Pop-Nachwuchs Die Anti-Gagas treten anSeite 2/2
Es waren Lady Gagas tote Augen, die Ellie Goulding auffielen, als die beiden Musikerinnen sich zum ersten Mal begegneten. Gouldings hingegen funkeln – auch wenn ihr der Presserummel manchmal auf die Nerven geht. Für den Erfolg zog die 23-Jährige aus einem kleinen walisischen Grenzort nach London. Heute Hamburg, morgen Los Angeles, übermorgen wieder London, Interviews vorzugsweise in Flughafenhotels – das schlaucht: "Aber ich mache das mit, weil ich eine Kriegerin und Kämpferin bin." Zwar hat sie Angst, im Dunkeln einzuschlafen ("Auch deshalb heißt mein Album Lights!"), könnte aber problemlos ihre eigenen Verträge aushandeln.
Ellie Goulding gewann den Kritikerpreis BBC Sound Of 2010, und ihre Single Starry Eyed klang so anders, dass die englische Presse irrtümlich einen neuen Trend zu erkennen glaubte: Huch, die mischt ja Folk mit Dubstep! Dabei ist ihr Debüt (Universal) lediglich ein Popalbum mit Elektronika-Exkursionen geworden. Grenzen wollte sie damit nicht überwinden – aus einem einfachen Grund: "Ich glaube, dass es heute gar keine Grenzen mehr gibt in der Musik. Alles ist möglich!" Bevor Lights dieser Tage in Deutschland veröffentlicht wird, setzte sich die Platte in England schon an die Spitze der Charts, wie von den Kritikern prophezeit. Und Ellie Goulding ist noch lange nicht fertig. "Mein nächstes Album geht in Richtung Folk und Songwritertum."
Goulding und ihre Kolleginnen passen in keine Schublade und sind sich trotzdem ähnlich. In der besagten BBC-Umfrage belegte Marina Diamondis den zweiten Platz. Ihr Album The Family Jewels (Warner Music) könnte dasjenige sein, auf das sich in diesem Jahr viele einigen werden – wie einst auf Back To Black von Amy Winehouse. Songs wie Hollywood und I Am Not A Robot sind eingängig genug für die Hitparaden und Formatradios, sind aber bisweilen kantig genug, um auch von der Independent-Szene akzeptiert zu werden. Wie Ellie Goulding verlegte die 24-jährige Marina Diamandis ihren Wohnsitz vom ländlichen Wales in die britische Hauptstadt. Und noch eine Gemeinsamkeit der neuen Anti-Gagas: Alle verfügen sie über ganz besondere Stimmen. Marina beispielsweise kiekst wie Danielle Dax, knödelt wie Shakira und raunt wie Siouxsie Sioux.
Warum diese jungen Frauen so erfolgreich sind? Weil ihre Musik keine seelenlose Massenproduktion ist und ihre Texte aus dem Leben schöpfen. Sie vertreten eine normale Weiblichkeit und nicht den übersexualisierten Hochglanzpop. Es wäre schön, wenn die Musiklandschaft durch die neuen Heldinnen aus Großbritannien wieder ein bisschen menschlicher würde.
- Datum 06.05.2010 - 15:03 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:












...klingt wie: Rebellentum pur!
Ja, Sie haben Recht. Eine interessante Weiterführung des Themas wäre, wie die Majorlabels die augenscheinlich freie Szene inkorporieren. Echten Indie gibt's kaum noch. Die großen Musikkonzerne haben einfach ihr Portfolio durch ein wenig Straßenglaubwürdigkeit erweitert.
dass es noch echten Indie gibt. Also Musikszenen die fern ab der Majors ihre eigenen Distrubitionswege suchen.
Mehr denn je ist das aber sicherlich auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit.
Mir erschließt sich nicht, was hier mit Straßenglaubwürdigkeit gemeint ist.
Ist das im Bereich der Popmusik nicht von vornherein Mythos?
Oder wird dieser Begriff in Kontrast zu den vermeintlichen Superstars der Castingshows verwendet?
Zumindest in Deutschland ist dieser Typus doch für den Tonträgermarkt nicht wirklich relevant.
Erträge fließen da doch überwiegend durch Werbung und Telefongebühren.
Das Thema mit den Mädels geistert so ja schon seit einiger Zeit in jeweils leicht veränderter Form in allen möglichen Zeitschriften herum und wird regelrecht aufgeblasen.
Ich fühle mich an Michelle Branch und Vanessa Carlton erinnert und sehne mich gleichzeitig nach einem Debüt wie von Fiona Apple.
Nun ja, ich mag hier nicht den nostalgischen Miesepeter spielen (Fiona Apple habe ich erst wesentlich später entdeckt) und Ellie Goulding gefällt mir, da sie mir auch die Interessanteste zu sein scheint, zumindest ein wenig.
Irgendwie Zeitenwende mit den Schwarzhemden an der Fussballweltmeisterschaft.
"Juanes - La camisa negra"
"Shakira y Juanes cantarán en la apertura del mundial de Sudáfrica"
http://www.10musica.com/n...
Audio-File sofort auf dieser südamerikanischen Web-Seite(?)
zum testen.
Wird es immer so weitergehen, dass man plötzlich behauptet auf einmal eine "Gegenszene" ausgemacht zu haben?
Es gab sie schon immer. Ihr bekommt es doch nur mit, wenn sie in die Charts kommen, DOCH es gibt und gab schon immer Leben jenseits der Charts. Das allerdings kann man nur entdecken, wenn man sucht und sich nicht alles mundgerecht servieren läßt.
Nur schade, dass es immer mehr erschwert wird, neue Entdeckungen zu machen. MySpace z.B. hat seinen alten Index für eine interessengesteuerte Liste geopfert. Ich hasse sie dafür. Einzige Fahnenträger sind noch der überaus exzellente I-net-Radiosender BYTE-FM und Nachwuchsplattformen wie JAMENDO.
...major labels in der top10 vertreten! ich glaub ja nicht was ich hier lese, das sind echte helden!
ich hab mir do-wah doo angehört. langweilig wir der ganze rest, der im radio hoch und runter gespielt wird. wem es gefällt: bon amusement!
für den rest: byte.fm
ein wahrer myspace-held ist meines erachtens übrigens SoKo. durch ihren song "I'll kill her" wurde sie bekannt. sie hatte ausverkaufte konzerte und ist bei großen festivals aufgetreten, das alles ohne überhaupt irgendein label. diein vertragsangebot hatte sie, soweit ich mich erinnere. angenommen hat sie nicht. sie will dieses "larger then life" image wohl wirklich nicht. hauptsache es macht spaß und den leuten gefällts. eine fanbase aus aller welt hat sie jedenfalls.
aber wie wärs mal mit deutschsprachigem indie? Grand Hotel van Cleef hat ein paar super künstler, wie kettcar oder tomte.
oder frischen electro von AUDIOLITH?!!
nun, ist wohl alles geschmack. aber helden??? (weil sie die kassen der majors füllen?)
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren