Frage: Mr. Geldof, Nick Cave steht jeden Morgen um halb sechs auf, es heißt, nur in der Frühe könne er konzentriert arbeiten, und …

Bob Geldof: … das erklärt einiges!

Frage: Sie sind kein Frühaufsteher?

Geldof: Nein. Und vor drei Tassen Kaffee läuft bei mir gar nichts.

Frage: Frühstücken Sie auf englische Art?

Geldof: Eier und Speck – der Nektar der Götter, es gibt nichts Besseres.

Frage: Dazu Sun , Guardian oder Times ?

Geldof: Die Meinungsseiten der Financial Times . Die drucken so viele kluge, bevormundungslose Analysen. Manchmal lege ich mir einen Artikel zur Seite, um ihn später am Tag noch mal zur Hand zu nehmen. Das wirkt auf mich wie eine intellektuelle Ohrfeige.

Frage: Elektrisieren Sie Nachrichten und gutes Essen inzwischen mehr als Musik?

Geldof: Das auch wieder nicht. Es gibt kaum ein anderes Medium, das Gefühle besser kanalisiert als Musik – mal abgesehen von Sprache und Dichtung. Stellen Sie sich doch bloß mal vor: Ich habe eine leise Ahnung von etwas, daraufhin strömen allerlei Chemikalien durch das Gelee …

Frage: Bitte?

Geldof: Mein Gehirn. Das Geräusch, das aus meinem Mund kommt, fließt unmittelbar in Ihr Gelee, und wenn Sie wollen, können Sie darauf reagieren. Das ist verdammt noch mal bizarr und großartig. Sprache wandelt sich permanent, vor allem im Rock'n'Roll.

Frage: Die größte Erfindung der Rock-'n'-Roll-Sprache?

Geldof:A-Wop-Baba-Luba-A-Wop-Bam-Boom . Oder Don't step on my blue suede shoes . Das hat ja gleich mehrere Bedeutungen: 1. Alter, ich hab' Schuhe. Ich bin kein verdammter Bettler. 2. Sie sind aus Wildleder. Ich bin nicht irgendwer, ich hab' Stil. I'm fairly fuckin' cool . 3. Schau genau hin: Sie sind blau. Blau! Ich bin ziemlich verrückt, also leg dich besser nicht mit mir an. 4. Es ist 1956 …

Frage: … 1956 waren Sie ein fünfjähriger Knirps. Wann war der kritische Punkt erreicht, an dem Sie anfingen, auf eine Gitarre zu sparen?

Geldof: Meine erste Gitarre war nur ausgeliehen. Ich bin so schlecht in der Schule gewesen, dass mein verzweifelter Vater mich auf ein Internat geschickt hat. Aber auch dort verhielt ich mich gelinde gesagt unkooperativ, weigerte mich zum Beispiel, am Sportunterricht teilzunehmen. Einer der Jungs aus meinem Schlafsaal, Justin, hatte eine Gitarre, also fragte ich, ob ich sie mir mal ausleihen dürfe. Er stimmte zu, doch das Problem war: Ich bin Linkshänder. Dass ich die Saiten andersherum aufziehe – dagegen hatte Justin dann doch etwas. Aus der Not heraus lernte ich seitenverkehrt und rückwärts spielen. Das mache ich heute noch so.

Frage: Mit welcher Musik haben Sie angefangen?

Geldof: Mein erster Song war Substitute von The Who, weil das schön langsam war. Außerdem greift man das A als Links- und Rechtshänder gleich. Nur das mit dem D und E begriff ich nicht. Dingdedeling, You – think – we – look – pretty – good – togethe r! Ich dachte, fuck , ich klinge wie Pete Townshend. Mich hat vor allem der Blues interessiert. Aber es muss so schräg geklungen haben, dass mich einer der Aufsichtsschüler dafür windelweich geprügelt hat.

Frage:Van Morrison , Ire wie Sie, hat einmal gesagt: "Als ich den Blues zum ersten Mal hörte, hat sich mein Leben verändert."