50 Jahre Beatles "John war ein Macho!"

Love and peace? Da muss Cynthia Lennon lachen. Zu Hause erlebte sie ihren John als eifersüchtigen Egomanen. Ein Gespräch über alte Tage zum 50. Jubiläum der Beatles.

John und Cynthia Lennon 1965 am Londoner Flughafen

John und Cynthia Lennon 1965 am Londoner Flughafen

Cynthia Lennon eröffnetdas Gespräch mit der Frage, ob sie sich eine Zigarette anzünden dürfe.

Cynthia Lennon:All I need is an ashtray .

Frage: Wann haben Sie mit dem Rauchen angefangen?

Lennon: Spät. Ich war immer ein braves Mädchen, bis die Beatles kamen.

Frage: Sie sind John Lennon 1958 zum ersten Mal begegnet?

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Lennon: Ja, ich war 18, und er war 17. Wir studierten beide am Liverpool Art College.

Frage: Liebe auf den ersten Blick?

Lennon: Ich hab’ mich eher gefürchtet vor ihm. Er sah aus wie ein Rocker, wollte schon damals ein Rebell sein. Mein eigenes Leben war ruhig und beschaulich, brav.

Frage: Fasziniert hat er Sie trotzdem?

Cynthia Lennon

Cynthia Lennon, 70, war die Jugendliebe von John Lennon und sechs Jahre mit ihm verheiratet; ihr gemeinsamer Sohn Julian ist auch Musiker geworden. Cynthia hat miterlebt, wie aus Liverpooler Schuljungs plötzlich Weltstars wurden. Sie lebt mit ihrem vierten Ehemann seit vielen Jahren auf Mallorca.

Lennon: Ja, er war wild und anders – und doch hatte er Ähnliches erlebt wie ich. Ich habe meinen Vater mit 17 verloren, er seine Mutter. Ich fand heraus, dass das der Grund war für seine Aggressionen, seinen Schmerz und auch für seinen boshaften, zynischen Humor, den ich nie verstanden habe. Alle anderen konnte er damit zum Lachen bringen, weil niemand sonst gewagt hätte, so zu reden.

Frage: Haben Sie vorher schon Rock’n'Roll gehört?

Lennon: Nein. Mein Bruder war Konzertpianist, als junges Mädchen hab’ ich ihm immer vom Bett aus zugehört, wenn ich schlafen ging und er noch übte. Ich habe in einem Kirchenchor gesungen, meine Mutter und mein Vater traten als Gesangsduo auf. Zu Hause gab es klassische Musik, auch Frank Sinatra, West Side Story . Erst John Lennon brachte Elvis in mein Leben. Heartbreak Hotel .

Frage: Hat er Sie zu Konzerten mitgenommen?

Lennon: Nein, solche Konzerte gab’s damals gar nicht. John hat selber immerzu gespielt. Als er noch Student war, kamen Paul und George oft in der Mittagspause vorbei. Die beiden waren damals noch Schuljungs mit Mützen und Uniformen. Sie hatten ihre Gitarren dabei, haben Fish’n’Chips geholt, sich auf den Boden gesetzt und Musik gemacht.

Frage: Was haben sie gespielt?

Lennon: Buddy Holly und Elvis, so nett und unschuldig. Samstags fand im Keller der Kunstakademie immer ein Jazz-Abend statt. Von dem Moment an, als die Beatles anfingen, gab es dort nur noch Rock’n’Roll. Genauso war es im Cavern ...

Frage: … dem legendären Liverpooler Kellerlokal, in dem die Beatles am Anfang ihrer Karriere regelmäßig auftraten.

Lennon: Die Auftritte fand ich toll! Diesen Schauer zu spüren, wie sich die Nackenhaare aufstellten.

Frage: Ahnten Sie damals, dass die Beatles groß rauskommen könnten?

Lennon: Nein. Sie waren doch noch Teenager, die einfach Musik liebten. Die Nachkriegszeit war hart, niemand hatte Geld, das Leben war recht eintönig. Dann kam die Musik aus den USA im Radio, und es war aufregend, unter der Bettdecke die neuesten Klänge zu hören. Unsere Kindheit war sehr beengt, plötzlich öffnete sich die Welt.

Frage: Wie stellten Sie sich damals Ihre Zukunft vor?

Lennon: Ich bin davon ausgegangen, dass ich einmal die Familie ernähren muss. Deshalb war ich auf der Kunstakademie ziemlich fleißig, ich wollte Lehrerin werden. In der Nacht, bevor ich mein letztes Lehrerexamen machen musste, kam John aus Hamburg zurück. Ich glaube, das war die Nacht, in der Julian gezeugt wurde.

Frage: Sie wohnten noch zu Hause?

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