Musiker & Internet Twittern im Akkord
Das Internet bietet Musikern viele Möglichkeiten, sich selbst zu vermarkten. Wird ihr Zeitmanagement wichtiger als die künstlerische Arbeit?
© Loic Venance/AFP/Getty Images

Twittern oder Komponieren? Musiker müssen ihre Ressourcen gut einteilen
Geh ins Internet und mach es selbst, lautet die Devise unter vielen Kreativen. Die Berliner Popmusikerin Zoe Leela ist eine typische Do-it-yourself-Netz-Künstlerin. Mit Ihrem Kollektiv aus Produzenten, Fotografen und Internetverlegern im Rücken hat sie ihr Debütalbum Queendom Come online gestellt. Radiosender und Zeitungen haben darüber berichtet. Bereits im ersten Monat nach Veröffentlichung hatte sie 34.000 Downloads generiert – ohne dafür Geld zu nehmen.
"Am wichtigsten ist es, nicht auf Andere zu warten, sondern selbst loszulegen und dadurch eine Kraft zu entwickeln, die zum Mitmachen motiviert."
Zoe Leela
Zoe Leela stellt ihre Songs privaten Nutzern kostenlos zur Verfügung, ihre Werke sind Creative Commons. So nennt sich der dazugehörige Lizenzvertrag, der auf die Veröffentlichung und Verbreitung digitaler Medieninhalte zugeschnitten ist. Möchte jemand die Musik kommerziell nutzen, wird individuell verhandelt. Ein großer deutscher Autohersteller habe bereits angeklopft, weil er einen Song von Zoe Leela in einem Werbefilm verwenden wollte. "Die Verhandlungen laufen noch", sagt der Fotograf Tompigs, der neben der visuellen Umsetzung auch für das Marketing in Leelas Selbstmacherteam zuständig ist.
Das Internet – so scheint es – eröffnet Musikern unbegrenzte Möglichkeiten. Vorbei sind die Zeiten, als sie auf die Gunst eines Plattenfirmenchefs angewiesen waren. Vorbei sind vor allem die Zeiten, in denen Plattenfirmen viel Geld in den Nachwuchs investierten. DIY, also Do it yourself, war vielleicht früher ein Merkmal besonders engagierten Künstlertums, heute ist es Standard. Aufstrebende Popsternchen und ambitionierte Amateure fluten Foren wie MySpace und werben um Aufmerksamkeit. Da stellt sich die Frage: Wer hat eigentlich die Zeit, alles selbst zu machen? Und: Wie kann der Musiker 3.0 eigentlich Geld verdienen?
Das Netz wäre nicht das Netz, wenn es darauf nicht auch Antwort hätte. Kickstarter.com heißt sie. Sie hilft Künstlern, die Finanzierung geplanter Projekte zu organisieren. Dort bittet beispielsweise Allison Weiss ihre Fans um Spenden. Wer ihr beim nächsten Album hilft, wird im Booklet erwähnt oder mit einem Wohnzimmerkonzert beglückt, je nach Höhe der Spende.
"Manchmal denke ich, es wäre schön, wenn Musiker sich auf das Wesentliche konzentrierten: ordentliche Songs zu schreiben und zuzusehen, dass die Band gut probt und das Konzert toll wird."
Dirk Darmstädter
Was aber machen Musiker, die keine so enge Bindung zu ihren Hörern möchten oder – was wahrscheinlicher ist – so treue Anhänger gar nicht haben? Wie sind Musikfreunde zu erreichen, die nicht im Netz nach Trends oder Sondereditionen ihrer Lieblingsbands suchen?
Fragen, mit denen sich Dirk Darmstädter, Musiker und Mitinhaber des Hamburger Indielabels Tapete Records, jeden Tag beschäftigt. "Früher war es meine Aufgabe, mit der Gitarre in der Küche zu sitzen und tolle Songs zu schreiben. Heute muss ich mich als Künstler selbst um die Produktion kümmern, Photoshop beherrschen, meine Internetseite machen, meinen Fans auf Twitter folgen und mir auch noch kreative Vermarktungsideen überlegen."
Das Talent zur Selbstvermarktung ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Der introvertierte Songschreiber Niels Frevert, der bei Tapete Records unter Vertrag ist, freut sich, dass ihm jemand das Marketing abnimmt. Doch auch ein Plattenvertrag ist keine Erfolgsgarantie. Um gekauft und geliebt zu werden, muss die Musik ihren Weg durch die Vertriebskanäle und die Medien zu den Hörern finden.
"Anfangs habe ich versucht, eine Tour für meine Band zu buchen. Es ist mir wirklich schwer gefallen, bei Clubs anzurufen und mich selbst zu verkaufen. Andere können das ganz prima, ich nicht."
