Jamie Lidell braucht nicht viel, um großen Soul zu machen. Mit einem kleinen Rollkoffer kommt der Engländer zum Termin am Anhalter Bahnhof in Berlin. Nimmt Platz auf einer Parkbank und packt aus: ein paar Kabel, ein Mikrofon, drei analoge Effektgeräte und einen scheppernden Miniatur-Verstärker. Gitarre? Nicht nötig, sein Instrument ist die Stimme. Wollte man seiner Musik eine Farbe geben, so wäre die eindeutig schwarz. Aber welche Rolle spielt das eigentlich.

Gerade hat Jamie Lidell sein Album Compass zusammen mit Beck aufgenommen. Leslie Feist und Chris Taylor haben geholfen. "Alles ist jetzt neu", sagt er im Interview. "Ich habe in New York ein neues Leben angefangen, lebe in einer neuen Beziehung und habe auch musikalisch neu begonnen." Er sei seinem inneren Kompass gefolgt. "Und jedes Mal, wenn ich dem vertraut habe, ist etwas Gutes passiert."

Vor zwei Jahren bezeichnete sich Jamie Lidell als "schizophrenen Dödel" . Heute, mit 36, ist er gelassener: "Ich habe immer noch eine multiple Persönlichkeit, aber ich fühle mich wohler damit. Auf dieser Platte kann man mich in vielen verschiedenen Inkarnationen hören." Das klingt mal, als wären Prince und der junge Michael Jackson in einer Raumkapsel miteinander verschmolzen. Und Motown, klar, das liegt in den Südstaaten, gleich an der Sesamstraße!

Trotz der Treue zum Soul bleibt Jamie Lidell nicht an der süßen, schwülen Oberfläche kleben. Beck und er sind mit der Raspelfeile zu Werk gegangen und haben Compass digitale Kanten und analoge Unschärfen verpasst. Es darf dröhnen und klappern. Wie in der Single The Ring , da wackelt die Parkbank.

Rekorder an!

Jamie Lidellim Konzert: 7. Mai in Köln, 8. Mai in Hamburg, 9. Mai in Berlin, 13. Mai in Kaufleuten (CH)