Sonny Rollins wird 80 Der Glaube an Freiheit, Gerechtigkeit und JazzSeite 2/2

Erst in den neunziger Jahren positionierte sich Sonny Rollins wieder gesellschaftspolitisch. Seine Aufnahme Global Warming wandte sich gegen die Klimapolitik der USA. Die Musik blieb in der Tradition des gemäßigten Modern Jazz und pflegte die Legende. Mittlerweile lebte Rollins in einem Haus in Germantown, zwei Autostunden von New York entfernt, umgeben von Konzertplakaten seiner Auftritte, Fotos und Auszeichnungen.

Seine Auftritte in Deutschland sind bis heute selten, auch weil er pro Konzert 50.000 Dollar Gage verlangt. Doch auch im hohen Alter ist er noch immer der großartige kraftvolle Saxofonist, der bis zu zwanzigminütige, zirkular geatmete Soli bläst. Im Kontrast dazu wirkt das Spiel seiner Band – bestehend aus Freunden und Weggefährten seit vielen Jahrzehnten –  gesetzt und fast monoton in der klassischen Abfolge von Thema, kurzen Soli eines jeden Bandmitglieds, wieder Thema und Ende. Unerreicht sind seine Aufnahmen vor allem aus den Fünfzigern, als er, unbändig in seinem Ideenreichtum, im Jahr mehr als zehn Alben aufnahm.

Die fünf wichtigsten Rollins-Alben

Saxophone Colossus, Prestige 1956

Freedom Suite, Riverside 1958

Sonny Meets Hawk, RCA 1963

Alfie, Impulse 1966

Without a Song: The 9/11 Concert, Milerstone 2005

Weitere Infos zum Geburtstag

Am 10. September spielt Sonny Rollins im New Yorker Beacon Theatre sein Geburtstagskonzert.

Zum Lesen: Sonny Rollins – Improvisation und Protest von Christian Broecking. Das Buch wird auch im Rahmen der ersten Jazzkomm vom 8. bis 10. September in Berlin vorgestellt.

Am 11. September 2001 wurde seine Wohnung evakuiert. Sein Saxofon war das Einzige, was er mitnahm. Wenige Tage später spielte er ein Konzert in Boston, das unter dem Titel Without a Song: The 9/11 Concert erschien. Im selben Jahr erhielt er seinen ersten Grammy für das Album This Is What I Do , gefolgt 2004 von einem Grammy für sein Lebenswerk und 2007 dem renommierten Polar Prize, dem Nobelpreis für Musiker und Künstler. 

Sonny Rollins gründete seine eigene Plattenfirma Doxy Records, benannt nach seiner ersten Komposition, die 1954 auf dem Miles-Davis-Album Bag's Groove erschien. Und er baute die Firma Oleo Productions auf, benannt nach seinem Stück , bei dem Miles Davis erstmals seine Trompete mit der Harmon-Mute-Methode dämpfte.

Mit achtzig Jahren wirft er nun den Blick zurück auf ein Jazzleben, das in Harlem begann, mit Bebop und Drogen, mit Entzug und Diskriminierung, mit Wut und Hoffnung. Auf die Frage, ob es ihm gelungen ist, über diese Verletzungen hinwegzukommen, sagt er: "Ich möchte nicht von Hass zermürbt werden. Ich fühle immer noch diese Wut, sie wird immer ein Teil von meinem Leben sein. Ich habe immer noch die gleichen Gefühle, wenn ich an die Freedom Suite denke und ich wünsche mir immer noch Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Das ist Jazz. Daran glaube ich, und so bin ich."

Vor drei Wochen erhielt Sonny Rollins die Edward Mac Dowell Medaille für seinen "herausragenden Beitrag für die Künste", wie vor ihm Merce Cunningham , Norman Mailer und John Updike . Am 7. September, seinem 80. Geburtstag, wird er die höchste amerikanische Auszeichnung erhalten, die Aufnahme in die American Academy of Arts and Science s .

 
Leser-Kommentare
  1. Wie schön sieht doch ein Saxophon aus und wie abgrundtief hässlich - nein, ich werde dies komische, unschön anzusehende Variante mit "f" nicht ausschreiben.
    Wer sich diesen Schmu wieder ausgedacht hat?
    Jetzt wird aus dem Paragraphen der Para(normale)-Graf. So ein Humbug.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service