Musik 2011Die besten Alben des Jahres
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Tipps von Stefan Hentz

Stefan Hentz' Lieblinge

Nils Petter Molvær: Baboon Moon (Columbia/Sony)
Die kleine, zusammengeflickte Hängebrücke zwischen den Kontinenten Dancefloor und Improvisation, Elektronik und Jazz. Mit seinem neu formierten Trio führt Nils Petter Molvær seine dialektischen Verwandlungstricks auf: Eine zarte Melodie bauscht sich zu monolithischen Klangwänden, eine tastende Linie zu physischen Beats, Nebel verhangene Melancholie schlägt um in schiere Aggressivität.

 

Charles Lloyd/Maria Farantouri: Athens Concert (ECM/Universal)
It's the singer, not the song. Und manchmal ist es auch der Saxofonist. Wenn Charles Lloyd und Maria Farantouri in der Ursuppe der Melodie rühren, dann verschwinden alle Prägungen: gleich, ob es sich um eine traditionelle griechische Melodie handelt oder um eine Linie aus dem Schatzkästlein des Jazz, um einen indianischen, einen afrikanischen oder einen asiatischen Song. Es zählt nur die Kraft der Melodie, die Kraft der Sängerin oder des Saxofonisten.

 

Sebastian Gille: Anthem (Pirouet)
Eine der angesagten Boy-Groups im europäischen Jazz – straight out of Köln und Hamburg. Dabei knalljung und knietief in der Tradition des sound of surprise. Alles fließt, ständig. Alles brodelt, verändert sich im Zusammenspiel, im ständigen Wechsel zwischen Aktion und Reaktion. Und über allem Hexengebräu schwebt das Saxofon von Sebastian Gille, kernig, selbstbewusst, virtuos und zupackend: So klingt Reife. Das Geburtsjahr 1983 tut da nichts zur Sache.

 

Leserkommentare
    • haeki
    • 13. Dezember 2011 11:15 Uhr

    11 männliche Kritiker im Vergleich zu 2 weiblichen.
    Wenn da nicht einige Vorkämpferinnen unzufrieden sein werden.

    Ansonsten: Interessante Zusammenstellung!

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    • anou
    • 13. Dezember 2011 21:16 Uhr

    ..im Vergleich zu zwei weiblichen Kritikerinnen. Wenn schon, denn schon, dann kann man auch in der Sprache gendern.

    Ist mir auch gleich aufgefallen.. Wie kommt's?

  1. Danke für den James Blake Tipp. Guter Track der Luft lässt und schön dynamisch arbeitet.

    • Bazini
    • 13. Dezember 2011 11:30 Uhr

    Ich schreib auch ab und zu in die Zeit, hier also meine picks für das ausklingenede *rockstartöchter-mit-vier-buchstaben-singen* jahr:

    Mimi: http://tinyurl.com/cqt373w

    Coco: http://tinyurl.com/blbmc7s

    Ok, Coco ist von ende 2010

    • spacko
    • 13. Dezember 2011 11:43 Uhr

    Danke für diese Zusammenstellung - immerhin eine schöne Erweiterung des Horizonts, bei aller Subjektivität.
    Nur, "Boy" - das Easylistening des Jahres?
    Nicht, dass ich dem Genre ausgiebig frönen würde, aber diese Scheibe:
    http://cultscultscults.co...
    spielt eine Liga höher - und ist auch völlig akzentfrei!

  2. Bei so einem Haufen Autoren hätte man sich schon gewünscht ein paar vielfältigere Tipps zu erhalten. Ein passender Titel wäre glaube ich: "Die besten Easy-Listening Alben", da die empfehlungen nur aus unkomplizierter Musik ohne Ecken und Kanten besteht (ohne das jetzt böse zu meinen).

    Gut finde ich, dass teilweise wirklich relativ unbekannte Bands dabei sind und kein absolutes Mainstream-Gedudel dabei ist.

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    Wo bleibt bitte schön die Abwechslung? Ich habe das Gefühl das sich Musik, genau wie Politik, immer mehr der Mitte annähert und angleicht um bei einer größt möglichen Masse von Menschen Anklang zu finden! Wo sind die Ecken und Kanten?
    Natürlich findet man noch zu jedem Musikgeschmack subversive Bands, Beats und Subgenres, aber man muss immer länger und intensiver danach suchen.
    Das deutsche Radio ist ein gutes Beispiel. Ein Sender gleicht dem Anderen. Die Meisten spezialisieren sich auf ein oder zwei Jahrzehnte, aber schlussendlich handelt es sich immer um POP.

    RN

  3. Mucke und ich rätsle... Werd ich vielleicht alt? Sogar die Vollgasmucke hier fährt mit gezogener Handbremse. Doch halt, Vivaldis Cello, das gefällt mir. Da brennt ein Feuerchen, schön.

    Mein Tip derzeit:
    PARKA, Zahltag
    http://www.youtube.com/wa...

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    hab mir ihren tip mal angehört. und meinetwegen: keine angezogene handbremse, dafür aber maximal eine landstraßenfahrt mit etwa 70 kmh!
    aber nett war es zum anhören schon, gute jungs die drei. an der eine oder anderen ecke meinte ich aber doch sehr deutlich herausgehört zu haben, dass es sich bei den jungs wohl um muse-liebhaber handelt.

  4. ... aber wo bleibt die Musik?

    Die Minireviews sind durchweg weitaus interessanter als die vorgestellten Alben, die überwiegend recht mittelmäßig bis arg langweilig ausfallen.

    Musikalische "Monstertrucks" oder "nervöse schwarze Soulfulness" oder noch "früher, prä-dadaistischer Kandinsky" kann ich irgendwie entweder nicht einordnen oder nicht erkennen. Oder aber ich bin zu kritisch. Vielelicht auch nur zu anspruchsvoll?

    Ich habe den leisen Verdacht, die Verfasser der Texte haben selten Zeit, wirklich Musik zu hören.

    Wie schrieb ein Rezensent? "Kapitalismus ist Scheiße" ... ich werde dann mal kein Kapital für die hier vorgestellten Alben investieren. Es fallen mir auf Anhieb etliche Alben in der verschiedensten Kategorien ein, die eine lohnendere Investition wären.

    ... Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel !

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    teilhaben lassen in welche Datenträger sie ihr Kapital investieren würden?

  5. Metronomy - The English Riviera

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