DJ A-Trak "Barbra Streisand ist größer als ich"

Vor- und Nachname einer Sängerin genügten, um DJ A-Trak und sein Projekt Duck Sauce weltweit bekannt zu machen. Im Interview erklärt er das Geheimnis seines Hits.

Einer der beiden Duck-Sauce-Köche: DJ A-Trak

Einer der beiden Duck-Sauce-Köche: DJ A-Trak

ZEIT ONLINE: Herr Macklovitch, wir müssen über Barbra Streisand reden! Das war ein riesiger Hit, den Sie im vergangenen Herbst zusammen mit Armand van Helden unter dem Projektnamen Duck Sauce veröffentlicht haben. Sind Sie jetzt berühmt?

A-Trak: Barbra Streisand ist größer als ich (lacht). Millionen Menschen kennen diesen Song, ohne unbedingt zu wissen, dass ich als A-Trak die eine Hälfte des Produzentenduos bin. Dieser Song ist größer als eine Person, er hat quasi sein eigenes Leben. Und er hat viel für mich getan.

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ZEIT ONLINE: Wie erklären Sie sich den Erfolg des Songs?

A-Trak: Am liebsten mag ich an dem Track, dass er keiner Formel folgt. Es gibt so viel Musik in den oberen Chart-Regionen, denen ein gewisses Schema zu Grunde liegt. Als Armand und ich Barbra Streisand gemacht haben, haben wir nicht gesagt, "Lass uns einen Nummer-Eins-Hit produzieren". Wir fanden den Track einfach wahnsinnig komisch. Wir dachten, dass da entweder etwas Geniales oder ziemlich Bescheuertes herauskommt. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lachen. Der Song hat keinen Text. Über dreieinhalb Minuten ändert er sich nicht. Warum langweilt sich der Hörer nicht nach 30 Sekunden? Ich weiß es nicht. Dass der Track trotzdem die Spitze erreicht hat – das ist das Größte für mich.


ZEIT ONLINE:
Schaut man Ihnen beim Auflegen zu, erkennt man eine große Liebe zum DJ-Handwerk. Wie wirken sich neue Technologien auf Ihre Originalität aus?

A-Trak: Es gibt eine Menge neuer Technologien und Werkzeuge, die DJs heute nutzen können. Früher bestand das klassische DJ-Setup aus Plattenspielern und einem Mixer. Heute kann man auch mit einem Laptop Musik mischen. Man kann Effektgeräte und Looper einsetzen und die verschiedenen Beats mit einem Programm einander anpassen. Das vereinfacht die Arbeit eines DJs, ist auch eine notwendige Evolution. Denn irgendwann hatten DJs wirklich alles im klassischen Setup ausgeschöpft.

ZEIT ONLINE: Ist digital besser als analog?

A-Trak

Als Alain Macklovitch wurde er 1982 im kanadischen Montreal geboren. Anfang der Neunziger entdeckte er den Hip-Hop für sich und machte den Plattenspieler zu seinem Instrument. Nach zahlreichen DJ-Battles wurde er zum jüngsten Sieger der DMC World DJ Championship. Seinen Titel hat er bisher fünfmal verteidigt. 1997 gründete er mit seinem Bruder die Plattenfirma Audio Research, 2007 folgte das Label Fool’s Gold. 2004 begleitete er Kanye West auf Tour. Unter dem Namen Duck Sauce feierte er im vergangenen Herbst weltweit Erfolge.

A-Trak: Ich bin zwar mit dem Turntablism verheiratet und scratche Platten mit der Hand. Aber ich bin fasziniert zu sehen, was einige DJs mit speziellen CD-Playern (CDJs genannt) anstellen. Diese mechanische Exaktheit ist mit Plattenspielern nicht zu erreichen. Der technologische Fortschritt erlaubt ein viel komplexeres Mixing. Wenn beispielsweise Boys Noize mit drei CDJs Loops und mit einer extremen Tonhöhenänderung von plus oder minus 50 Prozent arbeitet, um bestimmte Übergänge zu erzeugen, während er drei Songs ineinander mischt – da merkt man, wie die technische Entwicklung eine künstlerische Entwicklung ermöglicht.

ZEIT ONLINE: Aber Sie bleiben bei den alten Leisten?

Alain Macklovitch alias A-Trak auf dem Sónar Festival in Barcelona

Alain Macklovitch alias A-Trak auf dem Sónar Festival in Barcelona

A-Trak: Ich bin definitiv nicht gegen solche Technologien. Ich benutze sie ja teilweise selbst. Allerdings herrscht mittlerweile eine Übersättigung, es gibt zu viel von alledem. Die Besten, Kreativsten und Originellsten werden sich durchsetzen. Für mich als Label-Betreiber und DJ ist diese Zeit toll. Ein Tag hat nicht so viele Stunden, um all die neue Musik zu hören.

