Rapper Bushido: "Integration kann ich meinen Fans nicht beibringen"
Hausbesuch bei Bushido: Im ersten Teil des Doppelinterviews spricht Deutschlands erfolgreichster Rapper über Jugendgewalt, Islam in Deutschland und seine eigenen Regeln.
© Murat Aslan

Seit zehn Jahren dabei, mittlerweile der erfolgreichste Rapper des Landes: Anis Ferchichi alias Bushido
Ein lauer Abend Ende Mai. Im Berliner Villenviertel Lichterfelde lebt Bushido mit seiner Mutter und drei Labradoren in einem Einfamilienhaus. Am Gartentisch auf der Veranda gibt's Brause und neueste Erkenntnisse aus dem Bereich der ökologischen Hundeernährung.
ZEIT ONLINE:
Sie, Bushido oder Sie, Herr Ferchichi?
Bushido:
Das können Sie sich aussuchen.
ZEIT ONLINE:
Herr Ferchichi, womit sind Sie in Deutschland nicht einverstanden?
Bushido: Ich bin hier sehr zufrieden. Aber natürlich bin ich mit den Steuersätzen nicht einverstanden, trotzdem zahle ich sie ( lacht ). Wenn ich was gelernt habe in Deutschland, dann, dass man mit dem Finanzamt nicht scherzt.
ZEIT ONLINE: Kein Widerstand?
Bushido: Mein Protest besteht darin, dass ich mich selten an die Regeln halte. Ich bin ein Teil des Puzzles, und es ist meine Bürgerpflicht, mich anzupassen. Aber ich glaube, ich kann mir nehmen, was ich brauche, ohne anderen auf den Schlips zu treten oder sie in ihrer Freiheit zu berauben.
ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?
Bushido: Nachts um halb eins ist niemand auf der Straße, da fahre ich nicht 50. Meine Mutter sagt immer: "Du kannst machen, was du möchtest. Du musst aber mit den Konsequenzen leben."
ZEIT ONLINE: Wenn Sie Ihre eigenen Spielregeln haben, welche Werte gelten dann für Sie?
Bushido: Es gibt weltumfassende Grundprinzipien: Alle Menschen sind erst einmal okay, egal wo sie herkommen, egal was sie machen, egal ob sie aufs gleiche Geschlecht stehen.
bürgerlich Anis Ferchichi, wurde 1978 als Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers in Bonn geboren. Sein Künstlername ist aus dem Japanischen entlehnt und bedeutet "Weg des Kriegers". Er wuchs in Berlin auf, seine Mutter war allein erziehend. Nach der 11. Klasse verließ er das Gymnasium und machte – als staatlich erzwungene Maßnahme gegen seine Drogendelikte – eine Ausbildung als Maler und Lackierer. Er war wie die Rapper Sido, B-Tight und Fler beim Label Aggro Berlin unter Vertrag, bevor er 2004 seine Plattenfirma ersguterjunge gründete. Seine Liedtexte werden oft als homophob und frauenfeindlich kritisiert. In den vergangenen Jahren wurde er immer wieder wegen Urheberrechtsverletzungen aufgrund ungeklärter Samples verklagt. Gerade ist sein 13. Album Jenseits von gut und böse erschienen. Bushido gilt als erfolgreichster Rapper Deutschlands.
ZEIT ONLINE: Haben Sie als Sohn eines Tunesiers die Revolutionen im arabischen Raum verfolgt?
Bushido: Ich bin allgemein sehr interessiert, auch an Dingen, die nicht unmittelbar mit mir zu tun haben. Zum Beispiel, dass der US-Haushalt geplatzt ist. Die Vergewaltigungsaffäre mit unserem Kollegen von der Bank fand die Allgemeinheit natürlich interessanter. Und dann Osama bin Ladens Tod...
ZEIT ONLINE: Viele hoffen, dass sich durch die Revolutionen in Nordafrika auch der Islam modernisiert. Was halten Sie davon?
Bushido: Man muss den Islam nicht modernisieren. Wenn man ihn so praktiziert, wie er im Koran niedergeschrieben wurde, hat man keine Probleme. Weder als Frau noch als Mann.
ZEIT ONLINE: Wie oft lesen Sie im Koran?
