Ein historischer Sieg, den Lena für Deutschland in Oslo errungen hat. So steht es allerorts geschrieben. Historisch, ja, von geschichtlicher Bedeutung. Wie viele deutsche Interpreten hatten sich die Jahre zuvor abgemüht, um wieder an den Erfolg von 1982 anzuknüpfen! Aber nach Ein bisschen Frieden kam nichts mehr.

Jetzt, nach 27 Enttäuschungen, dürfen sich die Eurovision-Fans endlich wieder freuen. Und sie sind zahlreich, auch das ist historisch: Die Einschaltquoten der Live-Übertragung waren gigantisch. 14,69 Millionen deutsche Zuschauer sollen sich vor den Bildschirmen versammelt haben, das macht einen Marktanteil von rund 49 Prozent. Besser als Boxen und Fußball zusammen und doppelt so viel wie in 2009.

Aber ist es wirklich die brausepulverfrische Lena, der all das zu verdanken ist? Oder heißt der Retter des deutschen Unterhaltungsfernsehens und mithin der TV-Schlagerei nicht eher Stefan Raab?

Der deutsche Sieg beim Eurovision Song Contest 2010 ist sein ganz persönlicher Triumph. Seit Jahren arbeitet er sich am Schlager ab. Er schickte 1998 den Nussecken-Zottel Guildo Horn zum Wettbewerb nach Birmingham, zwei Jahre später schmetterte er selbst die güldene Parole Wadde Hadde Dudde Da von der Bühne in Stockholm, 2004 schrieb er für seinen Schützling Max Mutzke das Lied Just Can’t Wait Until Tonight , der damit in Istanbul den achten Platz belegte. Schlimme Niederlagen musste Raab beim Eurovision Song Contest nie einstecken, aber zum Sieg reichte es eben auch nicht. Irgendetwas lief noch nicht perfekt, und in diesem Jahr hat Raab den Fehler entdeckt.

Bisher hatte er sich immer als Gegner der ARD inszeniert. Er kritisierte, in der Hand des öffentlich-rechtlichen Fernsehens verkümmere der Song Contest, werde zur Rentnerveranstaltung. Als Outlaw wollte er den Senderchefs zeigen, wie Mut und Unkonventionalität in diesem Wettbewerb belohnt werden. Doch erst jetzt stimmten die Rahmenbedingungen.

Raab hatte sich mit dem einstigen Feind zusammengeschlossen. Diesmal ließ er sich von der ARD bitten , die Suche nach Deutschlands Kandidaten zu übernehmen und löste diese Aufgabe mit Bravour: Lena Meyer-Landrut begeisterte sofort ein großes, junges Publikum. Ihr Album , das Raab produziert hat, schoss an die Spitze der Hitparaden. Und Dank der starken Arme der ARD wurde der Wettbewerbstitel Satellite nicht nur im deutschen Raum, sondern überall in Europa im Radio spielt. Lenas Beliebtheit garantierte Raabs Fernsehproduktionsfirma tolle Quoten, und Quoten bringen Medienaufmerksamkeit bringen Tonträgerverkäufe bringen Einnahmen bringen Marktmacht.