Tipps von Jessica Braun

Freelance Whales: Weathervanes (Zomba/Sony)

Weathervanes von den fünf Freelance Whales zu hören ist, als würde man durch den Schnee stapfen, zu einem Haus voller Kindheitserinnerungen, in dem Freunde mit heißem Kakao warten. Jemand pustet Staub von einer Platte, legt sie auf den Spieler. Zu knispelnden Elektrobeats tanzen alle vor dem Kamin. Die Freelance Whales, eine Indie-Folkband aus New York, sammeln historische Instrumente, und das hört man – glockenhell und knarzig – zwischen Synthesizern und der zarten Stimme ihres Sängers Judah Dadone. Die ähnelt ein wenig der von Ben Gibbard, dem Sängern von Death Cab for Cutie. Wer dessen Projekt The Postal Service mochte, wird die Freelance Whales gerne hören.

The Drums: The Drums (Cooperative Music/Universal)

Gosh, the coolness! The Drums sehen nicht nur so aus, als hätte Marc Jacobs sie für seine nächste Kampagne zusammengestellt – Sehnsucht im Blick, die dünnen Beine in Hochwasserhosen, die schlaffen Schultern in engen Punk T-Shirts und kesse Locken im Gesicht. Sie klingen auch wie eine Band, deren Musik bei Modenschauen gespielt wird, um den Models ein wenig mehr Hüftschwung beizubringen. Ein bisschen Orange Juice , ein wenig The Clash und dabei mitreißend gelangweilt. Mit ihrem Debüt hatten The Drums dann auch sämtliche Musikmagazine im Sack und sich weltweit den Titel Band des Jahres gesichert. Wer das Album trotzdem noch nicht hat: kaufen, den Shelby-Mustang aus der Garage holen, Musik an und losfahren – zur Eiscreme-Bude am Strand. Wrrrrrrrroooam!

Frightened Rabbit: The Winter of Mixed Drinks (ratcat/Rough Trade)

Nördlich des Tweed beginnt ein anderes Land. Hier ist nicht mehr England. Hier kann man den Morgen mit Whisky im Porridge beginnen und behaupten, das helfe gegen das Wetter. Hier sammeln sich an glücklichen Abenden die besten Musiker des Landes um einen Tisch im Pub und bringen selbst den Barkeeper zum Tanzen. Und hier werden Indierockbands wie Frightened Rabbit gegründet, die ihr Schottischsein selbst dann nicht verbergen könnten, wenn man die kehlige Stimme ihres Sängers Scott Hutchison ausblendete. The Winter of Mixed Drinks ist das dritte Album der (mittlerweile) fünfköpfigen Band: Rock und Folk über das Davonlaufen und neuen Mut fassen, zu dem man zu fortgeschrittener Stunde prima im Kreis um den Barhocker wanken kann.