Jazzer Raphael Gualazzi Italiens Kandidat veredelt den ESC
Paolo Conte und Jamie Cullum in einer Person: Italien wagt eine Rückkehr in die ESC-Gemeinde, ausgerechnet mit dem charmanten, jazzenden Außenseiter Raphael Gualazzi.
© Beats International

Spielt lieber Klavier als mit der TV-Fernbedienung: der Italiener Raphael Gualazzi
Georgia on my mind war einer der größten Hits von Ray Charles – und einer seiner langsamsten. Wenn hingegen Raphael Gualazzi Giorgia interpretiert, kennt das Tempo keine Grenzen: Dann wird aus dem 1930 komponierten Song ein furioser Ragtime, dazu singt Gualazzi mit rauer Stimme, wütet mit seinen Händen über der Tastatur, wie ein Teenager auf einer Überdosis Espresso. Kurz vor dem Ende springt er vom Klavierhocker, läuft – einen hohen Ton summend, die Augen geschlossen – auf der Bühne umher, um schließlich mit aller Wucht den Schlussakkord in die Tasten zu hauen.
Der beeindruckende Auftritt im Mailänder Blue Note ist komplett auf Youtube zu sehen, und wer Gualazzi hier zum ersten Mal begegnet, wird überrascht sein von der Energie und Ausgelassenheit, vom Kompositionstalent des 29-Jährigen. Seine Songs auf Italienisch und Englisch wandern zwischen Blues, Soul und Funk hin und her, mal hört man Fats Waller im Hintergrund tapsen, mal erinnern die Harmonien an Ramsey Lewis. Stücke wie Lady O. oder Out of my mind warten mit kräftigen Hooklines auf, wie sie – vielleicht mit Ausnahme von Jamie Cullum – schon länger kein Jazzer mehr erfunden hat. Auf seinem aktuellen Album Reality and Fantasy zeigt sich Gualazzi auch Club-Beats gegenüber offen: Gilles Peterson, der für seinen guten Musikgeschmack bekannte DJ der BBC, produzierte zum Titelsong einen charmanten Remix.
In Deutschland ist Gualazzi bislang noch nicht aufgetreten, doch ein Publikum findet sich spätestens innerhalb dieser Woche. Am Samstag tritt er beim Eurovision Song Contest für Italien auf. Sein Song Madness of Love/Follia d'Amore, den er kompromisshalber in etwas albernem Italo-Englisch vorträgt, ist eine swingende Liebeshymne. Sie bringt zusammen, was den Jazz-Neuling aus dem norditalienischen Städtchen Urbino ausmacht: seinen Humor, die kindische Verspieltheit, den Bezug zum schmachtenden Gesang der Cantautori, dazu der schaukelnde Pianobass und ein entzückender Bläsersatz.
"Ich habe mit neun Jahren angefangen Klavier zu spielen und mit 14 klassische Musik am Konservatorium studiert", berichtet Gualazzi über seine Anfänge. Gemeinsam mit Kommilitonen spielte er in Rockbands Musik von Led Zeppelin und Deep Purple – kehrte aber immer wieder zu den Jazz-Standards zurück. "Mich haben die Wurzeln von Blues und Jazz interessiert, ich habe mich viel mit Musikern wie Roosevelt Sykes oder Robert Johnson beschäftigt." Gualazzi versuchte sich selbst im Schreiben und Spielen im alten Stil und entdeckte dabei seine Vorliebe für die zehner bis vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. "Ich stieß auf Art Tatum, Fats Waller, Mary Loo Williams und die Ragtime-Spielart des Stride Piano. Das war Musik, wie ich sie selbst auch gespielt habe."
Im Interview spricht er viel über die frühe Jazztradition in Italien, den Swing-Sänger Natalino Otto oder den Gitarristen Lino Patruno, auch die Namen der US-Stars Louis Prima, Frank Sinatra und Dino Crocetti alias Dean Martin fallen, allesamt Söhne italienischer Einwanderer. In Italien, sagt Gualazzi, habe der Jazz nach Bebop und Hardbop deutlich an Popularität verloren: "Die Musik hat sich zu schnell weiterentwickelt, die Leute sind irgendwann nicht mehr mit den Musikern mitgekommen."
Gualazzi kehrt auf seine Weise zurück zu den musikalischen Wurzeln, entwickelt aus der Tradition heraus seine Varianten von Rhythm and Blues bis Soft-Jazz – und langsam aber sicher wächst die Fangemeinde. Erst machte sein Fleetwood-Mac-Cover Don't Stop in einem italienischen Werbespot die Runde, dann toppte er in Frankreich die iTunes-Charts mit Behind the Sunrise, inzwischen ist er mit seinem Album auch in den italienischen Top Ten angekommen.
