Techno in Berlin Einladung zur Loveparade über Facebook

Die Loveparade soll nach Berlin zurückkehren: Ein Jahr nach der Katastrophe von Duisburg haben Tausende via Facebook zugesagt, am Wochenende durch Berlin zu tanzen.

Inzwischen bekommen selbst die Veranstalter Bammel. Mehr als 14.000 Menschen haben schon auf Facebook zugesagt, am 23. Juli mitzufeiern. Ab dem frühen Samstagnachmittag wollen sie sich in Berlins Mitte treffen, vermutlich im Tiergarten, dann bis nachts durchtanzen. Und das unter einem Namen, der eigentlich nicht wieder verwendet werden sollte: Loveparade.

Ein Jahr ist die Horrorparade jetzt her, bei der in Duisburg in einem Massengedränge 21 Menschen ums Leben kamen und 500 verletzt wurden. Im Ruhrgebiet sind am Wochenende eine Reihe von Trauerveranstaltungen geplant, am Unglücksort werden Tausende Blumen abgelegt, die Polizeiseelsorge baut einen Pavillon auf, dazu gibt es Kunstaktionen, Gedenkgottesdienste, Glockenläuten.

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Chronik der Loveparade

Die Anfänge
Im Juli 1989 zogen 150 Technofans unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" über den Berliner Ku'damm – die Geburtsstunde der Parade. Danach wuchs die Zahl der Raver rasant, von 1996 an ging es in den Tiergarten.

Die Massenparty

Ab den späten Neunzigern sprachen die Macher jeweils von mehr als einer Million Ravern, eine Zahl, die als unrealistisch gilt. Zu den auftretenden DJs zählten Größen wie Westbam und Paul van Dyk. 2007 zog die Loveparade ins Ruhrgebiet um.

Die Katastrophe
Am 24. Juli 2010 kam es in Duisburg im Eingangsbereich eines Tunnels zu Massenpanik. 21 Menschen starben, 500 wurden verletzt.

In Berlin sollen die Raver die Straße übernehmen. Gute Idee oder geschmacklos?

Die Initiatoren der "Loveparade 2011" haben nichts mit den Organisatoren früherer Paraden zu tun und sind offensichtlich selbst überrascht, dass das Interesse an einer Wiederbelebung des Techno-Umzugs so enorm ist. Für den Verlauf der Party wollen sie keine Verantwortung übernehmen. Am gestrigen Dienstag haben sie eine Mitteilung auf ihre Seite gestellt, in der sie davon abraten, am Wochenende tatsächlich nach Berlin zu reisen. Gleichzeitig halten sie weiter an den Rahmenzeiten fest: Wer am Sonnabend "von 14.00 bis 00.00 Uhr in Berlin" auftauche, "tut dies auf eigene Rechnung", heißt es nun. Grund für den zumindest offiziellen Rückzieher dürfte vor allem die Warnung des Loveparade-Mitgründers Dr. Motte sein. Der kann "keine ordentliche Planung, kein Sicherheitskonzept" feststellen und hält das Risiko eines solchen Massenraves für unkalkulierbar: "Die Sicherheit von Leib und Seele muss immer an erster Stelle stehen". Die Initiatoren der Facebook-Party haben auf Dr. Mottes Warnung prompt reagiert: Sie teilen die Bedenken des Techno-Produzenten, heißt es. Die Seite mit dem Partyaufruf bleibt trotzdem online. Dr. Motte hatte sich erst vor kurzem über die Tragödie des vergangenen Jahres und die Zukunft des Events geäußert.

Bei der Polizei ist bisher keine Anmeldung für eine "Loveparade 2011" eingegangen. Der Aufruf auf Facebook sei aber bekannt, sagt eine Sprecherin. Man werde sehen, was am Sonnabend im Tiergarten passiert. Auf jeden Fall sei man vorbereitet.

Völlig überraschend kommt der Versuch der Loveparade-Wiederbelebung nicht. Schon einen Monat nach der Katastrophe von Duisburg hatte unter anderem der Münchener DJ Tom Novy gefordert, die Technoparade nicht zu beerdigen, sondern im nächsten Jahr wieder durch ihre Heimatstadt Berlin rollen zu lassen – als "Parade zu Ehren der Toten und Verletzten". Im Internet fordern viele Techno-Aktivisten eine baldige Neuauflage – spätestens im Jahr 2012.