ZEIT ONLINE: Haben Sie auch ein klassisches Musikinstrument gelernt?

A-Trak: Mein älterer Bruder Dave spielte Gitarre, da wollte ich auch ein Instrument lernen. Also nahm ich Klavierstunden, etwa vier Jahre lang, bis ich zwölf war. Ein Jahr später begann ich mit dem Scratchen. Es war eine Art Reaktion auf den Klavierunterricht. Ich hatte keine persönliche Beziehung zu diesem Instrument: zu viel Arbeit nach Büchern und zu viel Wiederholung. Ich konnte nicht improvisieren.



ZEIT ONLINE:
Der Plattenspieler eröffnete Ihnen eine neue Welt?

A-Trak: Ja, als ich mit dem Scratchen begann, war das super aufregend. Der Plattenspieler fühlte sich an wie mein Instrument, sehr innig. Plötzlich war ich frei. Ich konnte einen Trompetensound scratchen und ein Trompeter sein. Oder Schlagzeug-Geräusche so scratchen, dass ich mich wie ein Drummer fühlen konnte. Es gab keine bestimmte Methode, diese Techniken zu erlernen; es war ein Puzzle, das es zu lösen galt. The Pharcyde, De La Soul, A Tribe Called Quest, KRS-One – all das Zeug, das 1994 erschien, begeisterte mich für den Hip-Hop. Ich hörte unglaubliche Scratchings und wollte ihre Muster entschlüsseln. Das packte mich und entwickelte sich zu meiner Leidenschaft.

ZEIT ONLINE: Mittlerweile betreiben sie das Label Fool’s Gold. Halten Sie Hip-Hop die Treue?

A-Trak: Fool's Gold ist an kein Genre gebunden. Mit jedem neuen Künstler erweitern wir unser Spektrum. Am Anfang wollten wir elektronische Musik mit Rap verknüpfen. Mittlerweile haben wir weitere Bands unter Vertrag genommen, wie The Suzan – ein paar japanische Mädels, die Corky-Pop-Garage-Rock-Zeug machen. Unsere Ohren sind unser Kompass.

Studenten berichten vom Sónar Festival

Medienkunst-Studenten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe berichten für ZEIT ONLINE in Wort und Film vom Sónar in Barcelona. Das dreitägige Festival dauerte vom 16. bis zum 18. Juni 2011. Sónar ist die bedeutendste Veranstaltung für elektronische Musik und Medienkunst in Europa.

ZEIT ONLINE: Haben Sie eine Botschaft?

A-Trak: Ich hoffe, ich kann andere Leute ermutigen, nicht den bekannten Formeln zu folgen, um einen Hit zu landen. Sie sollten einfach versuchen, etwas Verrücktes zu machen. Vielleicht wird es eingängig genug, sodass jeder es lieben wird.

ZEIT ONLINE: Was haben Sie als Nächstes vor?

A-Trak: An diesem Punkt meiner Karriere habe ich viel mehr Möglichkeiten als zuvor. Lange habe ich mich nur innerhalb meiner Szene bewegt und manch lukrative Geschäftsoption abgelehnt. Dafür war die Zeit noch nicht reif. Mittlerweile mache ich Shows in Las Vegas und eine eigene Radiosendung. Zudem werde ich einen Laden in Brooklyn eröffnen.

ZEIT ONLINE: Vom Musiker zum Geschäftsmann?

A-Trak: Geld interessiert mich nicht besonders. Ich mache diese Dinge nur, weil ich dabei keine Kompromisse mehr eingehen muss. Jetzt kommen die Leute zu mir und wollen mit mir zusammenarbeiten. Ich bin froh, dass ich lange darauf gewartet habe.

 
Leser-Kommentare
  1. Es ist durchaus in Ordnung, ein Lied zu "covern" und damit Geld zu machen, aber es ist auf keinen Fall in Ordnung so zu tun, als ob man das Lied alleine (mit dem Freund) erstellt hätte.

    Das Original:
    http://www.youtube.com/wa...

    Etwas aufgepeppt mit elektronischer Musik und fertig.

