So schön warm in der Vergangenheit, einfach alle Zukunftsangst ausblenden: Mayer Hawthorne gibt der nostalgischen Sehnsucht einen Klang. Ein weißer, 31-jähriger Soulcrooner aus Los Angeles, der festhält an Isaac Hayes, Marvin Gaye oder Smokey Robinson. Sein Debütalbum A Strange Arrangement erschien 2009, es hätte aber auch 40 Jahre älter sein können: Man hört kaum einen Unterschied zu den alten Meistern. Sogar das Knistern der Vinylnadel hat er auf CD gebrannt.

Seine Karriere begann als Hip-Hop-Produzent. Er hatte es einfach satt, die Rechte der historischen Soul- und Funksamples in seinen Arrangements zu klären. Er spielte sie einfach selbst nach. So stilecht und zeitlos schön, dass die Uhrzeiger im Studio verrückt spielten. Hawthornes Musik ist der Soundtrack zum Leben im postmodernen Anachronismus, mit Manufactum, Mad Men und Ray-Ban-Brillen.

Nun reist er mit seinem zweiten Album How Do You Do durch die Welt. Wir trafen ihn im Berliner Hotel Michelberger. Die Lobby war frei, sein Pianist setzte sich gleich ans Klavier. Mayer Hawthorne greift zum Schellenkranz.

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