Musiker & Internet Twittern im AkkordSeite 2/2

Das Talent zur Selbstvermarktung ist nicht jedem in die Wiege gelegt. Der introvertierte Songschreiber Niels Frevert, der bei Tapete Records unter Vertrag ist, freut sich, dass ihm jemand das Marketing abnimmt. Doch auch ein Plattenvertrag ist keine Erfolgsgarantie. Um gekauft und geliebt zu werden, muss die Musik ihren Weg durch die Vertriebskanäle und die Medien zu den Hörern finden.

"Anfangs habe ich versucht, eine Tour für meine Band zu buchen. Es ist mir wirklich schwer gefallen, bei Clubs anzurufen und mich selbst zu verkaufen. Andere können das ganz prima, ich nicht."

Niels Frevert

Heinz Canibol nimmt deswegen lieber nur wenige Künstler unter Vertrag. Er ist ein alter Hase im Musikgeschäft und mittlerweile Betreiber des kleinen aber kommerziell erfolgreichen Labels 105music, das sich eine Nische im Markt gesucht hat: Musik für Erwachsene. Zu seinen Künstlern gehören Annett Louisan, Ina Müller und Stefan Gwildis. Vor dem Erfolg steht ein harter Selektionsprozess und professionelle Vermarktung. Seine Künstler sucht er sich nicht im Netz. "Da schau ich mir die Band lieber mal live an und sehe, wie das Publikum reagiert. Da bin ich näher an meiner Entscheidung als über die Fakten, die mir das Internet liefert."

Leitfaden zur Selbstvermarktung

Die Popakademie Mannheim schreibt derzeit in Zusammenarbeit mit der Selbstvermarktungsplattform Audiomagnet an einem Leitfaden zur Künstlerselbstvermarktung mit Onlinetools. Das Projekt möchte Musikern eine Orientierung bieten, mit welchen Online-Werkzeugen sie an welchem Punkt ihrer Karriere sinnvoll arbeiten können.

Um solch ein Konzert überhaupt spielen zu können, müssen sich Nachwuchsmusiker rühren, Netzwerke aufbauen. Auf der Website Audiomagnet können sie sich einer Zielgruppe präsentieren, selbst vermarkten und zugleich kommerzielle Vertriebswege nutzen. Ob aber aus Tausenden kostenlosen Konzertstreamings irgendwann auch Tausende Konzertbesucher aus Fleisch und Blut werden, die Geld für ein Ticket bezahlen?

Freilich, das Internet macht vieles möglich. Aber den Musiker der Gegenwart stellen diese Möglichkeiten vor ein Problem. Er muss die Wahl treffen, wie er seine eingeschränkten Ressourcen Zeit, Geld, Talent, Kraft und Motivation am effizientesten einsetzt. Ob in der Küche mit Gitarre, auf der Bühne im Club oder sich selbst vermarktend im Internet, eines ist klar: Ohne Netzwerke hat es noch keiner geschafft.

 
Leser-Kommentare
    • jkob
    • 15.06.2010 um 16:39 Uhr

    ..etwa? :) www.zarampoukas.de

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    nicht ganz ernst gemeint aber was sollen 99 "freunde", 4000 clicks und 18 kommentare? und dann eine anmeldung auf xxx social media plattformen. irgendwie verläuft sich das ganze auch furchtbar schnell. halbwertszeit eines songs beim musikinteressierten hörer ist doch heute genau so lang wie ne ampel braucht um von rot auf grün zu springen. mein eindruck... und dazu trägt eben auch diese ganze brutale masse an selbstvermarktenden künstlern bei. ob die industrie jetzt mit einer riesen menge an produkt x überschmwemmt oder künstlern das tun. die rezeption des konsumenten verändert sich und das meißt negativ bzw. oberflächlicher.

    nicht ganz ernst gemeint aber was sollen 99 "freunde", 4000 clicks und 18 kommentare? und dann eine anmeldung auf xxx social media plattformen. irgendwie verläuft sich das ganze auch furchtbar schnell. halbwertszeit eines songs beim musikinteressierten hörer ist doch heute genau so lang wie ne ampel braucht um von rot auf grün zu springen. mein eindruck... und dazu trägt eben auch diese ganze brutale masse an selbstvermarktenden künstlern bei. ob die industrie jetzt mit einer riesen menge an produkt x überschmwemmt oder künstlern das tun. die rezeption des konsumenten verändert sich und das meißt negativ bzw. oberflächlicher.

  1. nicht ganz ernst gemeint aber was sollen 99 "freunde", 4000 clicks und 18 kommentare? und dann eine anmeldung auf xxx social media plattformen. irgendwie verläuft sich das ganze auch furchtbar schnell. halbwertszeit eines songs beim musikinteressierten hörer ist doch heute genau so lang wie ne ampel braucht um von rot auf grün zu springen. mein eindruck... und dazu trägt eben auch diese ganze brutale masse an selbstvermarktenden künstlern bei. ob die industrie jetzt mit einer riesen menge an produkt x überschmwemmt oder künstlern das tun. die rezeption des konsumenten verändert sich und das meißt negativ bzw. oberflächlicher.

    Antwort auf "So in.."
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    • jkob
    • 15.06.2010 um 20:54 Uhr

    ..in bezug auf reine onlinevermarktung. Wenn überhaupt, dann nur mit viel Geld für rotations (lastfm etc). Was man im Artikel aber völlig ausser Acht lässt scheint das Zusammenspiel mit den (in meinen Augen viel wichtigeren) Liveauftritten. Wie oft ist es mir schon passiert, ein Konzert zu sehen und mich erst dann im Internet zu erkundigen. Da kann ein ordentlicher Internetauftritt schon helfen.

    • jkob
    • 15.06.2010 um 20:54 Uhr

    ..in bezug auf reine onlinevermarktung. Wenn überhaupt, dann nur mit viel Geld für rotations (lastfm etc). Was man im Artikel aber völlig ausser Acht lässt scheint das Zusammenspiel mit den (in meinen Augen viel wichtigeren) Liveauftritten. Wie oft ist es mir schon passiert, ein Konzert zu sehen und mich erst dann im Internet zu erkundigen. Da kann ein ordentlicher Internetauftritt schon helfen.

    • jkob
    • 15.06.2010 um 20:54 Uhr

    ..in bezug auf reine onlinevermarktung. Wenn überhaupt, dann nur mit viel Geld für rotations (lastfm etc). Was man im Artikel aber völlig ausser Acht lässt scheint das Zusammenspiel mit den (in meinen Augen viel wichtigeren) Liveauftritten. Wie oft ist es mir schon passiert, ein Konzert zu sehen und mich erst dann im Internet zu erkundigen. Da kann ein ordentlicher Internetauftritt schon helfen.

    Antwort auf "gute musik!!!"
  2. @jkob
    Das ist absolut richtig, besonders für Musiker, die es selbst versuchen wollen/müssen. Was vielen nicht klar ist: es ist heute keine Wahl mehr, sich für das eine oder andere zu entscheiden. Um finanziell über die Runden zu kommen muss man heute alle Kanäle bedienen und jedes Einkommen mitnehmen, das sich bietet. Dazu gehört neben den Live-Auftritten auch der direkte Verkauf von physischen Produkten wie Merchandise (am bekanntesten: T-Shirts) und CDs nach dem Konzert und digitaler Vertrieb in Form von Downloads, aber auch der Möglichkeit, CD und Merchandise z.B. via Webseite zu verkaufen. Die große Stärke der erwähnten audiomagnet Plattform ist, dass sie alle diese Angebote bündelt und es dem Musiker/der Musikerin ermöglicht diese auf Webseite / Myspace/Facebook Profil oder sonstwo anzubieten und zu verkaufen, ohne dass er oder sie ein eigenes Shopsystem aufbauen muss. Und dieses sog. Player-Widget können sogar Fans in ihr Profil posten und damit Empfehlungsmarketing betreiben - das kommende Thema. Denn die Frage, die @hanghimhigh666 aufwirft ist ja richtig: wie entdecke ich eigentlich neue Musik in diesem Wust, wenn nicht über Empfehlungen meiner Freunde?
    Natürlich ist das viel Arbeit, aber der Weg zum Labeldeal wird immer länger und die Label investieren nicht mehr annähernd so freizügig wie früher. Wer mehr will als mal nen Abend für ne Kiste Bier spielen ist heute gezwungen auch Unternehmer zu sein oder zumindest einen Partner zu haben, der das ist.

  3. Hallo, hier schreibt TOMPIGS.COM- Der Manager von ZOE.LEELA und nicht der Marketing Mann der Dame aus Berlin. Was hier in den bereits geposteten Kommentaren angesprochen wurde, haben wir auch versucht in unserem Interview zu vermitteln. ZOE.LEELA befindet sich aktuell auf ihrer ersten erfolgreichen Tournee und kooperiert erfolgreich mit versch. Markenherstelleren. Das Besondere an ZOE.LEELA ist die schnelle autarke Situation,die wir innerhalb von wenigen Monaten erschaffen haben, ohne Marketing. Den DIY Charakter in diesem Artikel abzuwerten finde ich nicht gut,jeder der sich für diesen Weg entscheidet, tut dies bewusst. Besonders wenn es ein Pop affines Thema ist, sollte man bei diesen Gedanken vielleicht mehr reflektieren. Wir zum Beispiel nutzen fast keine Social Media Plattformen,in der Hoffnung dass uns hier genannte und andere Plattformen uns einen sicheren Ablauf simulieren um ggfs. entäuschend wirken. Unser Konzept ist ein Hyprid aus der digitalen und klassischen Welt. Und es funktioniert. Warum? Weil DIY auch Bewegung bedeutet, Ambitionen sich selbst zu positinieren und nicht sich hinter einem möglichen Dispo zu verstecken. Diese "wie verdiene ich Geld" Diskussion ist unglaublich und wurde bestimmt nicht in den 80gern geführt und dennoch haben Musiker aus sozial schwächeren Schichten sich selber aufgegeben um nach langer und harter Arbeit sich etablieren zu können. Darum geht es doch. Herzblut ja oder nein. Diese Vorstufen Recherche ist nicht ZEITgemäss. Danke

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