Wie eine Außenseiterin – so fühle sie sich. Wie eine Außenseiterin, die sich gerade irgendwo reingeschlichen hat. Kate Nash, 22-jährige Sängerin aus Nordlondon, ist nicht allein mit diesem Gefühl. Gerade haben sich noch ein paar junge Damen aus England ins Musikgeschäft gemogelt. Sie alle haben weder eine Castingshow gewonnen noch wurden sie von einer Plattenfirma zu einer neuen Popikone zurechtgeschnitzt. Sie verlassen sich ganz auf sich, diese Nachwuchssängerinnen – sie sprühen vor Energie, und sie haben eine starke Ausstrahlung. Sie sind die netten Mädchen von nebenan, die bei einem Schönheitswettbewerb nicht völlig chancenlos wären, aber auf der Straße nicht unbedingt auf den ersten Blick erkannt werden. Geformt haben sie sich alle selbst.

Kate Nash kommt, wie auch ihre Kolleginnen, aus der Independent-Szene. Ihr Pianopop wurde als das große MySpace-Phänomen des Jahres 2006 gefeiert – kein Plattenvertrag, und doch Thema jeden Musikstammtischs. Nashs Debüt musste ein Jahr später aufgrund der großen Nachfrage früher veröffentlicht werden. Ihr neues Album, produziert von Bernard Butler von Suede, schaffte es nun auf Anhieb in die englischen Top Ten. Kate Nash macht auch musikalisch einen großen Schritt nach vorn: My Best Friend Is You (Universal) atmet den Geist der Sixties-Girlgroups und der anarchischen Riot Grrrls.

Florence Welch nimmt eine ähnliche Vorreiterrolle ein. Bevor ihr Album Lungs (Universal) im vergangenen Sommer erschien und dieses Jahr bei den Brit Awards als bestes der Insel ausgezeichnet wurde, beschallte Kiss With A Fist eine Fernsehwerbung von Vodafone – ein Song, den sie bereits während ihrer Schulzeit geschrieben hatte. Ihrer Musikkarriere zuliebe brach sie das Kunststudium am Londoner Camberwell College Of Arts ab. Florence und ihre Band The Machine lieben es düsterer als Kate Nash, passend dazu spielen sie in den Texten mit Gothic-Symbolik.

Die 23-jährige Sängerin weiß sich ins Feld der jungen Konkurrentinnen einzuordnen: Ihre Musik klänge, als wäre Kate Nash in einem Käfig voller Schlangen im Keller eines Beerdigungsinstituts in Lousiana aufgewachsen. Einfacher, aber genauso zutreffend ist der Vergleich mit Kate Bush. Oder mit Siouxsie Sioux, die einst mit ihren Banshees New-Wave-Geschichte schrieb und das weibliche Selbstbewusstein der Punk-Ära gestärkt hat.

Ihre Kolleginnen, die Florence Welch alle kennt und schätzt (hier herrscht kein Zickenkrieg), zitieren ebensowenig Madonna oder gar Lady Gaga als Vorbild. Denn was sollten sie auch anfangen mit einem Image larger than life? Amy Macdonald, eine 22-jährige Folksängerin aus Glasgow, zurzeit mit ihrem zweiten Album A Curious Thing (Universal) in den deutschen Top 5, sagt dazu: "Würde Lady Gaga tragen, was ich gerade anhabe, wüsste niemand, wer sie ist." Es sind vielmehr Musikerinnen wie Björk, Lene Lovich oder Tracey Thorn, die hier als Leitfigur dienen. Selbstbewusste Frauen, die ihren ganz eigenen Weg gegangen sind, Frauen, die sich nichts haben sagen lassen, sich nicht von Kopf bis Fuß vermarkten lassen.