Im Berliner Bezirk Mitte nimmt man solche Vorschläge mit gemischten Gefühlen auf. Falls tatsächlich ein Veranstalter auf die Idee komme, im nächsten Jahr eine Technoparade durch den Tiergarten ziehen zu lassen, müsse "das verhandelt" werden, sagt Stadtrat Stephan von Dassel (Grüne). "Wir sehen uns da weder als Anreger noch als Verhinderer." Bei den Stadtwerbern von Visit Berlin erkennt man überhaupt keine Notwendigkeit für eine Renaissance der Loveparade. Bis zu ihrem Wegzug 2007 habe sie sicherlich eine wichtige Funktion erfüllt, das Image Berlins als Musikstadt weltweit zu transportieren, aber "irgendwann hat so eine Veranstaltung ihre Halbwertszeit überschritten". Zudem schade sie dem Selbstverständnis als nachhaltige Metropole. Ein als politisch deklarierter Massenauflauf, der hinterher seinen Müll nicht wegräume, sei wenig hilfreich, sagt der Visit-Berlin-Sprecher Christian Tänzler.

Die 14.000 Loveparade-Gänger sind nicht die einzigen Technofans, die am Sonnabend feiern wollen. Auch der Berliner DJ Martin Bahn hat über Facebook für 14 Uhr auf die Straße des 17. Juni geladen, westlich der Siegessäule. Allerdings will er dort keine Massenparty feiern und schon gar nicht unter dem Namen "Loveparade", sondern ein Sit-in in geparkten Autos, die Musik soll aus den Boxen der PKW tönen.

Er war schon bei der Polizei, die erklärte, sie könne sein Vorhaben nicht gutheißen, aber auch nicht verbieten. Schließlich verspricht Martin Bahn, dass alle Autos ganz ordentlich in den Parkbuchten stehen, streng nach Straßenverkehrsordnung. Probleme könnte es mit der An- und Abreise geben – falls die Konkurrenz-Raver wirklich zu Tausenden aufschlagen.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Wir nehmen uns Ihre Kritik gern an, bitten Sie jedoch, diese konstruktiv zu formulieren. Danke. Die Redaktion/sc

  2. dieses unerträgliche Spektakel und danach einen
    kaputten Tiergarten.
    Das muss man doch nicht haben, alles absperren!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hoffentlich bleibt diese "Love-Parade", die mehr einem Sex- und Trinkgelage gleichkam, von den anderen berauschenden Mitteln ganz zu schweigen, dort wo sie hingehört:

    In den Geschichtsbüchern.

    Ehe die Redaktion von mir wieder Mäßigung und Quellenangaben verlangt, sage ich es frei heraus:

    Bei der letzten "Love-Parade" ging ich mit meiner Frau dort, am Tiergarten und am Ku'-damm, spazieren und konnte mit eigenen Augen die Verwüstungen und den Dreck sehen, den die Teilnehmer hinterlassen hatten.

    Viele "Raver" und andere, die es gerne sein wollten, hinterließen trotz aufgestellter Toilettenhäuschen ihre Verdauungsendprodukte in fester und flüssiger Form lieber irgendwo im Grünen - frei nach dem Motto "Zurück zur Natur"!

    Gerade jetzt, da sich in Berlin immer mehr Stimmen aus den Szene-Bezirken mehren, die sich gegen diesen internationalen "Freizeit-Park"-Tourismus wenden, der momentan hier stattfindet, sollte das Thema "Love-Parade" endlich vom Tisch sein.

    Im Gegensatz zu anderen kulturellen Großereignissen, die entlang der Straße des 17. Juni stattfinden oder -fanden, waren der Müll und Unrat der "Love-Parade" mithin nicht zu toppen.

    Wenn sich schon die "Geberländer" im Länder-Finanz-Ausgleich ständig über das defizitäre Berlin aufregen, dann sollten doch Bayern oder Baden-Württemberg vielleicht dieses "Kulturspektakel" übernehmen.

    Die Berliner Steuerzahler haben jedenfalls die Nase voll und die "Staatsmacht", die für Ruhe und Ordnung sorgen muss mit Sicherheit auch.

    Hoffentlich bleibt diese "Love-Parade", die mehr einem Sex- und Trinkgelage gleichkam, von den anderen berauschenden Mitteln ganz zu schweigen, dort wo sie hingehört:

    In den Geschichtsbüchern.

    Ehe die Redaktion von mir wieder Mäßigung und Quellenangaben verlangt, sage ich es frei heraus:

    Bei der letzten "Love-Parade" ging ich mit meiner Frau dort, am Tiergarten und am Ku'-damm, spazieren und konnte mit eigenen Augen die Verwüstungen und den Dreck sehen, den die Teilnehmer hinterlassen hatten.

    Viele "Raver" und andere, die es gerne sein wollten, hinterließen trotz aufgestellter Toilettenhäuschen ihre Verdauungsendprodukte in fester und flüssiger Form lieber irgendwo im Grünen - frei nach dem Motto "Zurück zur Natur"!

    Gerade jetzt, da sich in Berlin immer mehr Stimmen aus den Szene-Bezirken mehren, die sich gegen diesen internationalen "Freizeit-Park"-Tourismus wenden, der momentan hier stattfindet, sollte das Thema "Love-Parade" endlich vom Tisch sein.

    Im Gegensatz zu anderen kulturellen Großereignissen, die entlang der Straße des 17. Juni stattfinden oder -fanden, waren der Müll und Unrat der "Love-Parade" mithin nicht zu toppen.

    Wenn sich schon die "Geberländer" im Länder-Finanz-Ausgleich ständig über das defizitäre Berlin aufregen, dann sollten doch Bayern oder Baden-Württemberg vielleicht dieses "Kulturspektakel" übernehmen.

    Die Berliner Steuerzahler haben jedenfalls die Nase voll und die "Staatsmacht", die für Ruhe und Ordnung sorgen muss mit Sicherheit auch.

    • Zuntz
    • 20.07.2011 um 13:44 Uhr

    jedesmal,wenn hinauf zu den Bäumen des Tiergartens die
    Bässe wummerten,starb die Jungbrut der Vogelarten
    in den Nestern.Alles nur für mehr Kohle,aber auch
    für die Hinterlassenschaft von Urin und Dreck.
    NEIN DANKE!!!!!

  3. >>Ein als politisch deklarierter Massenauflauf, der hinterher seinen Müll nicht wegräume, sei wenig hilfreich, sagt der Visit-Berlin-Sprecher Christian Tänzler.<<

    Aha. Man stelle sich vor, der Kölner Karnevalsumzug würde mit so einer Begründung abgesagt werden ^^.

    Da fahren hinter dem Zug sofort die Reinigungsmaschinen hinterher, weil dort auch niemand von den Jecken den zurück gelassenen Müll wegräumt.

    Silvester müsste in Berlin ebenfalls abgesagt werden oder werden dort keine Böller abgebrannt, die anschließend massenweise Papierreste auf den Straßen hinterlassen, bzw. sammeln die Leute dort ihre Hinterlassenschaften selbst weg?

    Und warum soll das ausgelassene Tanzen von Tausenden keine politische Botschaft sein? Naja, ok, entspricht nicht den vorgegebenen Konventionen: Arbeite, bis Du umfällst, zahle Steuern, fordere nichts und mucke nicht auf.

  4. ... ist eine Straftat, die eine Strafe bis zu einem Jahr zulässt.
    Das wäre doch einmal eine Option - alle unerwünschten 'Gäste' einfach für 3-12 Monate ins Gefängnis stecken, dann kann es zu so einem Desaster nicht mehr kommen und ich muss nicht in den Medien und im Fernseher diese pseude-kulturelle Drogen- u. Sexparty anschauen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • snoek
    • 20.07.2011 um 14:28 Uhr

    Aber sonst ham se viel Spaß am Leben, ja?

    Bei dem Kommentar bekommen Sie nach den 12 Monaten sogar noch ein staatlich verordnetes "Bildungspaket" zur sozialen Ausformung obendrauf... und dann so ein Nickname, Gott ist das peinlich.

    Ich war in Berlin, in Dortmund, in Duisburg dabei.

    Die Loveparade in Duisburg war schlecht geplant, die Engstelle hätte es nicht geben dürfen. Mit einem änlich miesen Konzept gäbe es in Köln an einem Karnevalswochenende hunderte Tote.
    In Berlin haben die Veranstalter Erfahrung, dort kann derartiges nicht passieren. Und das Müll/Sex/Drogen-Problem gibt es auch bei jedem anderen Großereignis (Bayern: die Wiesn, Rheinland: Karneval, etc).

