Zubin Mehta auf der Insel South Georgia inmitten von Pinguinen © Nancy Mehta

ZEIT ONLINE: Herr Mehta, Sie dirigieren an der Berliner Staatsoper ein Benefizkonzert für den Erhalt von Wäldern in Indien. Seit wann interessieren Sie sich für Umweltschutz?

Zubin Mehta: Ich gehöre der Religionsgemeinschaft der Parsen an, die auf Zarathustra zurückgeht. Wir verehren die Elemente und beten für eine saubere Erde, klares Wasser und reine Luft. Das ist Teil unserer Lebensphilosophie. Ich bin in Indien aufgewachsen und habe dort viel Schmutz gesehen. Seit meiner Jugend bemühe ich mich, etwas dagegen zu tun. Als mich Musiker der Staatskapelle fragten, ob ich das Benefizkonzert leiten würde, habe ich voller Freude zugesagt.

ZEIT ONLINE: Der Impuls ging von Mitgliedern des Orchesters aus, die die Klimaschutzinitiative Orchester des Wandels und die Stiftung NaturTon gegründet haben. Glauben Sie, dass die Verbindung von Musik und Umweltengagement eine internationale Signalwirkung haben kann?

Mehta: Wenn die Nachricht in die Welt hinausgeht, dass Musiker in Berlin ein grünes Gewissen zeigen und von sich aus aktiv werden, schließen sich hoffentlich viele andere Künstler der Initiative an.

ZEIT ONLINE: Das Benefizkonzert unterstützt die Umweltorganisation WWF in einem Projekt im östlichen Himalaja. Die Natur in Indien ist stark bedroht. Hängt das damit zusammen, dass das Schwellenland eine so rasante industrielle Entwicklung durchgemacht hat?

Mehta: Ich sehe vor allem das starke Bevölkerungswachstum als Problem. Wenn immer mehr Dörfer zu Städten werden, verschwinden zunehmend Wälder. Im Gegensatz zu China ist Indien ein demokratischer Staat, der den Familien nicht vorschreibt, wie viele Kinder sie haben dürfen. Die demografische Entwicklung wird sich also kaum aufhalten lassen. Indien ist einerseits ein Hightech-Land, andererseits gibt es dort enorme soziale Gegensätze. 800 Millionen der rund 1,2 Milliarden Einwohner können weder schreiben noch lesen.

ZEIT ONLINE: Als Musiker beherrschen Sie eine universelle Sprache. Ist das nicht eine ideale Voraussetzung, um eine große Zahl von Menschen auch für globale Anliegen wie den Klimaschutz zu sensibilisieren?

Mehta: Die Macht der Musik sollte man nie unterschätzen, sie überwindet viele Grenzen. Wenn ich im Nahen Osten vor Juden und Arabern Beethoven aufführe, herrscht am Ende im Saal Frieden. Wir Künstler müssen uns noch stärker dafür einsetzen, dass Menschen, die in Krisensituationen leben, durch Musik zueinander finden.