Noch nicht mal eine Woche ist die WM alt, und schon ist klar, wie der Soundtrack dieses Fußballsommers klingt: Tröööööt. Vuvuzelas sind gut. Denn direkt nach dem Abpfiff des Finales, noch im Stadion, wird das Gebrumm zunächst das grässliche We Are The Champions übertönen. Und in der Erinnerung dann hoffentlich auch all die Lieder, die eigens zur FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 auf den Markt gebracht wurden.

Nie gab es so viel WM-Musik wie diesmal. Brausekonzerne, Autohersteller, Fernsehanstalten, die FIFA selbst und etliche andere Bedürftige – alle haben sie ihre eigene, hochoffizielle Hymne. Sogar eine "offizielle Berliner-Fan-Meilen-Hymne" gibt es.

Mal, wie im Falle von K'naans Waving Flag, sollen die Lieder zum völkerverbindenden Fähnchenwedeln animieren, mal einfach nur zum Saufen und Grölen. Shakira verbreitet die Botschaft: Wir sind jetzt alle irgendwie Afrika. Und bei den meisten anderen, insbesondere den Interpreten aus Deutschland, heißt es: Wir werden Weltmeister. Party, bis der Mannschaftsarzt kommt. Die Musik? Nun ja, sagen wir es so: Es ethnopopt und stadionrockt auf fanmeilengerechte Weise.

Ein Lied, das sich den Feinheiten und dem eigentlichen Reiz des Spiels widmet, ist nicht dabei. Das ist zwar kaum verwunderlich, aber schade. Denn geht es bei einer WM nicht auch ein bisschen um Fußball?

Wir haben deshalb einen musikalischen Weltkader zusammengestellt, einen offiziellen, wenn man so will. Elf zum Teil schon etwas ältere Songs über unvergessliche Flutlichtabende, fast vergessene Brasilianer und das Seelenleben von Schiedsrichtern. Dazu drei Lieder auf der Ersatzbank. Und, als Bonus-Track, ein Stück für alle, die sich weder für Fanmeilen noch für Fußball interessieren. Anstoß!

Die Startelf:

 

Mit der Rückennummer eins: Madix aus Trinidad und Tobago. Die Nationalmannschaft des karibischen Inselstaats wird Soca Warriors genannt – logisch, dass 2006 anlässlich ihrer erstmaligen WM-Qualifikation etliche Soca-Singles aufgenommen wurden. Dies ist nicht die beste, aber die lustigste: Die Tänzer werden dazu aufgefordert, herumzuspringen und die Arme hochzureißen wie ein Torwart. Skurriler agieren nicht mal englische Nationalkeeper.

Keine Ahnung, ob Perez Prado, der König des Mambo, auch ein guter Fußballer war. Auf jeden Fall hatte er eine klare Vorstellung von der Ästhetik dieses Sports. Dynamik, Fintenreichtum, Schnelligkeit, Zug nach vorn – der Mambo del futbol klingt ungefähr so, wie Lionel Messi spielt. Weltklasse.

 

Der inoffizielle Schweizer Beitrag zur WM 1998 ist ein Musterbeispiel für Effizienz und Geradlinigkeit: "Ich hatte den Ball und lief nach vorn, es stand niemand davor. Der Torwart fiel nach links, und ich schoss den Ball nach rechts – ins Tor", singen die Aeronauten. So wird man Weltmeister, wenn auch nur auf dem Bolzplatz. Die Schweizer "Nati" war damals bereits in der Qualifikation gescheitert.