Klassikgruppe Spark: Kammermusik für die Facebook-Generation
30 Blockflöten, fünf Musiker, ein Debütalbum und eine Echo-Auszeichnung: Die Gruppe Spark will als "klassische Band" ein junges Publikum begeistern.
© Spark

Die klassische Band Spark
Ausgerechnet die Blockflöte! Andrea Ritter und Daniel Koschitzki, Gründer und Flötisten der Band Spark, wollen ein neues Publikum für die Klassik gewinnen. "Die Blockflöte hat ein schlimmeres Image als andere Instrumente", sagt Ritter, "sie gilt nicht nur als langweilig, sondern auch noch als Kinderinstrument." Unterstützung bekommen die zwei von Stefan Glaus (Violine/Viola), Victor Plumettaz (Cello) und Jutta Rieping (Klavier), so wird eine klassische Kammermusikformation draus. "Gemeinsam sind wir Spark" – mit diesem Slogan und ihrem Programm Downtown Illusions reist das Ensemble durchs Land. Auf 30 verschiedenen Blockflöten aller Größen interpretieren Spark sowohl Werke von Bach und Vivaldi als auch Gegenwartskompositionen von Johannes Motschmann und Chiel Meijering.
"Beim Vivaldi-Konzert spielen wir aber statt des vorgesehenen vierten Vivaldi-Satzes von Chiel Meijering Harde Puntjes featuring Robeat mit einem Beatboxer", sagt Andrea Ritter. "Vivaldi war ein Punk seiner Zeit. Wir verbinden diese Klangsprache mit zeitgenössischen Elementen. Kammermusik wird damit zu einer Musik, an die auch junge Leute emotional andocken können." Der Generation Facebook ist das bürgerliche Phänomen der Kammermusik kaum mehr präsent. Hier setzen Spark an.
Mittlerweile ist die Gruppe Preisträger beim Wettbewerb "Kultur- und Kreativpiloten Deutschland" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie. Im Oktober bekommen sie den Echo Klassik in der Kategorie "Klassik ohne Grenzen". Die "klassische Band" – wie Spark sich bezeichnen – inspiriert die Hörer mit überraschenden musikalischen Kombinationen. Trotzdem ist der Ansatz nicht neu, die klassische Kammermusik mit Hilfe von Pop- und Jazzelementen an der bildungsbürgerlichen Ecke aufzubrechen. Das Kronos Quartet etwa überschreitet seit Jahren diese Grenzen, um ein junges Publikum zu gewinnen.
"Ich komme aus einem Elternhaus", sagt Daniel Koschitzki, "in dem zwar die klassische Musik sehr gefördert wurde, aber Rock und Pop den ganzen Tag lang ebenso liefen. Deshalb gab es für mich nur gute und schlechte Musik. Während des Studiums hat es mich überrascht, dass andere klassische Musiker bestimmte Musikformen ausgrenzen", erklärt er. So ist die Idee von Spark auch eine Öffnung nach innen: gute Musiken zusammenzuführen und sie auf der Basis der klassischen Ausbildung in einen neuen Stil zu transformieren, der das Gesicht des 21. Jahrhunderts trägt.
Andrea Ritter meint, es stelle sich klassischen Musikern immer die Frage: "Darf klassische Musik überhaupt Spaß machen? Ist zeitgenössische Musik nur seriös, wenn sie dem Hörer etwas abverlangt, weh tut? Wir sind der Meinung, Kammermusik darf und kann Spaß machen. Wir wollen mit diesen Klischees brechen und etwas Eigenes entwickeln." Spark geben dem Publikum gleich eine atmosphärische Gebrauchsanleitung mit. Im Booklet zur CD stehen Impressionen wie: "Skylines im Morgendunst, die Hektik der Rushhour, Multi-Kulti-Sessions auf der Straße und das flirrende Nachtleben werden musikalisch nachgezeichnet."








