine Personen allein für sich in Anspruch nehmen können. Schreiben Sie also mehr und weiter!

    • Zoosh
    • 02.08.2010 um 13:28 Uhr

    Es ist natürlich eine sehr heikle Angelegenheit für einen Autor sich ausgerechnet die Beatles in Kombination mit der katholischen Kirche zum Thema zu nehmen. Nicht Ihrer vermeintlichen Unvereinbarkeit sondern der Massen fanatischer Anhänger wegen. Das in meinen Augen ein herrlich amüsanter ironischer Artikel entstanden ist zeigt mir doch nur, dass all jene die nun mangelnden Einblick in die Materie vorwerfen unter Humorlosigkeit leiden müssen... Ich meine: Sogar zu den aktuellen Ereignissen in der katholischen Kirche haben sie ihr Lied zu singen: "Yesterday all my troubles seemed so far away, now it looks as if they're here to stay. Oh, I believe in yesterday."... HALLO!?!

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