Eric Burdon zum 70.The Man Of The Rising Sun

Ohne Eric Burdon & The Animals wäre die Rockgeschichte anders verlaufen. Der Kalifornier verhalf der elektrischen Gitarre zum Durchbruch. Gratulation zum 70. Geburtstag! von Christian Schröder

Eric Burdon im letzten Jahr bei der 25sten Annual Rock And Roll Hall of Fame Induction Ceremony in New York.

Eric Burdon im letzten Jahr bei der 25sten Annual Rock And Roll Hall of Fame Induction Ceremony in New York.   |  © Michael Loccisano/Getty Images

Wie aus einem Folksong Rock'n'Roll werden kann, dafür ist The House Of The Rising Sun ein gutes Beispiel. Die Melodie geht auf ein Stück aus dem 17. Jahrhundert zurück, der Text handelt von einem Bordell.

Die Animals brauchten 1964 nur einen Take und zehn Minuten, um den Song aufzunehmen, der ihr größter Erfolg werden sollte. Er eroberte weltweit die Hitparaden, verschaffte der Band eine triumphale Tournee durch die USA und öffnete dem Sänger Eric Burdon "die Türen zu meinen wildesten Träumen". Als Bob Dylan, so geht eine berühmte Anekdote, das Lied zum ersten Mal im Autoradio hörte, stoppte er seinen Wagen, stieg aus, hämmerte mit der Faust auf den Kotflügel und brüllte: "elektrisch, elektrisch!" Bald darauf sollte er seine Gitarre in einen Verstärker stöpseln.

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Ohne The House Of The Rising Sun wäre die Geschichte der Rockmusik anders verlaufen. Allerdings war auf dem Label der Single nicht genug Platz für alle Namen, deshalb wurde für das von der Band gemeinsam erarbeitete Arrangement nur der Organist Alan Price eingetragen. Er kassierte Millionen, die anderen gingen leer aus. "Wir wurden nach Strich und Faden beschissen", empörte sich Burdon noch Jahrzehnte später in seiner Autobiografie.

Der Sänger stammt aus der nordenglischen Hafenstadt Newcastle, wo die allerneusten Bluesplatten aus Amerika schon ankamen, bevor irgendjemand in London von ihnen auch nur gehört hatte. Bevor Burdon die Animals gründete, war er mit dem Blues-Pionier Alexis Korner aufgetreten. Er studierte an der Kunsthochschule von Newcastle und entwarf die Inneneinrichtung des Club A Go Go, wo seine Band im Vorprogramm von John Lee Hooker und der Rolling Stones spielte. "Wir wurden durch die Weltgeschichte gejagt, um zu touren, und das Geld floss in Strömen – ins Bermudadreieck", erzählte er später verbittert. 1966, nach weiteren Hits wie Don't Let Me Be Misunderstood und We Gotta Get Out Of This Place, gingen die Animals im Streit auseinander.

Burdon hat eine tiefschwarze Soul- und Bluesstimme, man feierte ihn als "white Negro". 1966 zog er nach San Francisco: "Ich wollte kein Amerikaner werden, aber ich wollte Kalifornier werden." Später kaufte er sich ein Haus in Los Angeles, in der Nachbarschaft von Joni Mitchell, David Carradine und Frank Zappa und entdeckte die Drogen: "Mein erster LSD-Trip hat einen neuen Menschen aus mir gemacht, und seither sehe ich die Welt in einem anderen, befreiten Licht".

Mit den schwarzen Musikern der Band War nahm er zwei der besten Alben seiner Karriere auf: Eric Burdon Declares War und The Black Man's Burdon. Südkalifornien ist seither der Lebensmittelpunkt des Sängers geblieben, auch wenn er ein paar Jahre in Hamburg und Spanien wohnte. "Ich bin kein Musiker, ich bin ein Instrument. Ich spiele kein Instrument, ich bin Musik", sagt er. Heute wird Eric Burdon 70 Jahre alt. 

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
    • TDU
    • 11. Mai 2011 10:27 Uhr

    Eben ein Klassiker mit klassischem Aufbau mit Intro und die Orgel als genau passenden schnörkellosen aber dramatisierenden Höhepunkt eingesetzt. Drei Strophen, Schlussakkord und Ende.

    Ums Geld sollte er sich weniger Sorgen machen. Keiner, auch er nicht musste meiens Wissens den Erfindern ihrer Musik, den Schwarzen, Tantiemen zahlen.

    Er singt es selbst in "Song of Bo Diddley". Als Bo Diddley in den Club of Go Go= in Newcastle kam und zur Musik feststellte: "The greatest Robbish I`ve ever heard"

    • Narses
    • 11. Mai 2011 11:12 Uhr

    Ein fürchterlicher Song, aber der Anfang einer jeden Gitarristenkarriere.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TDU
    • 11. Mai 2011 14:07 Uhr

    Bleiben Sie mal ruhig. Als Alternativentwurf zur Wohlstandsgesellschaft so schonfärberisch wie realistisch.

  1. warum Dylan so reagiert hat: er hat denselben Song 3 Jahre vorher, auf seinem ersten Album, veröffentlicht - natürlich un-elektrisch.

    • TDU
    • 11. Mai 2011 14:07 Uhr

    Bleiben Sie mal ruhig. Als Alternativentwurf zur Wohlstandsgesellschaft so schonfärberisch wie realistisch.

    • k2
    • 11. Mai 2011 15:22 Uhr

    Brian Auger wurde wieder bedeutend für Erich Burdon
    auf der Hammond-Orgel und als "Funk"-Klavierspieler,
    ein metronomisch determinierter Taktschritt, wonach
    alle klassischen Mozartklavierkonzerte klarer tönen,
    denn Mozart hatte für meine Ohren öfters geschlafen.

  2. Eric Burdon wird meiner Meinung nach überschätzt. Zwei Songs sind mir im Gedächtnis geblieben, eben jenes Cover vom House of the Rising Sun und Monterey. Nicht gerade die Animals waren eine Band die enormen Einfluss auf andere Künstler nahmen, sie waren schlicht zur rechten Zeit zur Stelle. Spätere Alben sollen ja wirklich gut sein, dies mag ich nicht zu beurteilen, jedoch zu behaupten dieser Song sei ein Wegbereiter für die Rockmusik gewesen, der vergisst die Bluesinterpreten wie Howlin Wolf, Muddy Waters, Bo Diddley und nicht zu vergessen die ganzen Deltabluesveteranen wie z.B. Son House. Alle Künstler, auch die englischen, die bald zur Invasion ansetzten, bauten auf dem Blues ihre Musik auf. Burdon ist wichtig, aber bitte stellen Sie ihn nicht höher als er ist.

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  • Schlagworte Bob Dylan | Band | Bordell | David Carradine | Frank Zappa | Inneneinrichtung
  • Der Autor Diedrich Diederichsen

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