Sido und BushidoBrüder im Business

Sido und Bushido waren die Erzfeinde im deutschen Rap. Nun haben sie ein gemeinsames Album veröffentlicht. Hören muss man es offenbar nicht. von Marcus Staiger

Bushido und Sido, wieder vereint

Bushido und Sido, wieder vereint  |  © Murat Aslan

Wenn Sido und Bushido zum Pressetermin laden, muss es natürlich eine Suite im Hyatt sein. Den ehemaligen Schöneberger Puff, in dem ihr Label Aggro Berlin untergebracht war, haben sie längst hinter sich gelassen. Und wie lässt sich der eigene Erfolg besser demonstrieren als durch die Häuser, in denen man residiert. Was Daimler Benz und Deutscher Bahn recht, ist den beiden Top-Athleten des deutschen Straßenrap nur billig. Und so bitten sie zur Audienz am Potsdamer Platz.

Sido und Bushido, zwei Namen als Inbegriff des bösen, deutschen Gangster-Raps. Wer sich über die Verdummung des hiesigen Hip-Hop belustigen oder auf seinen Anteil an der Verrohung der Jugend aufmerksam machen wollte, kam an diesen beiden nicht vorbei. Ständig in den Medien, immer im Gespräch – das brachte den Herren so viel Ruhm und Geld ein, dass sie von ihrer Musik leben konnten, ohne dass es dabei immer um Musik ging. Und jetzt dies: Die Kampfhähne haben sich vertragen und die wiedergewonnene Freundschaft mit einem Album besiegelt.

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Kein Journalist durfte es vor dem Gespräch hören. Nicht jeder ist willkommen. Nicht jeder darf Fragen stellen. Die Zeit ist begrenzt und der Plattenfirmenagent höchst engagiert, vielleicht gerade weil er den ersten Interviewtermin an diesem Morgen verschlafen hat. Das schreibt zumindest Benjamin von Stuckrad-Barre später in Axel Springers B.Z., die den beiden Rappern die Titelseite und ein vierseitiges Spezial einräumt.

Über den Autor
Über den Autor

Marcus Staiger, 41, stand selbst lange Jahre im Zentrum des deutschen Rap-Geschehens. Er war Gründer des Hip-Hop-Labels Royal Bunker und Chefredakteur von Rap.de. Er lebt als Familienvater und Autor in Berlin.

Auch das war mal anders. Fast wehmütig erinnert man sich an die Zeiten, als Sido und Bushido noch für den Untergang des Abendlandes verantwortlich gemacht wurden – eben von jenen Blättern mit den großen Titelzeilen. Einst Staatsfeinde Nummer 1 und 2, Missionare des Analverkehrs, heute große Versöhner: Die Wiedervereinigung der Könige des deutschen Gangsterrap ist doch recht unspektakulär. Man traut sich kaum, es zu sagen.

Natürlich ist es schön, wenn sich die Leute vertragen. Die beiden Herrschaften haben sich immerhin fast acht Jahre lang bekriegt. Mit viel Glück ist nichts Schlimmes passiert. Denn wer die beiden Lager der ehemaligen Kontrahenten kennt, der weiß, dass in diesem Umfeld durchaus handfest argumentiert wird. So waren die lauten Überschriften der Jugendzeitschriften, ob es denn jetzt (endlich) den ersten Rap-Toten in Deutschland geben würde, nicht ganz von der Hand zu weisen.

Auch wenn immer wieder darauf verwiesen wird, dass die Bandenkriege in Deutschland Pipifax seien, im Gegensatz zum wirklich bösen Amerika: Eine Faust ist auch in Deutschland eine Faust. Und verrückte Fans gibt es immer wieder. Die Anhänger des jeweils anderen waren das größte Sicherheitsproblem, behauptet Sido. Fans, die sich für ihr Idol opfern wollten, indem sie den Gegner ihres Stars angreifen, davor hätte er am meisten Angst gehabt. Auf der höheren Kommandostruktur allerdings sei das alles kein Thema gewesen, da habe man sich schon früh einigermaßen friedlich arrangiert. Und so dümpelte der Streit gegen Ende nur noch lustlos vor sich hin. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, sagt Bushido, dass einer der beiden den ersten Schritt machte.

Im Dezember 2010 bestellte Sido seinem Feind Bushido nach dessen Bandscheibenoperation die herzlichsten Genesungswünsche ans Krankenbett. Das war nett. Es folgte ein zunächst vorsichtiger, später immer offensiverer Austausch von Höflichkeiten über Twitter und andere Soziale Netzwerke. Und schon bald begann die Arbeit am neuen Geschäftszweig namens Versöhnung.

