Dirigent Zubin Mehta"Musiker zeigen ein grünes Gewissen"

Der Dirigent Zubin Mehta blickt über den Rand seines Pultes: Er nutzt die Musik, um für Umweltschutz, Völkerverständigung und Jugendbildung in Indien zu kämpfen. von 

Zubin Mehta auf der Insel South Georgia inmitten von Pinguinen

Zubin Mehta auf der Insel South Georgia inmitten von Pinguinen  |  © Nancy Mehta

ZEIT ONLINE: Herr Mehta, Sie dirigieren an der Berliner Staatsoper ein Benefizkonzert für den Erhalt von Wäldern in Indien. Seit wann interessieren Sie sich für Umweltschutz?

Zubin Mehta: Ich gehöre der Religionsgemeinschaft der Parsen an, die auf Zarathustra zurückgeht. Wir verehren die Elemente und beten für eine saubere Erde, klares Wasser und reine Luft. Das ist Teil unserer Lebensphilosophie. Ich bin in Indien aufgewachsen und habe dort viel Schmutz gesehen. Seit meiner Jugend bemühe ich mich, etwas dagegen zu tun. Als mich Musiker der Staatskapelle fragten, ob ich das Benefizkonzert leiten würde, habe ich voller Freude zugesagt.

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ZEIT ONLINE: Der Impuls ging von Mitgliedern des Orchesters aus, die die Klimaschutzinitiative Orchester des Wandels und die Stiftung NaturTon gegründet haben. Glauben Sie, dass die Verbindung von Musik und Umweltengagement eine internationale Signalwirkung haben kann?

Zubin Mehta
Zubin Mehta

Zubin Mehta wurde 1936 in Bombay geboren. Er studierte Dirigieren an der Wiener Musikakademie. Im Laufe seiner Karriere leitete er alle großen Orchester der Welt und wurde 1981 vom Israel Philharmonic Orchestra zum Musikdirektor auf Lebenszeit ernannt. Seit 1985 ist er Chefdirigent des Maggio Musicale Fiorentino in Florenz. Von 1998 bis 2006 war er Generalmusikdirektor an der Bayerischen Staatsoper in München.

1999 übergab ihm Leah Rabin den Preis für Frieden und Toleranz der Vereinten Nationen. 2008 erhielt er in Japan den Praemium Imperiale, der als Nobelpreis der Künste gilt.

2003 gründete Zubin Mehta in Bombay die Mehli Mehta Music Foundation, die Kinder in Indien an westliche Musik heranführt. Ein Jahr später rief er gemeinsam mit einem Mäzen in Tel Aviv die Buchmann-Mehta Music School ins Leben, um junge israelische Musiker im eigenen Land zu fördern.

Mehta: Wenn die Nachricht in die Welt hinausgeht, dass Musiker in Berlin ein grünes Gewissen zeigen und von sich aus aktiv werden, schließen sich hoffentlich viele andere Künstler der Initiative an.

ZEIT ONLINE: Das Benefizkonzert unterstützt die Umweltorganisation WWF in einem Projekt im östlichen Himalaja. Die Natur in Indien ist stark bedroht. Hängt das damit zusammen, dass das Schwellenland eine so rasante industrielle Entwicklung durchgemacht hat?

Mehta: Ich sehe vor allem das starke Bevölkerungswachstum als Problem. Wenn immer mehr Dörfer zu Städten werden, verschwinden zunehmend Wälder. Im Gegensatz zu China ist Indien ein demokratischer Staat, der den Familien nicht vorschreibt, wie viele Kinder sie haben dürfen. Die demografische Entwicklung wird sich also kaum aufhalten lassen. Indien ist einerseits ein Hightech-Land, andererseits gibt es dort enorme soziale Gegensätze. 800 Millionen der rund 1,2 Milliarden Einwohner können weder schreiben noch lesen.

ZEIT ONLINE: Als Musiker beherrschen Sie eine universelle Sprache. Ist das nicht eine ideale Voraussetzung, um eine große Zahl von Menschen auch für globale Anliegen wie den Klimaschutz zu sensibilisieren?

Mehta: Die Macht der Musik sollte man nie unterschätzen, sie überwindet viele Grenzen. Wenn ich im Nahen Osten vor Juden und Arabern Beethoven aufführe, herrscht am Ende im Saal Frieden. Wir Künstler müssen uns noch stärker dafür einsetzen, dass Menschen, die in Krisensituationen leben, durch Musik zueinander finden.

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