Opernbetrieb : Rolando Villazón wird Regisseur

Der Tenor bereitet sich auf eine zweite Karriere vor. Wegen Stimmproblemen entzog er sich oft dem Druck des Klassikbetriebs, nun inszeniert er Massenets "Werther" in Lyon.

Der Tenor Rolando Villazón wechselt ins Regiefach. An der Oper in Lyon inszeniert er Jules Massenets Werther. Premiere der Neuinszenierung ist am 24. Januar. Der 38-jährige Mexikaner erklärte, er wolle eine tiefenpsychologische Deutung der Massenet-Oper in den Mittelpunkt seiner Inszenierung stellen.

Villazón war vor seiner Stimmbandoperation zuletzt 2009 in Paris selbst als Werther aufgetreten. Wegen einer Zyste auf den Stimmbändern musste er kurz danach Konzerte in New York, London und Berlin absagen. Seine Rückkehr im März 2010 an der Wiener Staatsoper mit Donizettis Liebestrank wurde vom Publikum mit Minuten langem Applaus gefeiert, auch wenn seine Stimme an Volumen eingebüßt hat.

Villazón hatte bereits 2007 eine erste Auszeit eingelegt, weil er sich müde und ausgelaugt fühlte. Der Rummel um seine Person – er galt zusammen mit Anna Netrebko als Traumpaar der Oper – und das anstrengende Bühnengeschäft forderten Tribut.

Nun legt er möglicherweise den Grundstein zu einer neuen Karriere. Lyon freut sich über das Engagement: Villazón kenne den 1892 entstandenen Wether von innen heraus, erklärte das Opernhaus, das nach Paris über das zweitgrößte Budget in Frankreich verfügt.

In den Hauptrollen der Inszenierung sind Arturo Chacón-Cruz als Werther und Karine Deshayes als Charlotte zu sehen. Am Pult steht der in Freiburg geborene Dirigent Johannes Willig. Chacón-Cruz ist einer der großen Aufsteiger der internationalen Opernszene.

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Das sympathische "Stehaufmännchen" Villazón...

Das Musikgeschäft ist knochenhart und wer an der Spitze mitsingen will, muss immer am Limit singen – alles geben. Stimmbandentzünden, Knötchen auf den Stimmbändern oder Zysten können sich Stars nicht leisten, sonst sind sie plötzlich „schnell weg vom Theatervorhang“. Keine Erkältung wird heute mehr auskuriert. Manche Körper verkraften dies auf Dauer nicht, sind der Dauerbelastung des ständigen Stresses nicht gewachsen. Die menschliche Stimme ist nun mal kein Instrument, wie z.B. eine Geige, die eine neue Seite bekommt, wenn diese reißt. Eine alte Stradivari wird noch heute von berühmten Geigern gespielt. Wenn die Stimmbänder stark beschädigt sind, muss man neue Alternativen finden. Wer mit Leib und Seele singt, so auch ich, kann zunächst einmal nachempfinden, welche schwierige Phase nun Rolando Villazón durchlitten hat. Ich spreche aus Erfahrung, da nach einer OP vor einigen Jahren, auch meine Stimmbänder ziemlich beleidigt waren. 8 Wochen konnte ich nicht singen und dachte zunächst, dass ich nie wieder irgendeine Partitur singen könne. Ich hatte großes Glück und meine Stimme kam wieder. Doch habe ich nicht wie Villazòn in jungen Jahren eine Opernkarriere angestrebt, da ich bereits frühzeitig erkannte, dass ich diesem Druck nicht verkraftet hätte.
Ich wünsche dem sympathischen Tenor viel Erfolg bei seiner neuen beruflichen Herausforderung und ich würde mich nicht wundern, wenn wir in Zukunft positive Kritiken über den Regisseur Villazòn hören. ;-)