Musik 2010 Die Platten des Jahres

Lassen Sie 2010 am Ohr vorüberziehen! Unsere Autoren haben ihre 45 Lieblingsplatten des Jahres zusammengetragen. Pop, Jazz, Techno, Metal, Klassik – Reinhören lohnt sich.

Tipps von Jessica Braun

Freelance Whales: Weathervanes (Zomba/Sony)

Weathervanes von den fünf Freelance Whales zu hören ist, als würde man durch den Schnee stapfen, zu einem Haus voller Kindheitserinnerungen, in dem Freunde mit heißem Kakao warten. Jemand pustet Staub von einer Platte, legt sie auf den Spieler. Zu knispelnden Elektrobeats tanzen alle vor dem Kamin. Die Freelance Whales, eine Indie-Folkband aus New York, sammeln historische Instrumente, und das hört man – glockenhell und knarzig – zwischen Synthesizern und der zarten Stimme ihres Sängers Judah Dadone. Die ähnelt ein wenig der von Ben Gibbard, dem Sängern von Death Cab for Cutie. Wer dessen Projekt The Postal Service mochte, wird die Freelance Whales gerne hören.

The Drums: The Drums (Cooperative Music/Universal)

Gosh, the coolness! The Drums sehen nicht nur so aus, als hätte Marc Jacobs sie für seine nächste Kampagne zusammengestellt – Sehnsucht im Blick, die dünnen Beine in Hochwasserhosen, die schlaffen Schultern in engen Punk T-Shirts und kesse Locken im Gesicht. Sie klingen auch wie eine Band, deren Musik bei Modenschauen gespielt wird, um den Models ein wenig mehr Hüftschwung beizubringen. Ein bisschen Orange Juice , ein wenig The Clash und dabei mitreißend gelangweilt. Mit ihrem Debüt hatten The Drums dann auch sämtliche Musikmagazine im Sack und sich weltweit den Titel Band des Jahres gesichert. Wer das Album trotzdem noch nicht hat: kaufen, den Shelby-Mustang aus der Garage holen, Musik an und losfahren – zur Eiscreme-Bude am Strand. Wrrrrrrrroooam!

Frightened Rabbit: The Winter of Mixed Drinks (ratcat/Rough Trade)

Nördlich des Tweed beginnt ein anderes Land. Hier ist nicht mehr England. Hier kann man den Morgen mit Whisky im Porridge beginnen und behaupten, das helfe gegen das Wetter. Hier sammeln sich an glücklichen Abenden die besten Musiker des Landes um einen Tisch im Pub und bringen selbst den Barkeeper zum Tanzen. Und hier werden Indierockbands wie Frightened Rabbit gegründet, die ihr Schottischsein selbst dann nicht verbergen könnten, wenn man die kehlige Stimme ihres Sängers Scott Hutchison ausblendete. The Winter of Mixed Drinks ist das dritte Album der (mittlerweile) fünfköpfigen Band: Rock und Folk über das Davonlaufen und neuen Mut fassen, zu dem man zu fortgeschrittener Stunde prima im Kreis um den Barhocker wanken kann.

Leser-Kommentare
  1. Ich finde es etwas enttäuschend, dass kein einziger Ihrer Autoren das Album 1983 von Sophie Hunger nennt - für mich klar eines der Highlights des Jahres.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • otomo
    • 28.12.2010 um 11:17 Uhr

    @pool: Das hat vielleicht etwas mit persönlichem Geschmack zu tun? Außerdem steht es dir ja frei hier in den Kommentaren Dein Album des Jahres zu nennen.

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

    • otomo
    • 28.12.2010 um 11:17 Uhr

    @pool: Das hat vielleicht etwas mit persönlichem Geschmack zu tun? Außerdem steht es dir ja frei hier in den Kommentaren Dein Album des Jahres zu nennen.

    Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/wg

  2. ... geschmäcker sind eben verschieden und da hat sophie hunger (mir persönlich unbekannt) nicht in jedem musikschrank etwas verloren..
    ich finde die auswahl gut! vieles neues, experimentelles und weit entfernt von den herkömmlichen best-of-listen.

    • narrot
    • 28.12.2010 um 10:34 Uhr

    "Joanna Newsom ist von dieser Welt, erwachsen, eine ernstzunehmende Künstlerin sowieso. Und sie hat das Album des Jahres gemacht"

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    das diese Beurteilung nicht erst seit dem aktuellem, wohl eingängigstem Album von ihr, entstand. Sie war schon immer ausgezeichnet-aber auch "special"

    mir gefällt es, auch wenn es eher glattgebügelt wirkt- aber es ist gut!

    das diese Beurteilung nicht erst seit dem aktuellem, wohl eingängigstem Album von ihr, entstand. Sie war schon immer ausgezeichnet-aber auch "special"

    mir gefällt es, auch wenn es eher glattgebügelt wirkt- aber es ist gut!

  3. Danke für die Anregungen, itunes sei danke werde ichmir das ein oder andere anhören. Aber dass ich *keine* von 45 Tipps kenne? Ich bin wirklich weit weg vom Puls der Zeit...

  4. 5. oh weh

    Ich kenne keine der CDs. Sind übrigens keine 45... Doppelnennungen sind vorhanden... Ich kenne selbst die Künstler fast alle nicht. Ich glaube, ich bin alt geworden.

    Eine Leser-Empfehlung
    • otomo
    • 28.12.2010 um 11:17 Uhr

    @pool: Das hat vielleicht etwas mit persönlichem Geschmack zu tun? Außerdem steht es dir ja frei hier in den Kommentaren Dein Album des Jahres zu nennen.

    Antwort auf "Sophie Hunger"
  5. Für mich fehlt eindeutig "Chemical Brothers - Further", wohl das am besten produzierte Album des Jahres. Eine weitere Innovation war "ZPYZ - 2080". Hammergeile Songs...

    • Lyaran
    • 28.12.2010 um 12:39 Uhr

    Leider lässt man keine Musiker ihre Lieblinge vorstellen. Bei so manchem was hier zu hören war graut es mir mit meinen jetzt 33 Jahren, in denen ich mich aktiv/passiv mit Musik beschäftige. Aber hey! Haupsache alternativ! Alternativ ist der neue Mainstream.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service