- Datum 10.05.2011 - 14:59 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Lena hat den ESC gründlich verändert. Plötzlich kommen aus allen Ecken ungewöhnlich und unübliche Kandidaten und Kandidatinnen. Man wird mutig und vielseitig. Das finde ich gut, auch wenn es bedeuten könnte, das Lena schlechtere Chancen auf einen Erneuten Gewinn hat. Der ESC hat auf jeden Fall von ihr profitiert.
Nun, der Mann ist auf jeden Fall ein talentierter und bemerkenswerter Musiker. Jazz ist allerdings keine Jedermann-Musik, ob er im ESC damit ankommt wird sich dementsprechend zeigen.
Ich persönlich mag die Musik nicht, ich bin einfach kein Jazz-Fan - aber so hat halt jeder seinen eigenen Geschmack.
PS: Lena? Also ich fand das Lied unglaublich langweilig... aber anscheinend gefällts den ESC-Fans. Auch hier ist es eben eine Geschmacksfrage.
Aber Lena eben nicht. Millionen haben sich in sie "verliebt". Ihre Art aus Scheiße, einfach nur durch ihre Art und Weise, soviel zu machen, hat imponiert. Sie hat den ESC nicht wegen dem Lied gewinnen, sondern wegen folgenden Faktoren: Weil Sie selber als Objekt der optischen und menschlichen Begierte ist(daher "verliebt")und weil das Lied durch sie vorgetragen eine Ausnahme im ESC war. Daraus ergibt sich, so sehe ich das, eine größer Vielfalt in diesem Jahr. Die Leute sind mutiger und trauen sich besondere Menschen zu schicken. Ich hab den Grad Prix nie verfolgt. Erst seit Lena. Dieses Mal glaube ich sehe ich ihn sogar seiner selbst wegen.
Aber Lena eben nicht. Millionen haben sich in sie "verliebt". Ihre Art aus Scheiße, einfach nur durch ihre Art und Weise, soviel zu machen, hat imponiert. Sie hat den ESC nicht wegen dem Lied gewinnen, sondern wegen folgenden Faktoren: Weil Sie selber als Objekt der optischen und menschlichen Begierte ist(daher "verliebt")und weil das Lied durch sie vorgetragen eine Ausnahme im ESC war. Daraus ergibt sich, so sehe ich das, eine größer Vielfalt in diesem Jahr. Die Leute sind mutiger und trauen sich besondere Menschen zu schicken. Ich hab den Grad Prix nie verfolgt. Erst seit Lena. Dieses Mal glaube ich sehe ich ihn sogar seiner selbst wegen.
Aber Lena eben nicht. Millionen haben sich in sie "verliebt". Ihre Art aus Scheiße, einfach nur durch ihre Art und Weise, soviel zu machen, hat imponiert. Sie hat den ESC nicht wegen dem Lied gewinnen, sondern wegen folgenden Faktoren: Weil Sie selber als Objekt der optischen und menschlichen Begierte ist(daher "verliebt")und weil das Lied durch sie vorgetragen eine Ausnahme im ESC war. Daraus ergibt sich, so sehe ich das, eine größer Vielfalt in diesem Jahr. Die Leute sind mutiger und trauen sich besondere Menschen zu schicken. Ich hab den Grad Prix nie verfolgt. Erst seit Lena. Dieses Mal glaube ich sehe ich ihn sogar seiner selbst wegen.
Ihre Lobeshymne auf den italienischen ESC-Beitrag finde ich absolut gerechtfertigt. Raphael Gualazzi ist jung, frisch, neu. Seine Songs machen Lust auf Sommer, Leben und natürlich Italien.
Durch ihren Text habe ich sofort Blut geleckt und mir alle seine Lieder angehört. Ich bin absolut begeistert und überzeugt davon, dass es Lena dieses Jahr sehr schwer haben wird, ihren Titel zu verteidigen!
Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/cs
Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/cs
Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/cs
Es wird wieder Musik beim Grand Prix de ..., ach so, ESC gespielt. Und Raphael Gualazzi dürfte der einzige dort sein, der etwas mit Musik zu tun hat. Der Rest ist austauschbarer Plastik-Pop und Titten. Und nein, das ist keine Geschmackssache!
Der Mann hat dem ESC gründlich gezeigt, dass das Sing-Sang vergangener Jahre völlig unzeitgemäß geworden ist. Wo Lena im letzten Jahr die Meßlatte angesetzt hatte, wurde sie hier nochmals aufgestockt. Ein verdienter zweiter Platz für einen echten Musiker und meinen Favoriten von der ersten Minute.
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