Peter Licht verbirgt sein Gesicht konsequent vor den Medien. © Motor Music

ZEIT ONLINE: Herr Licht, ist die Welt noch zu retten?

Peter Licht: Muss sie überhaupt gerettet werden? Die Welt läuft so vor sich hin, und das ist ihr Zustand. Habe ich die Welt als eine zu rettende dargestellt?

ZEIT ONLINE: Der Hörer ihres neuen Albums könnte auf die Idee kommen, er sollte sich lieber lächelnd umbringen.

Licht: ( lacht ) Meine Güte! Das wäre schade. Dann gäbe es eine leere Welt, eine sehr depressive Vorstellung.

ZEIT ONLINE: Sie singen, "Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wären".

Licht: Das singe ich, aber es ist nur ein Splitter dieser Gesellschaft. Es gibt noch viele andere. Es ist schön und nicht schön.

ZEIT ONLINE: Eine Konsequenz aus diesem Befund ziehen Sie nicht.

Licht: Die Konsequenz ist, dass ich davon singe. Das ist die Maximalkonsequenz, die mir zur Verfügung steht. In dem Lied geht es viel um Klang und um die Emotion, die dabei entsteht. Ich robbe mich an Bilder von Utopie oder ich tue nur so. Oder ich stelle in den Raum, dass es eine Utopie geben könnte. Es könnte alles anders sein, das finde ich so interessant.

ZEIT ONLINE: Aber was fängt der Hörer damit an?

Licht: Es interessiert mich natürlich, was beim Hörer ankommt. Ich bin auch der Hörer meiner eigenen Lieder und empfinde sie als fremd, besonders wenn ich sie auf der Bühne singe. Ich denke mir dann, das ganze Ding ist total offen. Die Welt ist eine kippelige Veranstaltung. Man weiß nie, wo man steht. Steigen und Fallen die ganze Zeit. Ich höre mir auch anderer Leute Lieder an und empfinde ganz oft diesen Kippmoment.

ZEIT ONLINE: Was macht die Welt so wackelig? Dass die Zukunft ungewiss ist, dass wir Altersvorsorgen treffen müssen?

Licht: Ja, zum Beispiel! Natürlich mache ich mir Gedanken über Altersvorsorge. Dann gehe ich in eine Bank und betrete ein Reich, dass Franz Kafka nicht besser hätte schaffen können. Es ist ein großes Humortheater. Es ist völlig offen, ob mich jemand verarscht und nur mein Geld abziehen will, oder ob diese ganzen pragmatischen Erwägungen einen Sinn ergeben.

ZEIT ONLINE: Haben Sie Angst?

Licht: Die Altersvorsorge ist eine große Angstwirtschaft. In den großen Institutionen sitzen gut im Saft stehende Akademiker, die eine Angstkultur im großen Stil entwickelt haben, auf verschiedenen Etagen mit einem Empfangsbereich. Überall wird meine Angst wie in einer Agar-Schale verwaltet. Sie wird ein bisschen angefüttert, den Angstbakterien wird wieder ein bisschen Zucker eingeflößt. Überall wird Angst produziert. Ich bin mittendrin, mache da mit, hab schlechte Gefühle, Angst vor meiner Zukunft, vor der Zukunft meiner Leute. Wenn ich meine lästerlichen Reden halte, heißt das überhaupt nicht, dass ich davon distanziert bin. Es trifft mich im Herzen. Ich träume davon schlecht, ich habe ein schlechtes Leben, ich bin kein freier Mensch mehr.