Wenn Sido und Bushido zum Pressetermin laden, muss es natürlich eine Suite im Hyatt sein. Den ehemaligen Schöneberger Puff, in dem ihr Label Aggro Berlin untergebracht war, haben sie längst hinter sich gelassen. Und wie lässt sich der eigene Erfolg besser demonstrieren als durch die Häuser, in denen man residiert. Was Daimler Benz und Deutscher Bahn recht, ist den beiden Top-Athleten des deutschen Straßenrap nur billig. Und so bitten sie zur Audienz am Potsdamer Platz.

Sido und Bushido, zwei Namen als Inbegriff des bösen, deutschen Gangster-Raps. Wer sich über die Verdummung des hiesigen Hip-Hop belustigen oder auf seinen Anteil an der Verrohung der Jugend aufmerksam machen wollte, kam an diesen beiden nicht vorbei. Ständig in den Medien, immer im Gespräch – das brachte den Herren so viel Ruhm und Geld ein, dass sie von ihrer Musik leben konnten, ohne dass es dabei immer um Musik ging. Und jetzt dies: Die Kampfhähne haben sich vertragen und die wiedergewonnene Freundschaft mit einem Album besiegelt.

Kein Journalist durfte es vor dem Gespräch hören. Nicht jeder ist willkommen. Nicht jeder darf Fragen stellen. Die Zeit ist begrenzt und der Plattenfirmenagent höchst engagiert, vielleicht gerade weil er den ersten Interviewtermin an diesem Morgen verschlafen hat. Das schreibt zumindest Benjamin von Stuckrad-Barre später in Axel Springers B.Z., die den beiden Rappern die Titelseite und ein vierseitiges Spezial einräumt.

Auch das war mal anders. Fast wehmütig erinnert man sich an die Zeiten, als Sido und Bushido noch für den Untergang des Abendlandes verantwortlich gemacht wurden – eben von jenen Blättern mit den großen Titelzeilen. Einst Staatsfeinde Nummer 1 und 2, Missionare des Analverkehrs, heute große Versöhner: Die Wiedervereinigung der Könige des deutschen Gangsterrap ist doch recht unspektakulär. Man traut sich kaum, es zu sagen.

Natürlich ist es schön, wenn sich die Leute vertragen. Die beiden Herrschaften haben sich immerhin fast acht Jahre lang bekriegt. Mit viel Glück ist nichts Schlimmes passiert. Denn wer die beiden Lager der ehemaligen Kontrahenten kennt, der weiß, dass in diesem Umfeld durchaus handfest argumentiert wird. So waren die lauten Überschriften der Jugendzeitschriften, ob es denn jetzt (endlich) den ersten Rap-Toten in Deutschland geben würde, nicht ganz von der Hand zu weisen.

Auch wenn immer wieder darauf verwiesen wird, dass die Bandenkriege in Deutschland Pipifax seien, im Gegensatz zum wirklich bösen Amerika: Eine Faust ist auch in Deutschland eine Faust. Und verrückte Fans gibt es immer wieder. Die Anhänger des jeweils anderen waren das größte Sicherheitsproblem, behauptet Sido. Fans, die sich für ihr Idol opfern wollten, indem sie den Gegner ihres Stars angreifen, davor hätte er am meisten Angst gehabt. Auf der höheren Kommandostruktur allerdings sei das alles kein Thema gewesen, da habe man sich schon früh einigermaßen friedlich arrangiert. Und so dümpelte der Streit gegen Ende nur noch lustlos vor sich hin. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, sagt Bushido, dass einer der beiden den ersten Schritt machte.

Im Dezember 2010 bestellte Sido seinem Feind Bushido nach dessen Bandscheibenoperation die herzlichsten Genesungswünsche ans Krankenbett. Das war nett. Es folgte ein zunächst vorsichtiger, später immer offensiverer Austausch von Höflichkeiten über Twitter und andere Soziale Netzwerke. Und schon bald begann die Arbeit am neuen Geschäftszweig namens Versöhnung.