Leserkommentare
  1. Ein Artikel über Bushido und Sido von Staiger :-) Auch nett.
    Naja, vielleicht werden wir auch einfach alle älter. Warte schon auf den Artikel über Haftbefehl in 5 Jahren.

    Ein Leser der auch Bunkertapes gehört hat.

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    Genau das selbe habe ich auch gedacht! :)
    Am Ende vereint die drei dann doch das Geld... 2 machen ne platte, einer schreibt darüber und alle "wir sch**** auf den Mainstream" Verse werden zur Farce. Willkommen in der Wirklichkeit!

    • pakZ
    • 17. Oktober 2011 14:09 Uhr

    Sido und Bushido.

    Wie nett. Klingt wie Hanni und Nanni und hat vermutlich auch den selben geistigen Tiefgang.

    Nunja. Leider kann man nicht immer allem entgehen, was sich heutzutage "Kultur" schimpfen darf.

  2. Genau das selbe habe ich auch gedacht! :)
    Am Ende vereint die drei dann doch das Geld... 2 machen ne platte, einer schreibt darüber und alle "wir sch**** auf den Mainstream" Verse werden zur Farce. Willkommen in der Wirklichkeit!

  3. Das ist, was von dem Land der Dichter und Denker übrig blieb. Hosenbund am Knie und Durchzug im Gefäß, welches das Hirn beherbergen sollte.

    Eine bunte und wunderbare Subkultur, welche große Teile der Jugendlichen erfaßt hat. Hier wird auch der Gymnasiast zur Witzfigur, nein Ghettoproll, nein Gangsta... heißt es.

    Beitrag für ein lebenswertes Land? Nada! Aber nun gut, freies Land, wem es gefällt. Dabei gibt es durchaus Künstler in diesem Bereich, welche gesellschaftskritisch agieren, aber um diesen Status zu erreichen, darf man eben Bücher nicht nur aus dem Fernsehen kennen.

    • ca.net
    • 17. Oktober 2011 14:33 Uhr

    Fetter Scheiss Staiger. Mach weiter so!!! Ich will hier öfters was von dir lesen!!! Sehr dope. Den nächsten Beitrag bitte über Taktloss, danke.

    @pakZ: Muss echt schwer für dich gewesen sein zwanghaft nen Kommentar rauszudrücken... Deine Inhaltslosen zwei Sätze haben sicher ebenfalls einen eher geringeren geistigen Tiefgang...

    Gleich mal auf mzee etc posten, dann gibts sicher ein paar lustige Kommentare :D

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    aber im Deutschen Hip Hop gibt es schon länger nichts mehr zu feiern, seit der Dominanz von Kool Savas

    Und 2011: Sido hat wirklich wahre Skills und ist etwas authentisch obwohl er sich schon seit längerem selbst verkauft, hingegen Bushido??
    Er ist ein Schwiegermutter-Liebling und macht einen auf sehr gefährlich, dabei ist er zu Kindern ganz lieb und lädt Eltern dieser zu seinen Konzerten ein (!)...hahah wahrer Gangsta

    • AFX
    • 17. Oktober 2011 14:58 Uhr

    ... ein zürnender fan ...

    dann soll Staiger aber lieber mal Taktloss - BRP unendlich vorstellen :D
    oder Meisterstück 2 von Mach ... soll ja beides 2012 kommen und ist wohl beides auch mit mehr Charakter als Bushido und Sido.

    Auch Taktlo$$ haben will.

  4. 6. Hahah

    aber im Deutschen Hip Hop gibt es schon länger nichts mehr zu feiern, seit der Dominanz von Kool Savas

    Und 2011: Sido hat wirklich wahre Skills und ist etwas authentisch obwohl er sich schon seit längerem selbst verkauft, hingegen Bushido??
    Er ist ein Schwiegermutter-Liebling und macht einen auf sehr gefährlich, dabei ist er zu Kindern ganz lieb und lädt Eltern dieser zu seinen Konzerten ein (!)...hahah wahrer Gangsta

    • Himself
    • 17. Oktober 2011 14:45 Uhr
    7. Zeit.

    Abo gekündigt.

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    Da gibt ein Medium also einmal eine Meinung ab, die dem Leser nicht gefällt und schon wird das Abo gekündigt. Wenn das kein Beweis für absolut stumpfsinnige Intoleranz ist, was dann?

    • AFX
    • 17. Oktober 2011 14:58 Uhr
    8. oh ha

    ... ein zürnender fan ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Kann da keinen Zorn rauslesen. Wo denn?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bushido | Sido | Soziale Netzwerke | Album | Hip-Hop | Schiff
  • Der Autor Diedrich Diederichsen

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