Niels Frevert
Heinz Canibol nimmt deswegen lieber nur wenige Künstler unter Vertrag. Er ist ein alter Hase im Musikgeschäft und mittlerweile Betreiber des kleinen aber kommerziell erfolgreichen Labels 105music, das sich eine Nische im Markt gesucht hat: Musik für Erwachsene. Zu seinen Künstlern gehören Annett Louisan, Ina Müller und Stefan Gwildis. Vor dem Erfolg steht ein harter Selektionsprozess und professionelle Vermarktung. Seine Künstler sucht er sich nicht im Netz. "Da schau ich mir die Band lieber mal live an und sehe, wie das Publikum reagiert. Da bin ich näher an meiner Entscheidung als über die Fakten, die mir das Internet liefert."
- Leitfaden zur Selbstvermarktung
Die Popakademie Mannheim schreibt derzeit in Zusammenarbeit mit der Selbstvermarktungsplattform Audiomagnet an einem Leitfaden zur Künstlerselbstvermarktung mit Onlinetools. Das Projekt möchte Musikern eine Orientierung bieten, mit welchen Online-Werkzeugen sie an welchem Punkt ihrer Karriere sinnvoll arbeiten können.
Um solch ein Konzert überhaupt spielen zu können, müssen sich Nachwuchsmusiker rühren, Netzwerke aufbauen. Auf der Website Audiomagnet können sie sich einer Zielgruppe präsentieren, selbst vermarkten und zugleich kommerzielle Vertriebswege nutzen. Ob aber aus Tausenden kostenlosen Konzertstreamings irgendwann auch Tausende Konzertbesucher aus Fleisch und Blut werden, die Geld für ein Ticket bezahlen?
Freilich, das Internet macht vieles möglich. Aber den Musiker der Gegenwart stellen diese Möglichkeiten vor ein Problem. Er muss die Wahl treffen, wie er seine eingeschränkten Ressourcen Zeit, Geld, Talent, Kraft und Motivation am effizientesten einsetzt. Ob in der Küche mit Gitarre, auf der Bühne im Club oder sich selbst vermarktend im Internet, eines ist klar: Ohne Netzwerke hat es noch keiner geschafft.
- Datum 15.06.2010 - 13:23 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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..etwa? :) www.zarampoukas.de
nicht ganz ernst gemeint aber was sollen 99 "freunde", 4000 clicks und 18 kommentare? und dann eine anmeldung auf xxx social media plattformen. irgendwie verläuft sich das ganze auch furchtbar schnell. halbwertszeit eines songs beim musikinteressierten hörer ist doch heute genau so lang wie ne ampel braucht um von rot auf grün zu springen. mein eindruck... und dazu trägt eben auch diese ganze brutale masse an selbstvermarktenden künstlern bei. ob die industrie jetzt mit einer riesen menge an produkt x überschmwemmt oder künstlern das tun. die rezeption des konsumenten verändert sich und das meißt negativ bzw. oberflächlicher.
nicht ganz ernst gemeint aber was sollen 99 "freunde", 4000 clicks und 18 kommentare? und dann eine anmeldung auf xxx social media plattformen. irgendwie verläuft sich das ganze auch furchtbar schnell. halbwertszeit eines songs beim musikinteressierten hörer ist doch heute genau so lang wie ne ampel braucht um von rot auf grün zu springen. mein eindruck... und dazu trägt eben auch diese ganze brutale masse an selbstvermarktenden künstlern bei. ob die industrie jetzt mit einer riesen menge an produkt x überschmwemmt oder künstlern das tun. die rezeption des konsumenten verändert sich und das meißt negativ bzw. oberflächlicher.
nicht ganz ernst gemeint aber was sollen 99 "freunde", 4000 clicks und 18 kommentare? und dann eine anmeldung auf xxx social media plattformen. irgendwie verläuft sich das ganze auch furchtbar schnell. halbwertszeit eines songs beim musikinteressierten hörer ist doch heute genau so lang wie ne ampel braucht um von rot auf grün zu springen. mein eindruck... und dazu trägt eben auch diese ganze brutale masse an selbstvermarktenden künstlern bei. ob die industrie jetzt mit einer riesen menge an produkt x überschmwemmt oder künstlern das tun. die rezeption des konsumenten verändert sich und das meißt negativ bzw. oberflächlicher.