    Und zu Nummer 6: In Berlin ziehen seit einigen Jahren insbesondere junge Leute in Viertel, in denen sich Künstler mit Ihren Ateliers niedergelassen haben und die als "hip" gelten - und deshalb auch bei Touristen beliebt sind.
    Sie wollen Ruhe vor den Touris? Wenn selbige plötzlich ausblieben wäre das Gejammer auch wieder groß, weil Einnahmen in Cafes, Hotels und Galerien einbrächen.
    Ich kenne Ihre Verhältnisse nicht, aber vielleicht wäre auch eine Wohnung in einem anderen Stadtteil möglich gewesen... (weniger hip, weniger kameraschwingende Touris)

    • snoek
    • 20.07.2011 um 14:28 Uhr

    Aber sonst ham se viel Spaß am Leben, ja?

    Bei dem Kommentar bekommen Sie nach den 12 Monaten sogar noch ein staatlich verordnetes "Bildungspaket" zur sozialen Ausformung obendrauf... und dann so ein Nickname, Gott ist das peinlich.

    Ich war in Berlin, in Dortmund, in Duisburg dabei.

    Die Loveparade in Duisburg war schlecht geplant, die Engstelle hätte es nicht geben dürfen. Mit einem änlich miesen Konzept gäbe es in Köln an einem Karnevalswochenende hunderte Tote.
    In Berlin haben die Veranstalter Erfahrung, dort kann derartiges nicht passieren. Und das Müll/Sex/Drogen-Problem gibt es auch bei jedem anderen Großereignis (Bayern: die Wiesn, Rheinland: Karneval, etc).

    Und zu Nummer 6: In Berlin ziehen seit einigen Jahren insbesondere junge Leute in Viertel, in denen sich Künstler mit Ihren Ateliers niedergelassen haben und die als "hip" gelten - und deshalb auch bei Touristen beliebt sind.
    Sie wollen Ruhe vor den Touris? Wenn selbige plötzlich ausblieben wäre das Gejammer auch wieder groß, weil Einnahmen in Cafes, Hotels und Galerien einbrächen.
    Ich kenne Ihre Verhältnisse nicht, aber vielleicht wäre auch eine Wohnung in einem anderen Stadtteil möglich gewesen... (weniger hip, weniger kameraschwingende Touris)

  5. Hoffentlich bleibt diese "Love-Parade", die mehr einem Sex- und Trinkgelage gleichkam, von den anderen berauschenden Mitteln ganz zu schweigen, dort wo sie hingehört:

    In den Geschichtsbüchern.

    Ehe die Redaktion von mir wieder Mäßigung und Quellenangaben verlangt, sage ich es frei heraus:

    Bei der letzten "Love-Parade" ging ich mit meiner Frau dort, am Tiergarten und am Ku'-damm, spazieren und konnte mit eigenen Augen die Verwüstungen und den Dreck sehen, den die Teilnehmer hinterlassen hatten.

    Viele "Raver" und andere, die es gerne sein wollten, hinterließen trotz aufgestellter Toilettenhäuschen ihre Verdauungsendprodukte in fester und flüssiger Form lieber irgendwo im Grünen - frei nach dem Motto "Zurück zur Natur"!

    Gerade jetzt, da sich in Berlin immer mehr Stimmen aus den Szene-Bezirken mehren, die sich gegen diesen internationalen "Freizeit-Park"-Tourismus wenden, der momentan hier stattfindet, sollte das Thema "Love-Parade" endlich vom Tisch sein.

    Im Gegensatz zu anderen kulturellen Großereignissen, die entlang der Straße des 17. Juni stattfinden oder -fanden, waren der Müll und Unrat der "Love-Parade" mithin nicht zu toppen.

    Wenn sich schon die "Geberländer" im Länder-Finanz-Ausgleich ständig über das defizitäre Berlin aufregen, dann sollten doch Bayern oder Baden-Württemberg vielleicht dieses "Kulturspektakel" übernehmen.

    Die Berliner Steuerzahler haben jedenfalls die Nase voll und die "Staatsmacht", die für Ruhe und Ordnung sorgen muss mit Sicherheit auch.

  6. Loveparade ? - JA !!!
    Aber als Schweigemarsch.

    Die Motte ist skeptisch. Man sollte auf ihn hören.

    Eine Leser-Empfehlung
    • snoek
    • 20.07.2011 um 14:28 Uhr
    8. .....

    Aber sonst ham se viel Spaß am Leben, ja?

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  • Quelle Tagesspiegel
  • Kommentare 16
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