Frage:  Mr. Laurie, die Nachricht, dass Sie eine Platte aufgenommen haben, erreichte auf Twitter mehr Leser als die Todesmeldung von Elizabeth Taylor am selben Tag. Überrascht?

Hugh Laurie:  Ich fühle mich peinlich berührt, wenn ich das höre. Die Welt von Twitter ist mir ganz allgemein ein Rätsel: Ich begreife die Mentalität nicht, die dahintersteckt. Was wollen die Menschen da eigentlich loswerden, was versprechen sie sich davon? Diese Ranglisten der am häufigsten geposteten Nachrichten sind mir suspekt.

Frage: Sie sind also nicht stolz darauf?

Laurie:  Kein Stück. Das ist irgendwie blasphemisch, als hätte ich eine Grenze übertreten.   Bestenfalls war das eine Meldung für den digitalen Mülleimer.

Frage: Immerhin haben Sie inzwischen drei Ihrer Träume verwirklicht, die Sie mit 16 hatten: Sie machen Musik, schauspielern und – auch wenn Sie nicht Medizin studiert haben wie Ihr Vater – sind der bekannteste Fernseharzt der Welt.

Laurie: Das Lustige ist: Ich bin mir gar nicht ganz sicher, ob die Schauspielerei wirklich ein so großer Traum war. Ist mir eigentlich auf meine alten Tage noch ein vierter Traum gestattet?

Frage: Bitte!

Laurie: Ich wäre gerne Sportler, und zwar ein begnadeter Kricketspieler, der im englischen Nationalteam spielt. Aber das wird nur ein Traum bleiben, fürchte ich.

Frage: Kricket ist ein Sport, den viele Deutsche überhaupt nicht verstehen.

Laurie: Keine Sorge, viele Engländer verstehen Kricket auch nicht, aber sie schauen es sich trotzdem im Fernsehen an. Meine Frau kennt keine einzige Spielregel und verspürt auch nicht den geringsten Drang, daran etwas zu ändern.

Frage: Und Sie haben noch nie versucht, ihr das Geschehen auf dem Rasen in ein paar Sätzen zu erklären?

Laurie: Das wäre vermessen! Lassen Sie mich so viel sagen: Es handelt sich um eine glorreiche Schlacht von Geist und Geschicklichkeit. Aber das gilt bestimmt für viele Sportarten. Und Sie brauchen Zeit und Geduld. Kricket ist im Prinzip wie Schach, nur mit lebenden Figuren auf einem grünen Schlachtfeld.

Punk hat mich einfach nicht berührt

Frage: Wir haben gelesen, dass Sie als Teenager mit der RAF sympathisiert haben. Wie kam es dazu?

Laurie: Ich hatte mal eine Anarcho-Phase. Als Teenager hat man rebellische Anwandlungen, und unzählige anarchistische Organisationen leben bestimmt bis heute von verwirrten Jugendlichen. Wahrscheinlich war ich schlicht wütend auf den ganz normalen Alltag, darauf bin ich aber nicht stolz. Diese Phase war in vielerlei Hinsicht arrogant und wohl auch hormonell bedingt … Sie gehen aber wirklich weit zurück. 35 Jahre!

Frage: Moment, zur selben Zeit waren Sie bereits begeisterter Blues-Fan. Sie haben Willie Dixon und Muddy Waters gehört – dabei war Punk ab Mitte der 70er Jahre die Musikrichtung der Stunde.

Laurie: Punk hat mich einfach nicht berührt. Keine Ahnung, das kann ich nicht erklären. Wenn ich die Akkorde aus dem ursprünglichen Blues-Repertoire höre, dann lässt mich das schaudern – so wie auch Country oder Popmusik es niemals könnten. Und das mit dem Punk ist nur teilweise richtig. Damals wollte jeder Schuljunge Blowin’ in the Wind auf der Gitarre spielen können, so wie Bob Dylan.