Bushido: Als ich elf war, hat mich mein Stiefvater in die Koranschule geschickt. Da bin ich drei Jahre gewesen. 98 Prozent meines Freundeskreises gehören dem Islam an. Deshalb ist Religion immer ein großes Thema bei uns. Es hat mich sehr glücklich gemacht, zu sehen, dass sich im arabischen Raum etwas verändert. Aber was passiert danach? Wenn nach dem Diktator ein Diktator kommt, ist das sinnlos.
ZEIT ONLINE: Sie sind in Deutschland geboren. Wie haben Sie Christian Wulffs Worte "Der Islam gehört zu Deutschland" aufgefasst?
Bushido: Ich habe oft mit kranken und behinderten Menschen in meiner Freizeit zu tun. Es ist verletzend, wenn einer sagt: "Du bist krank, ist aber kein Problem." Das finde ich schlimmer, als es schweigend hinzunehmen und den Menschen ganz normal zu behandeln. Durch Wulffs Äußerung habe ich mich als Moslem stärker ausgegrenzt gefühlt als wenn sie nie gefallen wäre.








"Durch Wulffs Äußerung habe ich mich als Moslem stärker ausgegrenzt gefühlt, als wenn sie nie gefallen wäre."
Wie mans macht, macht mans falsch. Die einen kritisieren, der Islam gehöre doch gar nicht zu Deutschland und nun kommt ein Moslem und fühlt sich ausgerechnet von Wulff diskriminiert. Kann mir das mal jemand erklären?
Ich habe ja Verständnis dafür, wenn manche Leute schnell beleidigt sind und Sachen in den falschen Hals kriegen. Aber sie könnten sich ruhig etwas weniger Mühe dabei geben.
Zitat
"Man muss den Islam nicht modernisieren. Wenn man ihn so praktiziert, wie er im Koran niedergeschrieben wurde, hat man keine Probleme. Weder als Frau, noch als Mann."
Soviel zum Thema Integration.
Es gibt so viele gebildete, tolerante und einfach nette Muslime, die ihren Lebensstil nicht in Konflikt sehen mit dem Koran. Wer ein guter Moslem sein will, muss den Koran noch lange nicht so auslegen, wie der Taliban oder die Al Quaida es tut. Diese Menschen zeigen sich oft selbst wütend und auch machtlos gegenüber den Radikalen, wenig sozialen Mitglieder der Religion. Das Schlimmste ist doch, dass das hier in den Medien noch so hochgepuscht wird, dass die sich ständig verteidigen müssen und unter Beweis stellen müssen, das nicht jeder Moslem so ist, wie die, über die die Medien immer berichten.
Sie kennen den Koran nicht, haben ihn noch nie gelesen, wissen nicht worum es geht.
Es gibt so viele gebildete, tolerante und einfach nette Muslime, die ihren Lebensstil nicht in Konflikt sehen mit dem Koran. Wer ein guter Moslem sein will, muss den Koran noch lange nicht so auslegen, wie der Taliban oder die Al Quaida es tut. Diese Menschen zeigen sich oft selbst wütend und auch machtlos gegenüber den Radikalen, wenig sozialen Mitglieder der Religion. Das Schlimmste ist doch, dass das hier in den Medien noch so hochgepuscht wird, dass die sich ständig verteidigen müssen und unter Beweis stellen müssen, das nicht jeder Moslem so ist, wie die, über die die Medien immer berichten.
Sie kennen den Koran nicht, haben ihn noch nie gelesen, wissen nicht worum es geht.
haben sie betreffendes Buch gelesen ??
wirklich mehr als drei zusammenhängende Sätze formulieren, aber die geäußerten Grundeinstellung halte ich für absolut verwerflich: er könne ja eh nichts verändern; die "Trottel" hätten "die Voraussetzungen nicht"; wenn man zwischen den Zeilen läse, gäbe es da "auch andere Dinge".
Da spricht wohl das Geld, das zu holen ist. Und ich habe den Eindruck, dass er sehr wohl seine Rolle für ebendiese "Trottel" reflektieren kann, und sich also bewusst dafür entscheidet, dass eigenes Einkommen besser ist als bestehende Konflikte oder Aggressionen nicht anzustacheln. Denn zum Nachdenken regt seine Musik nur höchstselten an.
... es ist ein bisschen zu leicht, hier mit dem Finger auf "öffentliche Personen" zu zeigen und ihnen anzukreiden, dass sie keinen Heiligenschein tragen. Zumal sein Jargon nicht unbedingt seine Grundeinstellungen widerspiegeln muss.