    • twicey
    • 21.06.2011 um 16:47 Uhr

    Das bei dem Track Samples verwendet wurden ist nicht von der Hand zu weisen.
    Ich denke auch nicht, dass das die Intention der Künstler war.
    "Barbra Streisand" lebt meines Erachtens auch vielmehr von der Visualisierung und
    der Übertragung eines positiven Lebensgefühls ohne eine besondere Message dahinter.
    Daher wurde nach meiner Ansicht eine eigene Schöpfungshöhe des Stücks erzeugt,
    die die tatsache in den Schatten stellt, das ursprünglich Night Train die Urheber sind.
    Frank Farian hat sich dem stück schließlich auch schon einmal angenommen.
    Der überwiegende anteil der Federn geht an Duck Sauce.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ich weiss jetzt nicht, ob SIe den Song gut finden oder nicht. Aber das, was der Mensch in dem I-Viw von sich gibt kann man nicht wirklich ernst nehmen. Nicht böse sein, aber auch was Sie da rein interpretieren ist meiner Meinung nach too much. Bei Schöpfungshöhe musste ich wirklich schmunzeln. Das ist ein billiger Remix eiens Klassikers. Sowohl Sounds als auch Arrangement, wenn denn das so nennen kann, sind Standard im herkömmlichen Dance-Musik Genre. Armand van hat schon wesentlich Besseres gemacht. Rein musikalisch ist das eigentlich nicht sein Niveau. Die Aussage, dass man mal schauen wollte, was dabei heraus kommt, ist lächerlich. So massentauglich, und damit meine ich die Menschen, denen man jeden Soundbrocken hinwerfen kann, wie das Ding gemacht ist, war der einzige Gedanke bei dem Projekt: Lets make cash. Das ist leider Kirmesmucke.

    mfg

    ich weiss jetzt nicht, ob SIe den Song gut finden oder nicht. Aber das, was der Mensch in dem I-Viw von sich gibt kann man nicht wirklich ernst nehmen. Nicht böse sein, aber auch was Sie da rein interpretieren ist meiner Meinung nach too much. Bei Schöpfungshöhe musste ich wirklich schmunzeln. Das ist ein billiger Remix eiens Klassikers. Sowohl Sounds als auch Arrangement, wenn denn das so nennen kann, sind Standard im herkömmlichen Dance-Musik Genre. Armand van hat schon wesentlich Besseres gemacht. Rein musikalisch ist das eigentlich nicht sein Niveau. Die Aussage, dass man mal schauen wollte, was dabei heraus kommt, ist lächerlich. So massentauglich, und damit meine ich die Menschen, denen man jeden Soundbrocken hinwerfen kann, wie das Ding gemacht ist, war der einzige Gedanke bei dem Projekt: Lets make cash. Das ist leider Kirmesmucke.

    mfg

    • Mailer
    • 21.06.2011 um 16:53 Uhr

    ... hat Nighttrain die Idee her? ;-)

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    • twicey
    • 21.06.2011 um 16:55 Uhr

    woher?

    • twicey
    • 21.06.2011 um 16:55 Uhr

    woher?

    • twicey
    • 21.06.2011 um 16:55 Uhr

    woher?

    Antwort auf "Und wo ..."
  2. ich weiss jetzt nicht, ob SIe den Song gut finden oder nicht. Aber das, was der Mensch in dem I-Viw von sich gibt kann man nicht wirklich ernst nehmen. Nicht böse sein, aber auch was Sie da rein interpretieren ist meiner Meinung nach too much. Bei Schöpfungshöhe musste ich wirklich schmunzeln. Das ist ein billiger Remix eiens Klassikers. Sowohl Sounds als auch Arrangement, wenn denn das so nennen kann, sind Standard im herkömmlichen Dance-Musik Genre. Armand van hat schon wesentlich Besseres gemacht. Rein musikalisch ist das eigentlich nicht sein Niveau. Die Aussage, dass man mal schauen wollte, was dabei heraus kommt, ist lächerlich. So massentauglich, und damit meine ich die Menschen, denen man jeden Soundbrocken hinwerfen kann, wie das Ding gemacht ist, war der einzige Gedanke bei dem Projekt: Lets make cash. Das ist leider Kirmesmucke.

    mfg

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Duck Sauce Federn"
  3. In diesem Fall: Alles musikalisch gesehen primitiver Müll.

    • twicey
    • 21.06.2011 um 18:35 Uhr

    Zitat aus dem Interview: "Als Armand und ich Barbra Streisand gemacht haben, haben wir nicht gesagt, "Lass uns einen Nummer-Eins-Hit produzieren". Wir fanden den Track einfach wahnsinnig komisch. Wir dachten, dass da entweder etwas Geniales oder ziemlich Bescheuertes herauskommt."

    Für die hörer gilt: Love it or leave it.

  4. Ziemlich primitive Musik. Und nein ich lehne solche Stilrichtungen nicht ab, nur gibt es dort zuviele Leute die meinen ihre Musik wäre etwas tolles. Die Kalkbrenners sind auch so ein Fall, öde aneinandergereihte von Beats.

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