B. B. King oder Noel Gallagher setzen sich mit solchen Gitarrenschiffen vorzugsweise auf einen Stuhl. Pete Townshends Windmühlenschlag funktioniert bestens mit den kleinen Gibson-Modellen, der SG oder Les Paul. Präferierte Modelle, um Gitarre mit den Zähnen zu spielen, wie Hendrix, gibt es nicht. Den großen Gesten aber ist eines gemeinsam: Sie haben sich verbraucht. Die früheren Gitarristen hatten sie sich als Markenzeichen gegeben. Und niemand, der nicht freiwillig Epigone ist, sollte seine Gitarre heute noch schultern und hinter dem Kopf spielen.

Die Gitarre als Feigenblatt? Pete Townshend von The Who, 1975 © Evening Standard/Getty Images

Wer sehen will, wie vernünftig die E-Gitarre geworden ist, vergleicht die zwei Les-Paul-Spieler Slash und Joe Bonamassa. Bei Letzterem sitzt das Instrument heute in komfortabler Spielhöhe und wird gern mit Anzug und Manschettenknöpfen kombiniert. Slash war noch durch und durch Poser, dem der Gitarrenhals aus der Hose wuchs. Dafür hat er seine Les Paul auch grenzwertig tief gehängt. Je cooler der Look, desto ungünstiger der Winkel für die Greifhand.

Der Typus des Gitarrenposers greift heute eher zu den künstlich gealterten Instrumenten. Die Vernunftgitarristen dürfen sich als Krönung eine servicefreundliche Robotergitarre kaufen. Und können sich überlegen, ob sie sich ihr Instrument nicht gleich knapp unter den Hals hängen, so wie sich alte Männer die Hosen unter die Achseln ziehen. Frank Gambale und diverse andere Jazz-Gitarristen dienen als Vorbilder. Wem das Aussehen egal ist, der lässt den Unterarm der Schlaghand und die Saiten eine Linie bilden und kann im Flatpicking die Geschwindigkeit eines Mandolinentremolos erreichen.

Mit ein bisschen Stilgefühl wäre es Gitarristen möglich, ein Instrument zu ihrem eigenen zu machen. Dass Kurt Cobain sich das alte Schülermodell einer Fender Mustang in Daphne Blue ausgesucht hat, war ein richtiger Schritt. Und dass Fender ihm kurz vor seinem Tod mit der Jag-Stang noch ein eigenes Modell nach seinem Entwurf baute, erhob Cobain vom Gitarristen zum Modeschöpfer. Wenn auch nur für ein paar Jahre. Massentauglich war Cobains asymmetrisch verzogene Fantasie nicht. Die Produktion wurde 2005 eingestellt. Zu finden ist die Jag-Stang auf dem Vintage-Markt, wo sie als echte Erinnerung die moderne Gitarrenkrise überdauern wird. So wie eine ganze Armee vergessener Modelle. Die Gegenwart des Popsounds und seiner Instrumente ist ja recht gestrig. Möglicherweise auch ihre Zukunft.