Wagner-Fans im Netz Der Walküren-Tweet

Jedes Jahr pilgern die Wagnerianer nach Bayreuth, um ihrem Meister zu huldigen. Doch was treiben die Fans im Internet, in Foren, Blogs und Netzwerken?

Der Geist Richard Wagners erfüllt die Web-Foren

Der Geist Richard Wagners erfüllt die Web-Foren

Wolfgang Amadeus Mozart hat rund 450.000 Freunde. Da kann Richard Wagner nicht mithalten, er gefällt nur rund 30.000 Personen. Womit Facebook bewiesen hätte, dass der Komponist, dessen Anhänger jetzt wieder in Scharen auf den Grünen Hügel in Bayreuth pilgern, im Internetzeitalter nicht mehr ganz so angesagt ist. Aber was verraten Zahlen schon über das Herzblut, mit dem die Fans ihrem Meister huldigen.

Unzählige haben sich unter seinem Namen in diesem Netzwerk angemeldet. "Wilhelm Richard teilt nur einige seiner Profilinformationen mit allen. Wenn du Wilhelm Richard kennst, füge ihn als Freund hinzu." Wagner zu kennen, welche Ehre!

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Nach der Taufe am 16. August 1813 spielte der Wilhelm für Wagner keine große Rolle. Dass seine Verehrer trotzdem Wert darauf legen, spricht für die Pedanterie der Fans. So schreibt der Betreiber von wilhelm-richard-wagner.de: "Wie ihr alle sicherlich wisst, bin ich ein sehr großer Fan von Wilhelm-Richard Wagner oder auch bekannt unter dem Namen Richard Wagner. Aber so viel Zeit sollte schon sein, damit der richtige Name ausgesprochen wird."

Derzeit erzählt man sich auf Richard, pardon Wilhelm Richard Wagners Facebook-Seite aufgeregt, für welche Konzerte in Bayreuth man Karten bekommen hat, freut sich "schon echt total! So eine Chance! :)", spricht Treffen ab und fragt, ob der Phil diesmal wieder mitkommt. Auch wälzt man Fragen wie diese: "morgen gehts nach bayreuth: endlich karten für generalproben ergattert! bin schon ganz aufgeregt. das kleine schwarze oder lieber dramatisch als walküre?"

Beliebt sind Diskussionen über Zitate des Meisters. Etwa dieses: "Das älteste, echteste und schönste Organ der Musik, das Organ, dem unsere Musik allein ihr Dasein verdankt, ist die menschliche Stimme." Darauf sagt die Userin Michaela: "tja beim ältesten geb ich wagner recht, aber schönsten, da hat er mi ned ghört;-))" Und Ralph: "Na wenn Wagner das sagt, aber warum lässt er dann das Blech so laut blasen und die Sänger damit übertönen... :)" Ehrfurcht klingt anders.

Richard (ohne Wilhelm) Wagner hat auch eine Myspace-Seite, das gehört sich für Musiker so. Sie heißt deutschekomponist . "Herzlichen Willkommen meine liebe Damen und Herren!!!", begrüßt er seine Besucher, wünscht "ein guten Rutsch ins Neujahr". Der Mann ist seit 127 Jahren tot, da kann man seine Muttersprache schon verlernen. Im Hintergrund läuft der Liebestod . Die Karaoke-Ecke ist aus Copyright-Gründen in Deutschland nicht zugänglich. Schade.

Bei allem Spaß: Der Ernst überwiegt in Wagners Netz bei weitem. Das Leitmotiv der Seiten, ob bei Facebook, in Blogs oder in Fan-Foren, ist Information. Wann spielt wer wo was von Wagner? Welche Auftritte überträgt welcher Fernsehsender? Und was macht der britische Komiker Stephen Fry in Bayreuth ? Er berichtet für die BBC. Als Wagner-Fan und Jude setzt er sich ausführlich mit der Wagner-Faszination der Nazis auseinander. Auch sonst sparen die Wagnerianer des Meisters dunkle Seiten nicht aus, diskutieren zum Beispiel seinen Antisemitismus .

Klar, sie stellen auch schräge Videoclips ins Netz. Etwa den aus Karl Ritters NS-Propagandafilm Stukas von 1941. Dort schleppt eine Krankenschwester einen apathischen Kampfflieger erst ins Restaurant Bürgerreuth und dann ins Festspielhaus, denn, so sagt die Schwester zum Arzt: " Es gibt keinen Menschen, der von dort ohne Ergriffenheit weggehen kann. " Stimmt: Ausgerechnet zur Musik der Götterdämmerung erscheinen dem Verwundeten seine Offiziere und Kameraden, er eilt zur Front, weiterbomben. " Should one laugh or cry? ", fragt der Blogger .

Zum Lachen sind die Opernzusammenfassungen auf twitterüblichen 140 Zeichen, die man an #operaplot schicken soll. Die Wettbewerbsbeiträge sind kaum angemessen zu übersetzen. Etwa die Kurzfassung des Rings : " There was a young lady called Fricka Who . . . who . . . *snore* 'Wake up -- it's over.' It's good, I just wish it were quicka. " (Es war eine junge Dame namens Fricka, die.. die... *schnarch* Wach auf – es ist vorbei. Es ist gut, ich wünschte nur, es ginge schneller.) Oder der Fliegende Holländer : " Let me get this straight: unfathomable treasure if I betroth my loopy daughter to a ghost? Deal. She'll meet you by the fjord. “ (Hab ich das richtig verstanden: unvorstellbarer Reichtum, wenn ich meine bekloppte Tochter mit einem Geist vermähle? Abgemacht. Sie trifft dich am Fjord.)

Gar nicht zu übersetzen, weil so vieldeutig schillernd wie der Tristan-Akkord, ist eine, nennen wir sie Äußerung von Karin auf Wilhelm Richard Wagners Facebook-Seite . "SEI ...Seiendes S-EIN..in Wohl-fühl-Ver-änder-ung...für* DICH & ALLE*! ;-) :)...Was DU/Wir Alle♥... sendest.♥..empfängst ♥Du/Wir Alle!:-) Denken wir nicht Liebe,...S-EI-E-N WIR *LIEBE*!:o)...Das Pendel... kommt immer... im gleichen Maße zurück...ALLES strebt zum AUS-GLEICH! ;-) :-)))...Innen wie Aussen! Oben wie Unten! Im Großen wie in Kleinen! ALLESEINSEIN !!! :o)))"

Gibt es ein besseres Schlusswort? Wahrscheinlich schon.

 
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