..in bezug auf reine onlinevermarktung. Wenn überhaupt, dann nur mit viel Geld für rotations (lastfm etc). Was man im Artikel aber völlig ausser Acht lässt scheint das Zusammenspiel mit den (in meinen Augen viel wichtigeren) Liveauftritten. Wie oft ist es mir schon passiert, ein Konzert zu sehen und mich erst dann im Internet zu erkundigen. Da kann ein ordentlicher Internetauftritt schon helfen.
..in bezug auf reine onlinevermarktung. Wenn überhaupt, dann nur mit viel Geld für rotations (lastfm etc). Was man im Artikel aber völlig ausser Acht lässt scheint das Zusammenspiel mit den (in meinen Augen viel wichtigeren) Liveauftritten. Wie oft ist es mir schon passiert, ein Konzert zu sehen und mich erst dann im Internet zu erkundigen. Da kann ein ordentlicher Internetauftritt schon helfen.
..in bezug auf reine onlinevermarktung. Wenn überhaupt, dann nur mit viel Geld für rotations (lastfm etc). Was man im Artikel aber völlig ausser Acht lässt scheint das Zusammenspiel mit den (in meinen Augen viel wichtigeren) Liveauftritten. Wie oft ist es mir schon passiert, ein Konzert zu sehen und mich erst dann im Internet zu erkundigen. Da kann ein ordentlicher Internetauftritt schon helfen.
@jkob
Das ist absolut richtig, besonders für Musiker, die es selbst versuchen wollen/müssen. Was vielen nicht klar ist: es ist heute keine Wahl mehr, sich für das eine oder andere zu entscheiden. Um finanziell über die Runden zu kommen muss man heute alle Kanäle bedienen und jedes Einkommen mitnehmen, das sich bietet. Dazu gehört neben den Live-Auftritten auch der direkte Verkauf von physischen Produkten wie Merchandise (am bekanntesten: T-Shirts) und CDs nach dem Konzert und digitaler Vertrieb in Form von Downloads, aber auch der Möglichkeit, CD und Merchandise z.B. via Webseite zu verkaufen. Die große Stärke der erwähnten audiomagnet Plattform ist, dass sie alle diese Angebote bündelt und es dem Musiker/der Musikerin ermöglicht diese auf Webseite / Myspace/Facebook Profil oder sonstwo anzubieten und zu verkaufen, ohne dass er oder sie ein eigenes Shopsystem aufbauen muss. Und dieses sog. Player-Widget können sogar Fans in ihr Profil posten und damit Empfehlungsmarketing betreiben - das kommende Thema. Denn die Frage, die @hanghimhigh666 aufwirft ist ja richtig: wie entdecke ich eigentlich neue Musik in diesem Wust, wenn nicht über Empfehlungen meiner Freunde?
Natürlich ist das viel Arbeit, aber der Weg zum Labeldeal wird immer länger und die Label investieren nicht mehr annähernd so freizügig wie früher. Wer mehr will als mal nen Abend für ne Kiste Bier spielen ist heute gezwungen auch Unternehmer zu sein oder zumindest einen Partner zu haben, der das ist.
Hallo, hier schreibt TOMPIGS.COM- Der Manager von ZOE.LEELA und nicht der Marketing Mann der Dame aus Berlin. Was hier in den bereits geposteten Kommentaren angesprochen wurde, haben wir auch versucht in unserem Interview zu vermitteln. ZOE.LEELA befindet sich aktuell auf ihrer ersten erfolgreichen Tournee und kooperiert erfolgreich mit versch. Markenherstelleren. Das Besondere an ZOE.LEELA ist die schnelle autarke Situation,die wir innerhalb von wenigen Monaten erschaffen haben, ohne Marketing. Den DIY Charakter in diesem Artikel abzuwerten finde ich nicht gut,jeder der sich für diesen Weg entscheidet, tut dies bewusst. Besonders wenn es ein Pop affines Thema ist, sollte man bei diesen Gedanken vielleicht mehr reflektieren. Wir zum Beispiel nutzen fast keine Social Media Plattformen,in der Hoffnung dass uns hier genannte und andere Plattformen uns einen sicheren Ablauf simulieren um ggfs. entäuschend wirken. Unser Konzept ist ein Hyprid aus der digitalen und klassischen Welt. Und es funktioniert. Warum? Weil DIY auch Bewegung bedeutet, Ambitionen sich selbst zu positinieren und nicht sich hinter einem möglichen Dispo zu verstecken. Diese "wie verdiene ich Geld" Diskussion ist unglaublich und wurde bestimmt nicht in den 80gern geführt und dennoch haben Musiker aus sozial schwächeren Schichten sich selber aufgegeben um nach langer und harter Arbeit sich etablieren zu können. Darum geht es doch. Herzblut ja oder nein. Diese Vorstufen Recherche ist nicht ZEITgemäss. Danke
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