Jedem vernünftigen Menschen muss klar sein dass Bushido ein kommerzielles Produkt ist. Wenn sie anfangen mit Verantwortung, wo soll das aufhören? Sollen generelle Richtlinien erarbeitet werden, was gestattet ist und was nicht? Leider wird schon viel zensiert, aber wenn man's übertreibt hat man wieder die Debatte um Leitkultur, und im schlimmsten Fall ist dann manches "entartete Kunst".
... es ist ein bisschen zu leicht, hier mit dem Finger auf "öffentliche Personen" zu zeigen und ihnen anzukreiden, dass sie keinen Heiligenschein tragen. Zumal sein Jargon nicht unbedingt seine Grundeinstellungen widerspiegeln muss.
Jedem vernünftigen Menschen muss klar sein dass Bushido ein kommerzielles Produkt ist. Wenn sie anfangen mit Verantwortung, wo soll das aufhören? Sollen generelle Richtlinien erarbeitet werden, was gestattet ist und was nicht? Leider wird schon viel zensiert, aber wenn man's übertreibt hat man wieder die Debatte um Leitkultur, und im schlimmsten Fall ist dann manches "entartete Kunst".
Man muss auch mal die Betroffenen zu Wort kommen lassen, die mit Wulfs Äußerung weiter leben müssen. Wenn man ausdrücklich drauf hinweisen "muss", der Islam gehört zu Deutschland, weil......dann muss ja was im Argen liegen. Damit bekämpft man aber nicht die Ursache.
...jemandem der dazugehört braucht man nicht ständig sagen, dass er dazugehört -er tut es einfach.
wenn 5 freunde miteiander durch die straßen ziehen und man nur einem der 5 immer sagt "du gehörst auch dazu" muß dieser doch denken, "warum sagen die mir das ständig-soll ich mich dafür bedanken und verneigen" oder "warum sagen die das ausgerechnet mir?" "tue ich es etwa nicht?"
Dito!
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag
...dass sich jemand ernsthaft auf diese verquere logik einlassen kann; wenn das stimmte, dann würde man es den migranten NIE recht machen können.
wann begreift die mehrheitsgesellschaft endlich, dass gerade von muslimen immer wieder ein opfer-diskurs aufgezwungen wird? wann hört die mehrheitsgesellschaft endlich auf, sich ständig selbst anzuklagen für das, was gerade bei der muslimischen integration schief läuft?
ich bin dafür, die dänischen einwanderungsgesetze auch in deutschland einzuführen. es gibt genug migranten, die es aufgrund ihrer qualifizierung, ihres integrationswillens oder weil sie politisch verfolgt sind verdienen, in unser land geholt zu werden.
warum lassen wir es stattdessen zu, dass die familiennachzugsregelung ausgenutzt wird?!
wie gesagt, all das ist unfassbar und nur noch mit pathologischen kategorien zu erklären (schuldkomplex bzw. wunsch, opfer zu sein)...
Dito!
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag
...dass sich jemand ernsthaft auf diese verquere logik einlassen kann; wenn das stimmte, dann würde man es den migranten NIE recht machen können.
wann begreift die mehrheitsgesellschaft endlich, dass gerade von muslimen immer wieder ein opfer-diskurs aufgezwungen wird? wann hört die mehrheitsgesellschaft endlich auf, sich ständig selbst anzuklagen für das, was gerade bei der muslimischen integration schief läuft?
ich bin dafür, die dänischen einwanderungsgesetze auch in deutschland einzuführen. es gibt genug migranten, die es aufgrund ihrer qualifizierung, ihres integrationswillens oder weil sie politisch verfolgt sind verdienen, in unser land geholt zu werden.
warum lassen wir es stattdessen zu, dass die familiennachzugsregelung ausgenutzt wird?!
wie gesagt, all das ist unfassbar und nur noch mit pathologischen kategorien zu erklären (schuldkomplex bzw. wunsch, opfer zu sein)...
Wenn der Mann tunesische Wurzeln hat,warum wird er dann zu den Integrationsproblemen junger hier geborener Türken befragt?
Frage ich in Zukunft also Holländer wenn ich etwas über Spanier in Erfahrung bringen möchte?
Jaja,ich weiß.Im Interview ist die Rede von Muslimen.Wer sich aber ein bisschen zwischen den Zeilen liest,der erkennt,daß Jugendliche türkischer Abstammung gemeint sind.
Dito!
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