In Nordafrika protestieren Hunderttausende junger Menschen. Sie rütteln nicht nur an den Sesseln totalitärer Herrscher, sie rütteln auch an den falschen Bildern, die sich westliche Beobachter von ihnen gemacht haben. Dritte Welt hin, muslimischer Glaube her – drückt sich hier nicht einfach nur der Mut und Freiheitswille einer jungen Generation aus, die sich als Teil einer Weltgesellschaft begreift?

Die Sängerin Aşa aus Nigeria könnte ihre musikalische Stimme sein. Sie pendelt zwischen Lagos und Paris, singt mal auf Englisch, mal auf Yoruba, einer der vielen Sprachen ihrer Heimat. Doch nach Exotik oder jutebeuteliger Weltmusik klingt sie nie. Ihr Popentwurf wandelt zwischen den Welten, verknüpft modernen Soul mit seinen afrikanischen Wurzeln auf spielerische Weise.

Gerade ist sie mit ihrem zweiten Album Beautiful Imperfection auf Tour. Wir treffen sie im Berliner Postbahnhof kurz vorm Soundcheck. Ein Stück für die Kamera, bitte. Erst stimmt sie das ruhige Preacher Man an, aber ist dies das richtige Lied zur Zeit? Aşa entscheidet sich anders. Sie möchte lieber einen Song mit direkter Botschaft spielen. In Broda olé erzählt sie von einem korrupten Herrscher, den sie schon seit langem beobachtet. Seine Zeit werde kommen, prophezeit sie ihm. Ob sie eine politische Musikerin sei? Ja, zwangsläufig. Dies sei ihr Lied für Ägypten.

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