Tenor Vittorio Grigolo "Wir Sänger sind Hochleistungssportler"
Signor tausend Prozent: Der Tenor Vittorio Grigolo gilt als Nachfolger Rolando Villazóns. Ein Gespräch über die Kunst des Neinsagens und die schönsten Pizza-Arien.
© Sony Music

Vom Pavarottino zum Superstar: der Tenor Vittorio Grigolo
Frage: Signor Grigolo, Sie kommen von draußen. Haben Sie sich Berlin angesehen?
Vittorio Grigolo: Nein, ich war in einer Apotheke. Von den allermeisten Städten kenne ich nur Taxis, Hotels und Apotheken.
Frage: Geht es Ihnen nicht gut?
Grigolo: Das Wetter, das Reisen ... Ich muss auf mich achten. Wir Sänger sind Hochleistungssportler und Zigeuner zugleich.
Frage: Ein harter Job.
Grigolo: Ja.
Vittorio Grigolo wird 1978 in Arezzo in der Toscana geboren und wächst in Rom auf. Er singt im Knabenchor der Sixtinischen Kapelle, wo er auch ausgebildet wird. Mit 13 lernt er Luciano Pavarotti kennen und gibt sein offizielles Bühnendebüt, mit 23 tritt er als jüngster Tenor aller Zeiten an der Mailänder Scala auf. Mit der Einspielung von Bernsteins West Side Story wird er 2009 für den Grammy nominiert, seine Darstellung des Des Grieux an der Seite von Anna Netrebko in Massenets Oper Manon in London 2010 beschert ihm den internationalen Durchbruch. Grigolo ist verheiratet und lebt in Zürich.
Frage: Wie schaffen Sie das?
Grigolo: Ich muss konzentriert bleiben. Ich kann mich nie gehen lassen, weder auf der Bühne noch im Leben.
Frage: Sie gelten bereits als der legitime Nachfolger von Rolando Villazón und Jonas Kaufmann. Gefällt Ihnen das?
Grigolo: Ich denke nicht in Kategorien von Karriere, wenn Sie das meinen. Äußerlichkeiten interessieren mich nicht. Ich habe mein ganzes Leben hart gearbeitet, und es klingt jetzt vielleicht ein bisschen schlicht, aber ich wollte immer nur singen. Ich habe alle meine Kraft und Leidenschaft in den Gesang gelegt, von Anfang an und bis heute. Wäre ich pathetisch, was ich nicht bin, würde ich sagen: Ich habe mein Leben der Musik geopfert.
Frage: Wie groß ist das Opfer?
Grigolo: Groß. Sehr groß. Wenn man jung ist, will man doch tanzen, feiern, trinken, Nächte durchmachen! Das ging alles nicht. In Italien durfte in Restaurants früher geraucht werden, schon das war für mich die Hölle. Heute kann ich wenigstens unbesorgt essen gehen, wenn mir nicht gerade die Klimaanlage ins Gesicht bläst.
Frage: Sind Sänger professionelle Mimosen?
Grigolo: Das wird mir oft gesagt, die Pavarottis und Domingos, die hätten noch gelebt, von Leuten wie Caruso ganz zu schweigen – während wir uns heute an unseren Wasserflaschen festhalten und Pillen schlucken. Früher wurden auch Pillen geschluckt, da bin ich mir ganz sicher. Das Business heute ist unglaublich schnell und unglaublich hart, man darf sich im Grunde keinen Fehler erlauben. Das erhöht den Druck. Ich habe nur eine Chance, wenn ich absolut diszipliniert mit mir umgehe....Aber wer muss heute keine Opfer bringen? Alle müssen es, alle die Erfolg haben wollen. Insofern will ich nicht klagen. Am Ende ist jeder sein eigener Agent und Manager, am Ende hilft dir niemand, keine Agentur, keine Plattenfirma. Ich trage die Verantwortung für mich und meine Stimme ganz allein. Basta.
- Datum 03.03.2011 - 11:16 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Ich will ja nicht meckern und eigentlich ist es mir ja auch ganz egal, aber es ist mir beim Lesen einfach aufgefallen. Irgendwas ist da inkonsistent: "Ich habe mein ganzes Leben hart gearbeitet, und [...] ich wollte immer nur singen. Ich habe alle meine Kraft und Leidenschaft in den Gesang gelegt, von Anfang an und bis heute." Und dann sagt er kurz darauf aber: "Ich bin ein Konstruktionsfanatiker. Ich liebe es zu zeichnen, etwas zu bauen, meine Hände zu benutzen, penibel ins Detail zu gehen."
Seit wann braucht denn Jonas Kaufmann einen Nachfolger? Vielleicht in der Kategorie der Nachwuchssänger? In diese Klasse würde ich jedenfalls Herrn Grigolo einordnen und man kann ihm wünschen, dass er eines Tages wirklich auf so einem hohen Niveau singt wie Jonas Kaufmann. Und im Hinblick auf Rolando Villazon ist die Fragestellung zu diesem Zeitpunkt mehr als peinlich. Leider scheint Herr Grigolo nicht dazu in der Lage zu sein, die passende Antwort darauf zu geben.
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