Gefällt mir! (Yay, das sprachgewordene Synonym des Facebookdaumens!)
Ich bin allerdings auch seit Kindertagen Klassikhörer. Ich will auch nicht griesgrämig sein, aber ich messe solchen Projekten mit ehrenhaften Zielen immer nur einen begrenzten Wirkungsradius bei. Im Artikel wird u.a. die Frage gestellt, ob klassische Musik immer seriös sein müsse und nicht einfach nur Spaß machen könne.
Ich denke diese Seriösität wurde seither immer an die Klassik herangetragen und Musik die Spaß macht, wurde eher mit anderen Genres in Verbindung gebracht. So entstehen dann stereotype Ansprüche an Stimmungen, wie etwa Spaß, die die Klassik im modernen, populären Duktus offenbar nicht erfüllen kann. Ein Großteil der jungen Leute hört heutzutage am liebsten schnelle bis mäßige Beatmusik mit sehr simplen Melodien. Wenn sie denen jetzt mit Blockflöte und knartschigen Celli kommen, die alles andere als simple, eingängige Melodien erzeugen, sondern wie auch bei Sparks teils heftige, aufgewühlten Motive mit Dissonanzen, dann sind sie mindestens 50% auf der Stelle los. Da können sie auch Metal oder andere "Krachmusik" anstellen, das hätte den gleichen Effekt.
Das Problem ist denke ich auch nicht so sehr das Image der Ernsthaftigkeit der klassischen Musik, sondern viel mehr die mangelnde Bereitschaft vieler Hörer genauer zuzuhören, sich anderen Formen der Musik erst einmal bewusst aufgeschlossenen und kritisch gegenüber zu verhalten.
Wenn sie eine Musikrichtung fernab des Mainstreams hören, haben sie irgendeine Form von Erziehung durchgemacht, die sie denken lässt, dass diese Musik die beste sein muss. Viele vergessen dabei, dass jede Erziehung nicht nur seine Zeit benötigt bis sie fruchtet, sondern auch zuallererst einen Erzieher. Man muss aber nicht Diktaten anderer folgen. Wenn Massenmedien ein breiteres Spektrum an Musikstilen zelebrieren würde (leider muss man immer noch alles zelebrieren), gäbe es sicherlich auch deutlich mehr Klassikfans. Ob die dann nur überzeugt oder geblendet sind, ist wieder eine andere Frage. Sparks möchte hauptsächlich überzeugen und nur ein ganz wenig blenden. Ich denke diese Strategie wird nicht aufgehen, da die wenigsten in ihrer Freizeit in die Schule gehen wollen. Schauen Sie sich David Garrett an, der kommt aus der Klassik und ist heute in den Massenmedien angekommen.
Als Missionar haben sie heute keine Chance mehr, sie müssen Pontifex sein, Brücken bauen und dann die Leute singend zum Hinüberlaufen animieren und erzählen, wie viel mehr es auf der anderen Seite zu sehen und zu hören gibt!
Ich kann Sparks viel abgewinnen, aber bei vielen anderen Vertretern meiner Generation kann ich mir das nur schwer vorstellen. Spaß ist ohnehin sehr subjektiv und das wäre auch für mich nicht der Begriff mit dem ich diese Musik beschreiben würde. Aber das ist nicht schlimm, dass Klassik Spaß mache ist ja auch nur eine Phrase, um endlich aus der Kammer auszubrechen.
und trotzdem interessant. Vor etwa 35 Jahren begann eine Band aus den Niederlanden ähnliches in vergleichbarer Qualität ins Werk zu setzen. Das war die Band Flairck. Das Kronos-Quartett, Streicher, hat auch schon mal so was probiert. Beispielsweise.
Freut mich, dass der Wille, Schubladen zu verlassen, nicht tot zu kriegen ist. Erstaunlich nur, dass das gerade heute hervorzuheben wäre in einer Zivilisation, die doch so sehr daran glaubt, alles zu wissen und zu können ... ;-))
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