Hugh Laurie : "Ich traute mich nicht zu zeigen, wie sehr mir die Musik am Herzen lag"

Hugh Lauries Leidenschaft gilt dem Blues: Im Interview spricht der Darsteller von "Dr. House" über Muddy Waters und die ärztlichen Tipps seines Vaters.
Hugh Laurie bei seinem Auftritt in "Wetten Dass ... ?" im April in Offenburg © Thomas Niedermueller/Getty Images

Frage:  Mr. Laurie, die Nachricht, dass Sie eine Platte aufgenommen haben, erreichte auf Twitter mehr Leser als die Todesmeldung von Elizabeth Taylor am selben Tag. Überrascht?

Hugh Laurie:  Ich fühle mich peinlich berührt, wenn ich das höre. Die Welt von Twitter ist mir ganz allgemein ein Rätsel: Ich begreife die Mentalität nicht, die dahintersteckt. Was wollen die Menschen da eigentlich loswerden, was versprechen sie sich davon? Diese Ranglisten der am häufigsten geposteten Nachrichten sind mir suspekt.

Frage: Sie sind also nicht stolz darauf?

Laurie:  Kein Stück. Das ist irgendwie blasphemisch, als hätte ich eine Grenze übertreten.   Bestenfalls war das eine Meldung für den digitalen Mülleimer.

Frage: Immerhin haben Sie inzwischen drei Ihrer Träume verwirklicht, die Sie mit 16 hatten: Sie machen Musik, schauspielern und – auch wenn Sie nicht Medizin studiert haben wie Ihr Vater – sind der bekannteste Fernseharzt der Welt.

Laurie: Das Lustige ist: Ich bin mir gar nicht ganz sicher, ob die Schauspielerei wirklich ein so großer Traum war. Ist mir eigentlich auf meine alten Tage noch ein vierter Traum gestattet?

Frage: Bitte!

Laurie: Ich wäre gerne Sportler, und zwar ein begnadeter Kricketspieler, der im englischen Nationalteam spielt. Aber das wird nur ein Traum bleiben, fürchte ich.

Frage: Kricket ist ein Sport, den viele Deutsche überhaupt nicht verstehen.

Laurie: Keine Sorge, viele Engländer verstehen Kricket auch nicht, aber sie schauen es sich trotzdem im Fernsehen an. Meine Frau kennt keine einzige Spielregel und verspürt auch nicht den geringsten Drang, daran etwas zu ändern.

Frage: Und Sie haben noch nie versucht, ihr das Geschehen auf dem Rasen in ein paar Sätzen zu erklären?

Laurie: Das wäre vermessen! Lassen Sie mich so viel sagen: Es handelt sich um eine glorreiche Schlacht von Geist und Geschicklichkeit. Aber das gilt bestimmt für viele Sportarten. Und Sie brauchen Zeit und Geduld. Kricket ist im Prinzip wie Schach, nur mit lebenden Figuren auf einem grünen Schlachtfeld.

Punk hat mich einfach nicht berührt

Frage: Wir haben gelesen, dass Sie als Teenager mit der RAF sympathisiert haben. Wie kam es dazu?

Laurie: Ich hatte mal eine Anarcho-Phase. Als Teenager hat man rebellische Anwandlungen, und unzählige anarchistische Organisationen leben bestimmt bis heute von verwirrten Jugendlichen. Wahrscheinlich war ich schlicht wütend auf den ganz normalen Alltag, darauf bin ich aber nicht stolz. Diese Phase war in vielerlei Hinsicht arrogant und wohl auch hormonell bedingt … Sie gehen aber wirklich weit zurück. 35 Jahre!

Frage: Moment, zur selben Zeit waren Sie bereits begeisterter Blues-Fan. Sie haben Willie Dixon und Muddy Waters gehört – dabei war Punk ab Mitte der 70er Jahre die Musikrichtung der Stunde.

Laurie: Punk hat mich einfach nicht berührt. Keine Ahnung, das kann ich nicht erklären. Wenn ich die Akkorde aus dem ursprünglichen Blues-Repertoire höre, dann lässt mich das schaudern – so wie auch Country oder Popmusik es niemals könnten. Und das mit dem Punk ist nur teilweise richtig. Damals wollte jeder Schuljunge Blowin’ in the Wind auf der Gitarre spielen können, so wie Bob Dylan.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Verständnisfehler

No offence meant - aber "she might be jivin' too" in dem Song von B.B.King heißt nicht, daß die Mutter spinnt, wie der Reporter übersetzt, sondern daß sie schwindeln, es nicht ernst meinen könnte. Gibt ja auch viel mehr Sinn bei einem Blues, denn dann liebt ihn ja überhaupt niemand wirklich!

Dr. House an sich okay, die Serie "House MD" allerdings...

Ich meinte mit "nicht mehr ernstnehmen" eigentlich das, was man im Englischen in dem Zusammenhang als "jump the shark" bezeichnet - die Serie ist einfach unguckbar geworden. Das sage ich nun zugegebenermaßen als jemand, der sowieso nur die frühen Staffeln gesehen hat, aber ich habe die Kontroverse um das Finale der 7. Staffel mitbekommen und mir die entsprechende Stelle angeguckt (will hier nichts spoilern) und ja... das wäre ein Grund für mich gewesen, die Serie aufzugeben, wenn ich das aufgrund der immer gleich schematisch verlaufenden Folgen nicht sowieso schon getan hätte.

Dr. House war anfangs aber durchaus ein sehr unterhaltsamer Charakter, perfekt gespielt von Hugh Laurie mit perfektem Akzent (im Original). Ich würde mir wünschen, dass die Serie nach der 8. Staffel in den wohlverdienten Ruhestand geht und Hugh Laurie sich neuen Projekten zuwenden kann - vielleicht auch wieder eine Zusammenarbeit mit Stephen Fry?

Die Handlung der letzten Staffeln

War sicher etwas forciert. Allgemein hat die Serie jedoch keine Qualität eingebüßt. Die 3(?) Episoden in denen House in der Klapse ist (Anfang Staffel 5 glaube ich) sind sogar absolute Highlights der Serie.
Das Problem ist halt wie so oft dass das ursprüngliche Schema ausgelutscht ist und man sich was neues überlegen muss. Gleichzeitig müssen die alten Gefüge bestehen bleiben, sonst wäre es nichtmehr dieselbe serie. Sieht man im Moment besonders an Desperate Housewives, das ist in der Tat richtig grottig geworden!