Burkhard Schäfers Lieblinge

Erkki-Sven Tüür: Ärkamine (Ondine)
Aufregende Musik für Chor und Orchester aus Estland von einem der interessantesten Komponisten der Gegenwart: Erkki-Sven Tüür (Jg. 1959) schrieb Ärkamine (zu Deutsch: Erwachen) 2011 im Auftrag der (noch) Kulturhauptstadt Tallinn zum 20. Jubiläum der Befreiung Estlands von den sowjetischen Besatzern. Die Balten hatten die Russen damals aus dem Land gesungen, was als Singende Revolution in die Geschichte einging. Unter anderem davon handelt das politisch und spirituell motivierte Werk, das eine Ahnung davon vermittelt, welche Kräfte die menschliche Stimme auch heute noch zu entfesseln vermag.

 

Sofia Gubaidulina: Fachwerk – Silenzio (Naxos)
"Wahre Musik hat die Struktur der göttlichen Schöpfung", sagte die wohl bedeutendste lebende Komponistin Sofia Gubaidulina dem Ensemble-Magazin für Kammermusik anlässlich ihres 80. Geburtstages am 24. Oktober. Hört man diese phänomenale CD, dann spürt man, was damit gemeint ist. Gubaidulina adelt das russische Volksinstrument Bayan (eine Art Akkordeon) zum klassischen Klangkörper und entlockt ihm Harmonien von transzendenter Schönheit.

 

Grigorij Krein/Samuil Feinberg: Violinsonaten (Genuin classics)
Ja, es gibt sie noch, die kammermusikalischen Entdeckungen jenseits des Repertoires, wenn auch nicht mehr oft. Die beiden Interpreten Ilona Then-Bergh (Violine) und Michael Schäfer (Klavier) machen es sich seit Jahren zur Aufgabe, solche Schätze zu bergen. In den Violinsonaten von Grigorij Krein (1879-1957) und Samuil Feinberg (1890-1962) sind sie 2011 abermals fündig geworden. Die Werke der beiden russischen Juden erfahren eine intensive und beglückende Lesart, die das Anhören dieser CD zu einem Erlebnis macht.