So cool wie Miles: Herbie Hancock © Universal Music

Als er seinen großen Hit Watermelon Man aufnahm, war Herbie Hancock 22 Jahre alt. Jene Komposition wurde ihm damals zur Eintrittskarte in die Band von Miles Davis, und sie fixiert zugleich den Ausgangspunkt seiner eigenen Karriere als Bandleader, die bis heute andauert. Die bislang wichtigste Auszeichnung erhielt er vor zwei Jahren, als seine CD River den Grammy für das beste Album erhielt. An diesen Erfolg soll auch seine nächste Produktion The Imagine Project anknüpfen. Sie erscheint pünktlich zur offiziellen Geburtstagsgala, die am 24. Juni in der New Yorker Carnegie Hall stattfinden wird. Dann werden Bill Cosby, Joe Lovano, Terence Blanchard und Wayne Shorter zu den Gratulanten gehören: Am 12. April wird Herbie Hancock 70 Jahre alt.

Hancock wurde in Chicago geboren und lernte schon früh die große Bühne kennen. Mit elf Jahren bereits führte er das 5. Klavierkonzert in D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart mit dem Chicago Symphony Orchestra auf. Später studierte er Elektronik und Komposition, 1960 wurde er von dem Trompeter Donald Byrd für den Jazz entdeckt. Nach seinem Debüt-Album Takin' Off folgten weiterhin große eigene Alben wie Maiden Voyage und Speak Like A Child, doch als noch bedeutender sollte sich seine Anstellung als Pianist im Miles-Davis-Quintett der sechziger Jahre erweisen. Zusammen mit Tony Williams (Schlagzeug), Ron Carter (Bass), Wayne Shorter (Saxofon) und Herbie Hancock an den Tasten hatte Davis eine Band entwickelt, die den modernen Jazz nachhaltig prägen sollte.

Als Heranwachsender habe er Rhythm & Blues gehört, Anfang der Sechziger sei er sogar ein richtiger Jazz-Snob gewesen, sagt Hancock, doch sein neuer Band-Chef habe ihm das kräftig ausgetrieben. "Miles hörte Jimi Hendrix, Manitas de Plata, Cream und Stones, für mich war er der King of Cool."  Er habe sich damals anderen musikalischen Einflüssen geöffnet, weil er "so hip und cool wie Miles sein" wollte.

Als seine musikalische Laufbahn begann, sei noch alles ganz überschaubar gewesen. Damals habe er noch alles der Musik untergeordnet, doch aus heutiger Sicht schätzt der praktizierende Buddhist seine "Selbstfindung als Mensch" als wichtigste Wendung in seinem Leben ein. Sie habe auch seine kreative Arbeit verbessert: "Musik hat nichts mit B-Dur oder d-Moll zu tun, sie ist ein Ausdruck des Lebens, sie erzählt die Geschichte. Mir geht es darum, Menschen zu erreichen, die nicht erst meine gesamte Jazzkarriere studieren müssen, nur um meine neueste Platte zu hören. Es ist für mich heute eine der größten Herausforderungen, mit meinen Ausdrucksmöglichkeiten ein großes und demografisch vielfältiges Publikum zu erreichen.“